Bei der Verbraucherzentrale NRW häufen sich auch über drei Monate nach dem bundesweiten Start der elektronischen Patientenakte Anfragen zur ePA. Die Verbraucherschützer bemängeln, dass schon die Anmeldung für Versicherte eine viel zu hohe Hürde sei. Ein neues Angebot aus NRW soll Abhilfe schaffen, wie Verbraucherschützerin Sabine Wolter erklärt.

Frau Wolter, seit über drei Monaten gibt es bundesweit die elektronische Patientenakte. Wie läuft es aus Ihrer Sicht?

Wolter: Viele Menschen wissen kaum, was die ePA ist, was darin gespeichert wird oder wie sie sich registrieren. Es gibt großen Informationsbedarf. In unseren Beratungsstellen melden sich Versicherte, aber auch Firmen oder Verbände, die nach Workshops fragen. Unser Online-Seminar im Februar nutzten 2.000 Menschen in NRW. Der Informationsbedarf ist so groß, dass wir es erweitert haben.

Wo liegen die Fallstricke?

Wolter: Jede versicherte Person hat eine digitale Akte bekommen, es sei denn, sie hat widersprochen. Ärztinnen und Ärzte befüllen sie derzeit freiwillig, ab Oktober ist es verpflichtend. Versicherte können ihre Akte per Krankenkassen-App einsehen und verwalten. Doch die Registrierung ist kompliziert, und das ist eine enorme Hürde.

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Was ist das Problem?

Wolter:  Der hohe Datenschutz macht die Anmeldung umständlich. Man braucht zum Beispiel die PIN der elektronischen Gesundheitskarte, muss diese gegebenenfalls bei der Kasse anfordern und sich in einer Postfiliale ausweisen. Anschließend müssen Karte und Handy korrekt gekoppelt werden. Das alles sind Hürden auch für digital versierte Menschen, es ist noch problematischer für ältere Menschen.

Was fordern Sie?

Wolter: Der Anmeldeprozess muss vereinfacht werden. Jedes Hindernis schreckt ab. Außerdem müssen die Krankenkassen stärker aufklären.

Sabine Wolter ist Gesundheitsrechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Am 18. August startet ein Online-Selbstlernkurs der Verbraucherzentrale zur elektronischen Patientenakte.
Sabine Wolter ist Gesundheitsrechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Am 18. August startet ein Online-Selbstlernkurs der Verbraucherzentrale zur elektronischen Patientenakte.© Verbraucherzentrale NRW | Verbraucherzentrale NRW

Wie lange haben Sie gebraucht, sich anzumelden?

Wolter: Zehn bis 15 Minuten – ich hatte aber alle nötigen Unterlagen griffbereit. Wenn man aber erst eine PIN beschaffen muss oder sich zum Beispiel bei der Post identifizieren muss, dauert es deutlich länger. Ist man erst angemeldet, ist die ePA einfach zu nutzen. Man kann Zugriffsrechte verwalten oder Ärzte und Apotheken suchen. Allerdings sind die gespeicherten Daten derzeit unsortiert. Das soll sich bis 2026 verbessern.

Schreckt nur die Anmeldung ab?

Wolter:  Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass alle Versicherten auch die Apps nutzen. Meine persönliche Erfahrung aus Vorträgen ist, dass viele ältere Menschen ihre ePA gar nicht aktiv über die App ihrer Krankenkasse verwalten wollen. Vielen ist einfach wichtig, dass die Daten in der ePA gespeichert sind, etwa für Krankenhausaufenthalte. Das ist ja eine wichtige Aufgabe, die die ePA übernehmen wird.

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Worauf sollten Verbraucher bei der ePA achten?

Wolter:  Man sollte wissen, welche Daten gespeichert werden und an welchen Punkten man das ablehnen kann, etwa bei sensiblen Dingen wie einer HIV-Diagnose. Man sollte wissen, wer die ePA einsieht, nämlich nicht der Arbeitgeber oder Lebensversicherer. Solche Sorgen hören wir auch.

Der neue Online-Selbstlernkurs der Verbraucherzentrale NRW startet am Montag, 18. August. In drei Teilen wird erklärt, was die ePA ist, was man für den Zugang zur App braucht und wie man sich registriert. Mehr unter: www.verbraucherzentrale.nrw/meine-epa