Wurde bei den Ermittlungen um den tödlichen Brandanschlag in Solingen vor einem Jahr geschlampt? Oder noch schlimmer: Hat die Polizei einen möglichen rechtsextremen Hintergrund für die grauenhafte Tat vertuscht, vielleicht auch nur, weil es bitte nicht wieder Solingen sein sollte? Es wäre ein Skandal mit schwer absehbaren Folgen.
Noch sind es die Recherchen der Opferanwältin, und was auf ihre Anzeige gegen die Polizei folgt, wird man sehen. Aber was sie herausgearbeitet hat, wirft mindestens die Frage auf, wie es sein kann, dass mehr als deutliche Hinweise auf eine Nähe des Täters zum Rechtsextremismus offenbar nicht in der Akte zum Prozess auftauchen.
So gesehen spielt es am Ende auch überhaupt keine Rolle, ob das Motiv des Mannes irgendwo im ganz Persönlichen liegt, und das ist ja immer noch möglich. Schwerer wiegt der Verdacht, dass es einen Versuch gegeben haben könnte, eine unliebsame Wahrheit zu verschleiern.
Der NSU-Prozess hat auf bestürzende Art verdeutlicht, wohin solche Manöver führen können. Kein Zufall, dass im Fall Solingen dieselbe Anwältin aktiv ist, die auch damals Missstände in diesem Zusammenhang aufgedeckt hat. Nicht nur in diesen Zeiten, aber ganz besonders in diesen Zeiten ist es verantwortungslos, extreme politische Gesinnungen zu bagatellisieren oder gar auszuklammern. Schon gar nicht im Zusammenhang mit Gewalttaten.
Was nun im Raum steht, darf nicht ignoriert werden. Weder von der beschuldigten Polizei, die sich im laufenden Verfahren zu den heftigen Vorwürfen nicht äußern möchte. Noch vom Innenminister des Landes, auf dessen Schreibtisch dieser Fall hoffentlich ganz schnell landet.