Die letzte Runde auf dem Eis ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber Schlittschuhlaufen ist doch sicher wie Fahrradfahren. So etwas verlernt man nicht! Oder? Den klitzekleinen Zweifel ignoriere ich einfach mal, während ich zielsicher die Eissporthalle von Grefrath ansteuere. „Die größte Eislaufanlage von NRW“ präsentiert sich nach außen hin im grauen 1970er-Charme. „Die komplette Anlage wurde 1975 eingeweiht“, verrät kurz darauf Veranstaltungsfachwirt Jan Lankes. Im Innenbereich hat sich jedoch zuletzt einiges getan.

Deshalb geht’s nun schnell vorbei an der Tageskasse bis zum Schlittschuhverleih. „Jutta, wie viele Schlittschuhe haben wir?“, fragt Lankes. Jutta schaut prüfend auf das Meer aus schwarzroten Schlittschuhen. „1800“, schätzt sie. Und wer nun Sorge hat, die richtige Größe sei nicht dabei: „Von 24 bis 50 haben wir alles da“, fügt Lankes hinzu. Dazu kommen außerdem noch Gleitschuhe, die sich an Straßenschuhen befestigen lassen. „Viele Geschwisterkinder unter sechs Jahren wollen auch mal aufs Eis.“ Durch die zwei Kufen wird’s für sie (und damit auch für die Eltern) direkt etwas einfacher.

1800 Quadratmeter große Eisfläche

Aber, da muss Jutta jetzt leider enttäuschen, die Gleitschuhe sind leider den Kindern vorbehalten. Stattdessen drückt sie mir die passenden Schlittschuhe in die Hand, während sich der Profi noch schnell sein eigenes Paar holt. „Super, dann komme ich heute doch noch aufs Eis“, sagt er und grinst. Schon als Kind spielte er Eishockey – meistens in Krefeld, manchmal auch in Grefrath. Mittlerweile kurvt er nur noch hobbymäßig herum, wenn er nach Feierabend mal Lust drauf hat. Oder er netterweise eine Redakteurin beim Selbstversuch begleitet.

Die ausgeliehenen Schlittschuhe werden nach jedem Gebrauch desinfiziert.
Die ausgeliehenen Schlittschuhe werden nach jedem Gebrauch desinfiziert.© NRZ | Sara Schurmann

Schnürsenkel festgezurrt? Dann kann’s ja losgehen! 1800 Quadratmeter groß und spiegelglatt ist die Fläche in der vor wenigen Jahren neu gestrichenen Halle. „Die Eismaschine fährt bei vollem Betrieb alle zwei bis zweieinhalb Stunden über das Eis“, erklärt Lankes. „Wir wollen die Qualität des Eises ja halten und der Unfallgefahr vorbeugen.“ Deshalb hobelt die Eismaschine zunächst die oberste Schicht ab, um anschließend warmes Wasser darüber zu gießen und so alle Unebenheiten auszubessern. Das Ergebnis befindet sich nun vor mir – weiß, glänzend und ganz sicher ziemlich rutschig.

Wenn sich eine Eishalle in eine Eisdisco verwandelt

„Die Banden sind super zum Festhalten“, ruft Lankes, der natürlich ohne zu zögern (und ohne sich irgendwo festzuklammern) schon seine erste Runde dreht. Also gut, dann mal allen Mut zusammennehmen und eine Kufe nach der nächsten aufs Eis heben. Da stehe ich! Etwas zitterig zwar, aber ich stehe. Nun heißt es ja bekanntermaßen Eis-Laufen, nicht Eis-Stehen. Wie komme ich denn jetzt vorwärts? „Am besten etwas in die Knie gehen“, gibt der Profi als Tipp mit. Das beherzige ich zwar beim vorsichtigen Ein-Fuß-Vor-Den-Anderen-Setzen, aber elegant sieht anders aus.

Der Gastgeber lässt sich natürlich nichts anmerken und passt sich munter plaudernd meinem Schneckentempo an. „Im Schnitt sind die Besucherinnen und Besucher drei Stunden bei uns“, erzählt er. „Aber gerade die jüngeren Stammgäste bleiben am Wochenende oder in den Ferien auch den ganzen Tag.“ Besonders beliebt sind Veranstaltungen wie die Eisdisco, die an ausgewählten Freitagen stattfindet. „Etwas Vergleichbares gibt’s hier nicht in der Region“, betont er. Ein DJ legt auf, die ganze Halle wird in buntes Partylicht getaucht. Und um der Unfallgefahr vorzubeugen, gilt ein striktes Alkoholverbot.

Kakao zum Aufwärmen und Runterkommen

Trotz absoluter Nüchternheit stehe ich auch nach der zweiten Runde noch etwas wackelig auf den Beinen. Dabei dachte ich, dass mich regelmäßiges Inline-Skaten auf diese Situation vorbereitet hätte. „Eis ist ein ganz anderes Element“, hält Lankes fest. Da hilft wohl nichts außer üben, üben, üben. Am meisten Spaß macht das aber eigentlich nicht hier drinnen in der Halle, sondern draußen auf dem 400 Meter langen Außenring. „Wenn es schneit, ist es immer am schönsten“, schwärmt der Profi. Und falls der Schneefall doch zu dicht wird, können kleine und große Kufenflitzer auf die Eisfläche unterm Außenzelt ausweichen.

Jan Lankes vom „Grefrather EisSport & EventPark“ dreht selbst auch ab und zu noch ein paar Runden auf dem Eis.
Jan Lankes vom „Grefrather EisSport & EventPark“ dreht selbst auch ab und zu noch ein paar Runden auf dem Eis. © NRZ | Sara Schurmann

Mittlerweile steuere ich (immer noch sehr) langsam auf den Ausgang zu. Von sanftem Gleiten übers Eis kann noch lange keine Rede sein. Aber der Ehrgeiz hat mich gepackt, nächstes Mal schaffe ich es vielleicht über das Level des abgehackten Stapfens hinaus. „Jetzt erstmal einen Kaffee oder Tee?“, fragt Lankes. Oder doch lieber einen Kakao? Wobei, da gibt’s ein „Riesenproblem“, schiebt er direkt hinterher. „Der schmeckt leider super lecker, sodass man den die ganze Zeit trinken könnte.“ Perfekt also zum Aufwärmen und Runterkommen nach der vielen Aufregung.

>>> Schlittschuhe ausleihen und losflitzen in Grefrath

Wer selbst mal seine Eislaufkünste testen möchte, hat noch bis zum 6. März 2022 (Außenbereich), beziehungsweise bis zum 13. März 2022 (Halle) Zeit. Geöffnet ist dienstags von 15 bis 19.30 Uhr, mittwochs bis freitags von 15 bis 22 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18.30 Uhr. Ab dem 20. Dezember gelten aufgrund des „X-Mas Countdowns“ erweiterte Öffnungszeiten.

Tickets gibt’s an der Tageskasse oder im Online-Verkauf. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre bezahlen an der Tageskasse werktags fünf Euro und am Wochenende 5,50 Euro. Erwachsene bezahlen an der Tageskasse 6,60 Euro und am Wochenende 7,60 Euro. Die Online-Tickets sind etwas günstiger.

Aktuelle Informationen über Veranstaltungen wie die Eisdisco, Disco für Ice Minis oder die Ü30-Disco sind zu finden auf der Internetseite www.eisstadion.de