Regelmäßig schwingt sich Jäger Richard Dittrich auf sein Fahrrad und dreht seine Runden durch Nierswalde, einem Ortsteil von Goch im Kreis Kleve. „Es war gegen 7 Uhr und es wurde gerade erst hell, da habe ich den Wolf auf einem Feld gesehen“, beschreibt Dittrich seine Begegnung von Anfang November.

Als das Tier den Mann erblickte, sei es kurz zur Seite gegangen, aber als der Jäger ruhig stehen blieb, wieder zurück zu seiner erlegten Beute gelaufen: einem gerissenen Reh. „Der Wolf verschlang kurzerhand eine ganze Keule vor meinen Augen.“

Fotos und Videos als Beweismittel

Ob er keine Angst gehabt habe? Immerhin saß er nicht im geschützten Auto, sondern stand neben seinem Fahrrad. „Nein, ich bin nicht sehr ängstlich. Und ich konnte sehen, dem war das auch nicht ganz angenehm“, erklärt Dittrich. Angst vor ihm habe der Wolf aber auch keine gezeigt, anders als die Wölfe, die er aus Brandenburg kannte.

Ohne Beweise wollte Dittrich die Situation nicht verlassen. „Ich habe schnell noch Fotos und Videos gemacht, damit man mir auch glaubt“, erzählt er lachend. Dann sei er nach Hause gefahren und habe das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) informiert.

Von dem Wolfsbeauftragten sei er noch gefragt worden, ob es sich nicht vielleicht doch um einen Schäferhund gehandelt habe. Doch Jäger Dittrich war sich immer sicher. „Ich habe in meinem Leben ja schon ein paar Wölfe gesehen und das ist ein wirklich kräftiges Tier gewesen.“

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Jäger: „Ein starker Rüde findet bestimmt schnell eine Wölfin“

Ob der Wolf jetzt in dem Gebiet sesshaft wird, steht in den Sternen. „Er hat aber wohl noch weitere Rehe gerissen und wurde von Menschen beim Spazierengehen gesichtet“, erzählt der Jäger, was ihm zugetragen wurde. Grundsätzlich hält er das Gebiet für nicht unattraktiv für einen Wolf. Im Reichwald gebe es viel Wild und „so ein starker Rüde findet bestimmt schnell eine Wölfin.“

Er selbst habe nichts gegen den Wolf. Immerhin helfe der Wolf auf natürliche Weise die Wildpopulation in Schach zu halten, da würde er von einem Miteinander sprechen. Aber er könne die Angst der Landwirte verstehen, Tiere zu verlieren und Umsätze einzubüßen.

Wolfsrüde stammt aus der Alpenpopulation

Matthias Kaiser vom Lanuv kann die Wolfssichtung mittlerweile bestätigen und gibt dem Jäger recht. „Der gesichtete Wolfsrüde stammt aus der Alpenpopulation.“ Nachweise, ob sich das Tier schon in Belgien oder den Niederlanden aufgehalten hat, liegen aktuell nicht vor. Auch sei die Begegnung mit Jäger Dittrich das bisher einzige gemeldete Zusammentreffen gewesen. Weitere Sichtungen des Wolfrüden mit der Kennung GW2402m seien dem Lanuv nicht bekannt.

Doch selbst wenn, Zwischenhalte seien bei Wölfen auf Durchreise nicht ungewöhnlich. Bisher gebe es keine Hinweise, dass der Wolf gekommen sei, um zu bleiben. „Von einem Territorium sprechen wir erst nach sechs Monaten.“ Eine einzelne bestätigte Sichtung mit Riss reiche nicht aus, um nicht von einer Durchreise auszugehen. Doch wissen könne man es nicht.

Generell zeichneten sich beliebte Wolfgebiete durch einen hohen Waldanteil, viele Wildtiere, Rückzugsorte und ruhige Lagen aus. „Deswegen leben Wölfe gerne in Mooren, Schutzgebieten und Wäldern“, erklärt der Experte. Ob der Bereich im Kreis Kleve als potenzielles Wolfsgebiet ausreichen würde, konnte er so nicht sagen, gibt aber zu bedenken: „Vielleicht ist auch die holländische Seite für den Wolf attraktiv. Wölfe halten sich nicht an Ländergrenzen.“

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Schafshalter sind sensibilisiert, aber nicht erstaunt

Hans-Josef Geurtz ist Vorsitzender des Kreisvereins für Schafzüchter und -halter im Kreis Kleve. Unter den Tierhaltern sei der Wolf auch Thema, doch überrascht zeigen seine Gruppe und er sich nicht. Immerhin sind Wölfin Gloria und ihr Rudel am Niederrhein weithin bekannt. Nicht umsonst gibt es seit Oktober 2018 das ausgewiesene Wolfsgebiet Schermbeck. „Vor ein paar Jahren ist an meinem Haus schon ein Wolf auf Durchreise langgelaufen“, erklärt er.

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„Für uns bedeutet das jetzt mehr Obacht und Grundschutz, wir sind auf jeden Fall sensibilisiert.“ Bei einem weiblichen Wolf würde er sich mehr sorgen, doch bei einem Rüden sei die Chance höher, dass er noch weiterzieht. Fördermittel für höheren Herdenschutz würden die Schafhalter aber nur bekommen, wenn ein offizielles Wolfsgebiet ausgerufen wird. „Und bei der Sichtung Anfang November würde das noch mindestens fünf Monate dauern“, erklärt Geurtz.