Ohne Übertreibung: Eindhoven brodelt! Internationale Vielfalt trifft hier auf technologische Vision, kreative Bildung auf unternehmerischen Geist. Rund 250.000 Menschen leben in der Hightech-Metropole im Süden der Niederlande – und mehr als 100.000 von ihnen sind nicht in den Niederlanden geboren. Dieser beeindruckende Schmelztiegel ist ein Magnet für kreative Köpfe: Rund 35.000 Studierende an den drei Hochschulen: die Technische Universität, die Design-Akademie und die Fontys Hochschule für angewandte Wissenschaften bilden den akademischen Grundstock für Wissen, Innovation und Dynamik auf jugendlich breiter Basis.

Wer nach frühen kreativen Wurzeln dieser Brabant-Metropole sucht, muss über 130 Jahre zurückschauen und sich Erfolg um Erfolg bis in die unmittelbare Gegenwart vorarbeiten: Ende des 19. Jahrhunderts gründete Frederik Philips mit seinem Sohn Gerard eine für die damalige Zeit geradezu futuristisch anmutende Glühlampen-Fabrik, die aber schnell Welterfolg erlangen sollte. Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich dann nach und nach der Eindhovener Automobilhersteller, der vom Lastwagen über den Pkw bis zum Rennwagen und experimentellen Amphibienfahrzeugen so gut wie alle Autotypen herstellte.

Der italienische Architekt Massimiliano Fuksas hat diese futuristische Glaskonstruktion entworfen, die unter dem Namen „Der Blob“ inzwischen zu einem Wahrzeichen Eindhovens geworden ist. Im Inneren befinden sich mehrere Geschäfte.
Der italienische Architekt Massimiliano Fuksas hat diese futuristische Glaskonstruktion entworfen, die unter dem Namen „Der Blob“ inzwischen zu einem Wahrzeichen Eindhovens geworden ist. Im Inneren befinden sich mehrere Geschäfte.© Andreas Thiemann | Thiemann, Andreas

Eindhoven bei Nacht: Zwischen Mikrochips, Kneipen und leuchtender Geschichte

Und 1984 schließlich ging das Unternehmen ASML an den Start und wurde bis heute zum unangefochtenen Weltmarktführer im Maschinenbau zur Herstellung von Mikrochips. Dieser buchstäblich rund um die Erde operierende Konzern – der globale Marktanteil in dieser Sparte liegt bei sagenhaften 90 Prozent – brachte Eindhoven den ebenso schillernden wie respektierten Namen „Silicon Valley Europas“ ein. Trotz der erdumspannenden Ausrichtung des milliardenschweren Hightech-Unternehmens befindet sich die Konzern-Zentrale nach wie vor gerade einmal 15 Bus-Minuten vom Eindhovener Stadtzentrum entfernt, wo auf knapp 250.000 Quadratmetern Bürofläche auch die Forschungsabteilung der Firma beheimatet ist.

Blick von der Dachterrasse des „NH Collection“-Hotels; unten rechts lässt sich der gläserne „Blob“ erkennen.
Blick von der Dachterrasse des „NH Collection“-Hotels; unten rechts lässt sich der gläserne „Blob“ erkennen.© Andreas Thiemann | Thiemann, Andreas

Natürlich braucht derart viel Fleiß und Kreativität auch ein entsprechendes Freizeit-Ventil, um immer wieder neu auftanken zu können. Entsprechend verfügt Eindhoven dafür über eine Restaurant- und Kneipendichte in der Innenstadt, die wahrlich ihresgleichen sucht. Allein im beliebten Ausgehviertel Stratumseind bietet die längste Nachtleben-Straße der Niederlande auf ihren etwa 200 Metern knapp 60 Kneipen an. Und das ist nur ein Bruchteil des gastronomischen Angebots der Innenstadt. Fast überflüssig an dieser Stelle zu erwähnen, dass die nächtliche Beleuchtung (Philips sei natürlich Dank!) längst zu den unbedingten Attraktionen Eindhovens zählt und die Vitalität der Stadt bis in die späten Abendstunden buchstäblich erstrahlen lässt.

Allerdings war und ist nicht immer alles so leuchtend fröhlich, schön und vorbildlich in Eindhoven gewesen. Im Zweiten Weltkrieg, am 6. Dezember 1942, zerstörten britische Bomber die Eindhovener Philips-Werke, die mitten in der Stadt angesiedelt waren. Ein zweiter, desaströser Schlag erfolgte am 19. September 1944, als dann die deutsche Luftwaffe den historischen Stadtkern in einem regelrechten Inferno vollends untergehen ließ.

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Stadtentwicklung in Eindhoven: Vom Wiederaufbau zur nachhaltigen Architektur

Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte einerseits unter dem Gebot von Zeit- und Geldnot, zum anderen aber auch in einer intensiven Architektur-Liebe für Beton und Hochhäuser. Dadurch prägen bis heute viel zu wenige Bäume und Grünflächen das Stadtbild, wohl aber umso mehr kühne und auch überraschende Bau-Träume, die offensichtlich kaum einer regelnden, beziehungsweise maßvollen Städteplanung unterworfen wurden. Inzwischen geloben die Stadtväter, nicht zuletzt aus klimatischer Notwendigkeit, nachhaltige Einsicht und Besserung, und mit etwas gutem Willen sind erste Ansätze in diesem Bemühen bereits erkennbar.

Eines der zahlreichen Hochhäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Eindhoven entstanden sind.
Eines der zahlreichen Hochhäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Eindhoven entstanden sind.© Andreas Thiemann | Thiemann, Andreas

Eindhovens Stadtgeschichte reicht bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück. Ein Marktflecken mit gerade einmal 170 Häusern lag verkehrsgünstig an einer viel genutzten Handelsroute von Holland nach Lüttich. Immer wieder über die Jahrhunderte durch Kriege, Plünderungen und Brände zerstört, gehört das Wort Wiederaufbau zum leidvollen Stadtvokabular. Vielleicht ist es dieser hartnäckige Wille zum unbeugsamen Neubeginn, der sich als charakteristische DNA von Eindhoven in einer langen Reihe von Unglücken und Katastrophen allmählich herausgebildet hat.

Tipps für den Besuch

Philips-Museum: Das alte Fabrikgebäude, in dem Gerard Philips 1891 seine Karriere begann, zeigt auf multimediale Weise die Geschichte des Unternehmens von der ersten Glühbirne bis ins digitale Zeitalter der Gegenwart.
Adresse: Emmasingel 31, 5611 Eindhoven, Öffnungszeiten: Di. bis So. 11.00 – 17.00 Uhr, philips.de

DAF-Museum: Vom Motorrad über den Pkw bis zum Lastwagen präsentiert das DAF-Museum eine Fülle an Originalexponaten aus der 85-jährigen DAF-Geschichte mit interessanten Stationen, an denen die Besucher auch ihre eigene individuelle Mobilität testen können.
Adresse: Tongelresestraat 27, 5613 Eindhoven, Öffnungszeiten: Di. bis So. 10.00 – 17 Uhr, dafmuseum.nl

Van Abbemuseum: Das Van Abbemuseum in Eindhoven mit seinen mehr als 3000 Kunstwerken ist eines der führenden Museen für zeitgenössische Kunst in Europa.
Adresse: Stratumsedijk 2, 5611 Eindhoven, Öffnungszeiten: Di. bis So. 11.00 – 17 Uhr, vanabbemuseum.nl

Wer heute später am Abend im 14. Stock die (öffentliche) Bar des „NH-Collection“-Hotels, unweit des Hauptbahnhofs, besucht, kann neben einem schönen Drink hoch über den Dächern von Eindhoven auch eine großartige Rundumsicht genießen: Wobei die Vielzahl der Hochhäuser im Stadtpanorama ganz augenscheinlich mit der großen Menge an Baukränen in Konkurrenz zu treten scheint. Eindhoven brodelt also auch in Zukunft weiterhin höchst lebendig, so viel ist sicher.