Wenn Journalisten Texte über die Pressefreiheit veröffentlichen, schreiben sie auch in eigener Sache. Denn es betrifft ihre tägliche Arbeit, ihre Inhalte, ihre Verantwortung. Es betrifft das, wofür Journalismus steht. Und doch geht es um sehr viel mehr als um die Selbstbespiegelung einer Berufsgruppe.
Die Mütter und Väter des Grundgesetzes waren sich angesichts der Hitler-Diktatur und des millionenfachen Mordens bewusst, dass sich dieses Grauen nie wiederholen darf und dass die Meinungs- und Pressefreiheit ein Baustein für eine funktionierende Demokratie ist. Deshalb verankerten sie dieses Recht im Artikel 5 des Grundgesetzes. Es war eine weise Entscheidung.
Tag der Pressefreiheit: Blick nach Russland zeigt Folgen einer desinformierten Gesellschaft
Denn nur eine informierte Gesellschaft, die Zugriff auf verschiedene Medien hat, die Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit lebt und die für Überzeugungen demonstrieren darf, besitzt das notwendige Fundament, um sich gegen Angriffe auf Frieden und Freiheit zu wehren. In vielen Teilen dieser Welt ist das nicht der Fall.
Der aktuelle Blick nach Russland zeigt, welche Folgen eine desinformierte Gesellschaft haben kann. Der Ukraine-Krieg ist längst auch ein Propaganda-Krieg geworden. Wer Angst um Leib und Leben haben muss, geht nicht auf die Straße, jedenfalls nicht in einer Größenordnung, die öffentliche Wirkung erzielt. Es sind einzelne, mutige Menschen, die dafür oft einen hohen persönlichen Preis bezahlen. Wem nur gelenkte Staatsmedien zur Verfügung stehen, glaubt irgendwann, was dort berichtet wird – oder will es glauben.
Diktatoren und autokratische Systeme können nur bestehen, wenn sie die Meinungs- und Pressefreiheit zerstört haben. Das ist in Russland so, es ist aber auch in China, Nordkorea und vielen anderen Ländern nicht besser.
Journalismus – eine Kontrollfunktion, die Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein erfordert
Journalistinnen und Journalisten müssen informieren, sie tragen über Kommentare zur Meinungsbildung bei, sollen Hass, Hetze und Fake-News verhindern. Sie sind Anwälte ihrer Leserinnen und Leser, für die sie das Geschehen in den Städten, Gemeinden und Landkreisen beobachten, beschreiben und einordnen. Journalismus und Verantwortung beginnen da, wo in Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen Entscheidungen getroffen werden, die das Leben beeinflussen.
Ja, es ist auch eine Kontrollfunktion, die Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein erfordert. Und das Vertrauen der Menschen, das man sich durch gute Arbeit verdienen muss. Doch der Kampf um die Meinungs- und Pressefreiheit lohnt sich. Jeden Tag. Überall.


