Wir brauchen keinen Weltkindertag. Nicht diesen einen Tag, an dem auch Schüler mal kostenfrei mit Bus und Bahn durchs Ruhrgebiet fahren dürfen und in großen Parks Hüpfburgen aus dem Boden sprießen. Kinder und ihre Rechte gehören nicht an einem Tag im Jahr aufs nächstbeste Ausmal-Poster – sondern 365 Tage lang in den Fokus der Gesellschaft.
Dass das nicht so ist, merken Eltern noch bevor sie welche sind. Frauen wissen inzwischen nur allzu gut, dass sie am besten gleich mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand Hebammen abtelefonieren sollten. Ja, dank Hochschulstudium werden inzwischen mehr Hebammen ausgebildet – aber bundesweite Daten der Barmer legen nahe, dass insbesondere einkommensschwache Frauen und damit ihre Kinder nicht ausreichend versorgt sind.

Ein Drittel weniger Geburtskliniken in NRW
Und wenn werdende Eltern dann eine Geburtsklinik suchen, stellen sie fest, dass auch im gut versorgten Ruhrgebiet mehr und mehr Stationen geschlossen wurden. Landesweit ist die Zahl der Geburtskliniken in 20 Jahren um ein Drittel gesunken. Bis heute werden sie bundesweit so schlecht finanziert, dass insbesondere kleinere, familiäre Kreißsäle Defizite in Millionenhöhe schreiben. NRW versucht nachzusteuern und treibt die Entwicklung durch seine Krankenhausreform doch mit an.
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Ist das Kind dann geboren, ist zwar der Brief vom Finanzamt schon da, aber längst noch kein Kita-Platz. Trotz massiven Ausbaus und Geburtenrückgang fehlen in NRW Kita-Plätze, es fehlen Erzieherinnen und es fehlt die politische Durchschlagskraft, die Kitas finanziell und personell besser auszustatten. Kinder haben ein Recht auf Bildung. Eine gute Kita und ein gutes Pflegenest sind Orte frühkindlicher Bildung, in denen Kinder wachsen und stark für diese Welt werden – die ersten Lebensjahre sind entscheidend.
Das Elternhaus entscheidet immer noch über den Bildungserfolg
Das merken Lehrkräfte in den ersten Klassen. Wieso ergänzen wir die Schulpflicht nicht um das Recht auf Chancengleichheit? Noch immer entscheidet vor allem das Elternhaus über den Bildungserfolg des Kindes – trotz aller Programme und aller vollmundigen Bekundungen, dies ändern zu wollen. Dabei geht es weniger um einen Zuwanderungshintergrund. Bildung und Einkommen der Eltern sind die entscheidenden Faktoren für die Bildungschancen von Kindern in Deutschland, das hat der Chancenmonitor 2023 eindrucksvoll gezeigt. Das ist insbesondere für das Ruhrgebiet mit seiner hohen Kinderarmut ein Offenbarungseid.
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Wieso werden Kinder erst dann verpflichtend staatlich gefördert, wenn sie in die Schule gehen müssen? Wieso gibt es keine Vorschule für Kinder mit Nachholbedarf, damit sie wenigstens annähernd gleiche Startbedingungen haben?
Psychische Belastung bei jungen Menschen steigt
Unicef nennt zehn wichtige Kinderrechte. Nicht jeder mag sie kennen. Das Recht auf Gesundheit und eine saubere Umwelt gehört dazu, das Recht auf Spiel und Freizeit, elterlicher Fürsorge und besondere Förderung bei Behinderung. Auch wenn NRW ein Bundesland ist, in dem die meisten Kinder sicher aufwachsen – auch in unseren Städten erleben Kinder sexuellen Missbrauch, sie erleben Vernachlässigung im Elternhaus und sie erleben Armut in all ihrer Härte.
Und wer erinnert sich an die Pandemie? Kinder haben in Lockdown-Zeiten auf einen Großteil dessen verzichtet, was Kindsein ausmacht, damit die Alten und Kranken geschützt sind. Heute zeigen Statistiken aller Krankenkassen, wie sehr die multiplen Krisen unserer Zeit die Seele junger Menschen belasten.
Nun kann man sagen: Liebe Eltern, was soll Gesellschaft denn alles regeln? Kümmert euch um euren Nachwuchs! Nun, nicht alle Eltern können das. Ihre Kinder haben trotzdem ein Recht auf einen guten Start ins Leben. Auch noch nach dem Weltkindertag.





