Kohle und Stahl prägten das Ruhrgebiet während der Wirtschaftswunderjahre. Einen Horchposten, der seine Lauschangriffe ausschließlich auf das Weltall richtete, hätte dort deshalb kaum jemand vermutet. Hightech war noch nicht angesagt. Und es gab Wichtigeres zu tun, als den Weltraum zu erkunden. Wie eine Bombe schlug deshalb 1957 die Nachricht ein, dass die Sternwarte Bochum als erste westliche Station das Piepen von Sputnik I aufgefangen hatte – dem ersten Erdsatelliten, von der damaligen Sowjetunion ins All befördert.

Die Bochumer Sternwarte im Stadtteil Sundern ist leicht zu finden. Das Radom, eine 40 Meter hohe Tragluftkuppel, die eine 20 Meter hohe Parabolantenne vor Wind und Wetter schützt und 1967 in Betrieb ging, ist weithin sichtbar. 220 Tonnen wiegt das Ungetüm, das mit einer Positioniergenauigkeit von 1/1000 Grad empfangen und auch senden kann. Was wiederum die NASA bewog, die Sternwarte Bochum an der Marsmission AMSAT P5A zu beteiligen.

Sternwarte Bochum: Erste Geräusche aus dem Weltall

Zurück ins Jahr 1957, genauer gesagt auf den 5. Oktober: Es war früher Morgen, als Bochum die ersten Geräusche aus dem Weltall einfing und über Lautsprecher übertrug – früher als viele andere Stationen auf der Welt. Vielleicht war dies den NASA-Experten sogar recht. So blieb ihnen zunächst erspart, den Erfolg der konkurrierenden Russen zu würdigen und einräumen zu müssen, beim Wettlauf ins All den Start verpasst zu haben.

Die Sternwarte Bochum ist in die Geschichte der Raumfahrt eingegangen. (Archivbild)
Die Sternwarte Bochum ist in die Geschichte der Raumfahrt eingegangen. (Archivbild)© www.blossey.eu / FUNKE Foto Service | Hans Blossey

Als vier Jahre später den Sowjets der erste bemannte Weltraumflug mit dem Kosmonauten Jury Gagarin gelang, fühlte sich das für die US-Amerikaner erneut wie eine Demütigung an. Auch diesmal war die Sternwarte frühzeitig auf Horchposten und spielte im Kalten Krieg zwischen West und Ost eine Rolle als hochsensibles Ohr im All. Eine Art „Star Wars“ im Revier, wer hätte das gedacht?

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Mondlandung: Institut bekommt die Bilder früher als das Fernsehen

Als dann 1969 mit dem Amerikaner Neil Armstrong der erste Mensch den Mond betrat, hatten die Bochumer die ersten Bilder fünf Minuten früher als das Fernsehen, weil sie auf einer NASA-Frequenz dabei waren. 2009 gab es erneut Lorbeeren von der Fachwelt. Es war gelungen, mit Hilfe der riesigen Antenne das Echo der Venus zu empfangen.

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Doch warum ist die Sternwarte Bochum viel besser unter dem Namen „Kap Kaminski“ bekannt? Das ist auf den legendären Chemie-Ingenieur, Astronomen und Forscher Heinz Kaminski (1921–2002) zurückzuführen, der dort bereits 1946 eine Volkssternwarte der Volkshochschule gründete. Diese wurde im Laufe der Jahre zu einem technologisch bestens ausgestatteten Horchposten entwickelt. Kaminskis durch Fachkompetenz erworbenes internationales Renommee und seine hohe Medienpräsenz haben die Sternwarte, die 1982 zum Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ) umgewidmet wurde, weltweit bekannt gemacht.

Aus: Ruhrgebiet für Kenner: Wahres, Rares, Erstaunliches von Rolf Kiesendahl und Sylvia Lukassen, Ellert Richter Verlag Hamburg, 12 Euro