Frauen und Männer wollen sich die bezahlte Elternzeit gleichmäßig aufteilen – tun dies aber nicht. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die das „Institut Arbeit und Qualifikation“ der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Demnach ist das sogenannte egalitäre Modell bei den mehr als 2500 Befragten am beliebtesten (44 Prozent). Sie unterstützen es also, wenn sich beide für jeweils sieben Monate aus dem Beruf zurückziehen.

Die Realität entspricht allerdings nicht dieser Vorstellung: Zwar geht mittlerweile fast die Hälfte der Väter (46 Prozent) in Elternzeit und damit doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. Allerdings nehmen drei Viertel von ihnen nur die zwei Partnermonate. So beziehen Frauen 11,6 Monate Elterngeld, Männer lediglich 2,8 Monate.

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„Karrierebrüche, geringeres Einkommen und weniger Rente für Frauen“

Zum Hintergrund: Einem Paar stehen gemeinsam insgesamt 14 Monate bezahlte Elternzeit zu – sofern sich beide an der Betreuung des Kindes beteiligen. Das bedeutet, dass ein Elternteil mindestens zwei und höchstens zwölf Monate in Anspruch nehmen kann.

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Zurzeit werden Mütter benachteiligt, kritisiert Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Individuell führt es zu Karrierebrüchen, geringerem Einkommen und später weniger Rente für Frauen“, sagt sie. Gleichzeitig warnt sie auch vor negativen Folgen für die Gesellschaft: „Es bedeutet auch weniger Fachkräfte für den Arbeitsmarkt und damit ein Verlust an Wirtschaftswachstum.“

Eltern kritisieren: Antrag auf Elterngeld muss einfacher werden

Die Eltern wurden von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern außerdem gefragt, wie sich Familie und Beruf aus ihrer Sicht besser vereinen lassen. Die meisten (44 Prozent) von ihnen wünschen sich weniger Behördenkram. So sollte es ihrer Meinung nach etwa einfacher sein, den Antrag auf Elterngeld zu stellen. Rund ein Drittel sagt, dass eine kostenlose Kinderbetreuung oder eine bezahlte Haushaltshilfe helfen würden. Etwa ein Viertel würde sich durch flexiblere Arbeitszeiten und mehr Homeoffice entlastet fühlen.

Auffällig ist: Nur 17 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer denken, dass es ihnen helfen würde, weniger zu arbeiten. „Der Wille zur Erwerbsarbeit ist nach wie vor da“, hält Michaela Hermann fest. „Die Übernahme von Sorgearbeit darf für Eltern deshalb nicht zu Lasten der beruflichen Entwicklung gehen.“