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Ungeliebte Geschenke verkauft: Wer will das haben?

Monika Scharmach am Freitag im Duisburger „Forum“. Wie sich zeigte, gilt auch für Geschenke die Regel: Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen.

Foto: Lars Heidrich

Monika Scharmach am Freitag im Duisburger „Forum“. Wie sich zeigte, gilt auch für Geschenke die Regel: Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen. Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Duisburger Organisationen der Kinderhilfe vermitteln Geschenke, die niemand haben wollte. Meist findet sich dann doch jemand, der zugreift.

Monika Scharmach packt entschlossen aus. Das muss sie auch, denn im Foyer des Einkaufszentrums „Forum“ hat ein Helfer gerade weitere 15 oder 20 Pakete in Geschenkpapier angeschleppt und ihr auffordernd vor die Füße gestellt.

Playmobil darin, kommt links in die Ecke, Plastikpferde, kommen in die Pferdekiste auf dem Boden, Kinderbücher ohne Ende, auf den langen Tisch zu den anderen Büchern. Wo auch schon Plüschtiere sitzen, dicke Glas-Aschenbecher stehen oder die originalverpackte Servierplatte „Spargel mit Schinken“, nur ohne Spargel mit Schinken. „Das sieht hier schon aus wie Hulle“, sagt Scharmach. Da freut sie sich natürlich. Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Aktion des Bündnisses „DU Kids“

Für die 67-Jährige nicht. Aber demnächst für bedürftige Kinder: kranke oder behinderte Kinder, Frühgeborene und Schlechtbehandelte. Das Bündnis „DU Kids“ hat am Freitagvormittag nämlich angefangen, ungeliebte Geschenke aus der letzten Weihnacht für den guten, eigenen Zweck zu verkaufen.

Sie zu versteigern, wie andere es manchmal tun, wäre zu aufwändig geworden – und „Ungeliebte Geschenke unter dem Hammer“ weckt einfach falsche Vorstellungen.

Nach dem Vorbild einer Düsseldorfer Kirchengemeinde

Die Idee haben die „DU Kids“ einer Düsseldorfer Kirchengemeinde geklaut. „Das machen wir auch! Das Geld liegt auf der Straße“, dachte sich Scharmach damals, eine auf sympathische Weise dominante Frau. Sie organisierte Abgabetermine hier im Einkaufszentrum für alle, die etwas loswerden wollten.

Und jetzt sitzt sie hier, die Vorsitzende von „Kind im Krankenhaus“, und muss mit ihrer Mitstreiterin vom Kinderschutzbund die Sachen wieder los werden. Muschelaufkleber fürs Bad, zum Beispiel. „Sind direkt weggegangen. Warum auch immer.“

Eine elektrisch betriebene Orchidee

Sinnvoll ist das, aus ungeliebten Geschenken noch Gemeinnutz zu pressen. Besser, als sie im Keller oder im Müll zu versenken oder bei Ebay – und wenn’s dann noch einer sieht! Zwar mischt sich am Freitag nach und nach noch viel ausgedientes Spielzeug unter die Duisburger Gaben.

Aber da steht auch das Kochbuch „Vegetarisch“, das den Geschmack wohl nicht vollends traf; ein „Vitalofen“, der mit Teelichten und Duftölen zu bestücken gewesen wäre, doch leider nicht gefiel; ein Teddybär von 13 Kilogramm oder der blaue Elefant aus der „Sendung mit der Maus“, den eine Frau unglücklicherweise gewann. Sie legt Wert auf die Feststellung, er sei „nicht ungeliebt“. Aber weg kommt er doch. So wie der Aschenbecher mit „Merry Christmas“-Anhänger oder diese elektrisch betriebene Orchidee.

Ein Geben und Nehmen

Und dann kommt Ronja, ein Mädchen im Pferdesuchmodus. „Pferde!“, ruft die Siebenjährige mit dem Zahnlückengesicht und durchwühlt die einschlägige Kiste. Zwei wird sie mitnehmen, noch einen kleinen Bausatz dazu, ihre Mutter bezahlt und erzählt, dass Ronja nicht ganz zufällig hier ist. Vielmehr gehörte sie schon zu denen, die letzte Woche ein ungeliebtes Geschenk abgaben. In Ronjas Fall: Matchbox-Autos.

Überhaupt, die Wühlkisten. Immer wieder sind es Kinder, die ihre Eltern an die Tische ziehen. Einzelne Erwachsenen geben auch fremden Kindern Geld, damit sie etwas kaufen können; andere spenden, ohne überhaupt etwas zu nehmen, Sie ahnen schon, warum.

In Nürnberg ist der„Markt der langen Gesichter“

Aktionen wie diese hat es in Deutschland öfter gegeben. In Osnabrück, in Herzbruck. In Nürnberg kehrt der sogenannte „Markt der langen Gesichter“ alljährlich wieder, und im schweizerischen Thun haben sie sogar eine Lösung entwickelt für ungeliebte Geschenke, die auch für den besten Zweck niemand nimmt.

Die Ladenhüter der Ladenhüter verschwinden im Gebrauchtwarengeschäft. Schweizerisch: im Brockenhaus. Und in Duisburg? Sagt Monika Scharmach vor lauter Nachfrage: „Heute Abend bin ich Matsche.“ Wenn’s der guten Sache dient . . .

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