Die Gesetzliche Krankenversicherung kämpft mit einem gewaltigen Defizit: Allein im kommenden Jahr fehlen den Krankenkassen rund 15 Milliarden Euro. Um sie zu entlasten, hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Reform auf den Weg gebracht, mit der auch die kostenfreie Mitversicherung für Familienangehörige deutlich eingeschränkt wird. Neue Daten des Landesstatistikamts IT NRW zeigen nun, wie viele Menschen in NRW von dieser Entscheidung betroffen wären.

Ende 2023 waren rund 3,9 Millionen Menschen in NRW als Familienangehörige kostenfrei mitversichert. Das ist etwa ein Viertel aller gesetzlich Krankenversicherten im Land. An den allermeisten dürften die geplanten Kürzungen aber vorbeigehen. Kinder sollen nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums kostenfrei mitversichert bleiben, auch Eltern von Kindern unter sieben Jahren sowie von Kindern mit einer Behinderung, die außerstande sind, sich selbst zu unterhalten, auch pflegende Angehörige, Menschen im Regel-Rentenalter und mit voller Erwerbsminderung.

Viele Ausnahmen im Gesetz

Den Daten des Landesstatistikamts zufolge bleibt in NRW noch ein Kreis von 503.000 mitversicherten Familienangehörigen, die unter 66 Jahren sind, bei denen aber kein Kind oder kein kleines Kind im Haushalt lebt. Die Gruppe könnte noch kleiner sein, weil Daten zu Familienversicherten und der Pflege eines Angehörigen, Behinderung eines Kindes oder einer vollen Erwerbsminderung nicht vorliegen.

Warken kündigte an, mit dem Gesetzentwurf würden im kommenden Jahr rund 16,3 Milliarden Euro eingespart werden. Damit wäre das Milliardenloch zunächst gestopft. An den Maßnahmen gibt es von verschiedenen Seiten Kritik, weil sie zu neuen Belastungen führen. Zuzahlungen für Medikamente sollen steigen, die Beitragsbemessungsgrenze soll erhöht werden, Vergütungen von Ärztinnen und Ärzten sollen gedeckelt werden. Bislang kostenfrei mitversicherte Familienangehörige, die nicht in Rente sind, die kein kleines oder behindertes Kind haben und nicht pflegen, sollen dem Gesetzentwurf zufolge ab 2028 einen Beitragszuschlag von 3,5 Prozent zahlen.

Gewerkschaften hatten die Kürzungen bei der Familienversicherung als „Frontalangriff auf Familien“ kritisiert. Untersuchungen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge profitieren von der beitragsfreien Mitversicherung bislang insbesondere klassische Ein-Verdiener-Ehen. Für den zweiten Partner – überwiegend Frauen – lohne sich der Einstieg in den Job oft nicht, wenn er von seinem Lohn auch eigene Krankenkassenbeiträge zahlen müsse.