Uni Dortmund

Warum Autos ohne Fahrer im Revier so bald kein Alltag sind

Bis überall Autos ohne Fahrer fahren, werde es noch dauern, sagt ,Prof. Dr. Torsten Bertram Leiter des Lehrstuhls Regelungssystemtechnik an der TU Dortmund.

Bis überall Autos ohne Fahrer fahren, werde es noch dauern, sagt ,Prof. Dr. Torsten Bertram Leiter des Lehrstuhls Regelungssystemtechnik an der TU Dortmund.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Die TU Dortmund sammelt mit einem Spezial-PKW Daten für automatisiertes Fahren. Warum es aber dauern wird, bis Autos ohne Fahrer Alltag sind.

Cremeweiß, Aufbau auf dem Dach - wer nur flüchtig hinschaut, könnte denken, da steht ein Taxi. Tut es aber nicht. Der kleine, elektronisch angetriebene Nissan Leaf transportiert keine Menschen, er sammelt Daten. Daten, die ermöglichen sollen, dass Menschen irgendwann einmal transportiert werden können, ohne dass jemand die ganze Zeit hinter dem Steuer sitzt. Automatisiertes Fahren, Level 5, nennen Wissenschaftler das. Doch davon sind heutige Autos noch weit entfernt. An der TU Dortmund, will man helfen, das zu ändern.

High Tech im Kofferraum

Niklas Stannartz öffnet den Kofferraum. Wo andere ihren Einkauf oder die Reisetasche verstauen, haben er und sein Kollege Manuel Schmidt einen PC eingebaut und daneben eine ganze Reihe Grafikkarten – alle mit Acht-Kern-Prozessor und 512 Grafikkernen. Mit anderen Worten. Sehr schnell und hochwertig. Sie verarbeiten und speichern anonymisiert, was die sechs Kameras und der Laserscanner auf dem Autodach gesehen und gesammelt haben und erzeugen so ein dreidimensionales Bild des Weges, den der Testwagen fährt. „Zusätzlich wird über eine spezielle GPS-Antenne auf dem Dach, der Standort des Wagens auf zwei Zentimeter genau lokalisiert“, erklärt der Doktorand aus dem Bereich für Regelungssystemtechnik der TU Dortmund.

Mit den Daten werden - vereinfacht gesagt – weltweit Algorithmen trainiert, also eindeutige Handlungsvorschriften zur Lösung eines Problems hergeleitet. Denn davon hat ein Auto, das alleine fahren soll, mehr, als der Laie ahnt. Menschen, Tiere, Schilder oder andere Gegenstände in der Umgebung zu erkennen, sagt Stannartz, sei für so ein Auto immer noch „eine Herausforderung“. Scheint die Sonne, ist es hell, lässt sie sich mittlerweile schon ganz gut meistern, bei Regen, Nebel oder gar Schnee, wird sie groß bis unlösbar. Was unter anderem erklärt, warum Google seine selbstfahrenden Taxen anfangs in Phoenix (Texas) testete, wo Regen selten und Schnee niemals fällt. Mittlerweile allerdings sind sie auch in anderen Bundesstaaten im Einsatz,

Kameras und Sensoren werden immer besser

Natürlich werden die Selbstfahrautos besser werden. Allein weil Kameras und Sensoren sich immer weiter entwickeln. Vor allem aber, weil der Berg der gesammelten Daten täglich wächst. Und je mehr Daten es gibt, auf desto mehr mögliche Situationen können die Algorithmen trainiert und programmiert werden. Weitgehend autonomes Fahren auf der Autobahn, sagt Professor Torsten Bertram, Leiter des Lehrstuhls für Regelungssystemtechnik der TU Dortmund, sei wohl schon bald möglich. Gerade Strecke, wenig Störungen, kleine Herausforderung.

Als nächstes, glaubt der Professor, sei die neue Technik ein Thema im ländlichen Raum. Übersichtlicher Verkehr, kein zu dichtes Straßennetz – alles machbar. Vor allem, um die Mobilität der Menschen zu steigern. Zum Beispiel durch automatisch fahrende Kleinbusse. Stets unterwegs, flexibel einsetzbar und weil ohne Fahrer auf der Straße trotzdem günstiger als heute. Bis man allerdings mit einem Auto ohne Fahrer etwa von Dortmund-Hörde nach Essen-Kray fahren kann, „wird es noch dauern“. Auch wenn der Wagen von Stannartz und Schmidt zukünftig noch öfter unterwegs sein wird, um Daten zu sammeln. In den großen Städten des Reviers ist das Verkehrsaufkommen hoch, sind fast immer und überall Fußgänger unterwegs. „Und die“, weiß der Professor, „sind völlig unberechenbar hinsichtlich ihrer Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit.“ Große Herausforderung also.

100-prozentige Sicherheit wird es nicht geben

Langfristig werden Autopiloten sie meistern. Bertram nickt. „Es wird weniger passieren.“ 100-prozentige Sicherheit aber bleibt vorläufig ein Traum, wie sich bei mehreren Unfällen mit Tesla-Modellen in diesem Jahr gezeigt hat, bei denen der Autopilot offenbar nicht oder nicht richtig reagierte. Wobei Teslas-Techniker, anders als die Marketing-Abteilung, nie von einem Autopiloten sondern von einem weitgehenden Fahrassistenz-System sprechen.

Im übrigen ist Kollege Computer wohl noch viele Jahre mit menschlichen Fahrern gemeinsam unterwegs auf den Straßen. „Es wird für lange Zeit Mischverkehr geben“, bestätigt Bertram. Zu teuer seien Modelle mit der neuen Technik anfangs noch für viele. „Und es will sich auch nicht jeder von einem Computer durch die Gegend fahren lassen. Zumindest nicht immer. Cabrio, Motorrad, Oldtimer. „Manchmal kann selber fahren ja auch richtig Spaß machen.“

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