Mit Klischees ist das so eine Sache, ein Fünkchen Wahrheit steckt meistens in ihnen, und doch es gibt immer auch Beispiele, die sie fundamental widerlegen. Die Schweizer etwa gelten als zurückhaltend, als reserviert, aber, es gibt auch Granit Xhaka.

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31 Geburtstage hat der Mittelfeldspieler mittlerweile gefeiert, beim Doublesieger Bayer Leverkusen gehört er zu den Stützen. Als umsichtiger Dirigent, der, wenn es sein muss, auch ein Raufbold sein kann. So hat er sich zu einem der Hingucker der vergangenen Bundesliga-Saison entwickelt. Nun aber richtet sich sein Blick auf die Europameisterschaft im Schweizer Nachbarland, als Kapitän möchte er die Nationalmannschaft möglichst weit tragen. „Der Hunger ist riesig wie nie zuvor“, sagt er. „Ich will das Team maximal unterstützen, den Trainer, den Staff. Ich will als Kapitän und Leader vorangehen.“ Von wegen reserviert.

Die EM 2024 beginnt für die Schweiz mit dem Duell gegen Ungarn

Das Turnier beginnt für die Schweiz am Samstag (15 Uhr/Magenta TV), der Gegner heißt Ungarn. Und alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung, die Mannschaft von Trainer Murat Yakin gilt als der härteste deutsche Gruppengegner. Vor allem die Defensive sei besonders, meint Alexander Frei im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Torwarthandschuhe zieht sich Yann Sommer, 35, von Inter Mailand über. Sein Konkurrent Gregor Kobel, immerhin Champions-League-Finalist mit Borussia Dortmund, sitzt nur auf der Bank. Davor gehört in Manuel Akanji, 28, früher BVB, jetzt Manchester City, ein internationaler Spitzenspieler zur Innenverteidigung. Davor wiederum ordnet besagter Xhaka das Mittelfeld.    

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„Wir sind sehr gut unterwegs, haben viele gute Spieler, die in bedeutenden Klubs spielen. Die Basis ist solide, wir bekommen wenig Gegentore“, berichtet Alexander Frei. Aber, es gibt ein Aber. „Wir haben keinen reinen Torjäger. Wir lahmen ein bisschen in der Offensive.“

Oder anders formuliert: Es fehlt einer wie Alexander Frei.

Das Ruhrgebiet kennt den mittlerweile 44-Jährigen noch aus seiner Zeit in Dortmund, drei Jahre, von 2006 bis 2009, verbrachte der ehemalige Angreifer beim BVB. Damals war der Klub gerade der Pleite entronnen, der Neuaufbau begann. Und Frei? Der stürmte sich zu einem Lichtblick in der kompliziertesten Phase des Vereins. Unvergessen, wie er 2007 beim 2:0-Erfolg im Revierderby über Schalke traf und so maßgeblichen Anteil daran hatte, dass dem Rivalen die Meisterschale aus den Händen gerissen wurde.

Konzentriert beim Training: Granit Xhaka. Wobei die Qualität des Rasens die Schweizer Nationalmannschaft stört.
Konzentriert beim Training: Granit Xhaka. Wobei die Qualität des Rasens die Schweizer Nationalmannschaft stört. © dpa | Bernd Weißbrod

Für die Schweiz hat Frei insgesamt 42 Mal getroffen. Rekord. Beim Sommermärchen 2006 schaffte er mit der Nationalelf den Sprung ins Achtelfinale, schied dort im Elfmeterschießen gegen die Ukraine aus. Diesmal sei es fast schwieriger, nicht weiterzukommen, sagt der gebürtige Baseler. „Alles andere als die Qualifikation für die K.o.-Phase wäre deswegen eine riesige Enttäuschung. Und dann braucht es Losglück, es kommt auf den Gegner, die Tagesform an.“ Und darauf, dass die Offensive trotz ihrer Probleme irgendwie Tore erzielt.

Breel Embolo, der ehemalige Schalker soll der Schweiz helfen

Der Sturm wird weiterhin vor allem von Xherdan Shaqiri geprägt, ein kleiner Dribbler, 32 Jahre alt. Eine Zeit lang war Shaqiri beim FC Bayern angestellt, jetzt bewegt er sich nur noch in den USA bei Chicago Fire über den Rasen. Seine beste Phase ist vorbei. Deswegen hofft Trainer Yakin auf die Genesung des ehemaligen Schalkers Breel Embolo, trotz der miserablen Saison des 27-Jährigen. Wenn man seine Einsatzminuten bei der AS Monaco zusammenrechnet, kommt man auf nur 181. Eine Oberschenkelverletzung versaute Embolo die Spielzeit. Aber Yakin braucht ihn.

Die Offensivschwierigkeiten trüben die Aussicht auf Erfolg. Außerdem gab es ein wenig Aufregung im Schweizer Lager in Stuttgart. Der Verband beklagte sich über die Qualität des Trainingsplatzes. Man sehe sich bereits nach Alternativen um, erklärte Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami, die Uefa habe „versprochen, alles zu tun, um die Situation zu verbessern“.

Abwarten. An diesem Samstag wird ohnehin im Kölner Stadion gespielt. Alexander Frei wird auf der Tribüne sitzen. Die Schweizer seien erst euphorisch, wenn das Turnier losgehe, sagt er. „Man hat das Gefühl, das Publikum muss für jedes Spiel neu erobert werden. Wir sind ein bisschen reservierter.“ Immer diese Klischees.

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