Stahlehe

Stahlbelegschaft stellt Thyssen-Krupp ein Ultimatum

Den Mitarbeitern von Thyssen-Krupp Steel platzt so langsam der Kragen, weil der Vorstand nicht auf ihre Forderungen im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit Tata reagiert.

Foto: Stephan Eickershoff

Den Mitarbeitern von Thyssen-Krupp Steel platzt so langsam der Kragen, weil der Vorstand nicht auf ihre Forderungen im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit Tata reagiert. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Die Duisburger Stahlbelegschaft von Thyssen-Krupp will Ergebnisse der Verhandlungen zur Stahlehe mít Tata sehen und das noch vor Weihnachten.

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Die Geduld der Stahlbelegschaft von Thyssen-Krupp ist erschöpft. Spätestens am 22. Dezember, 0 Uhr, will der Betriebsrat ein Angebot auf dem Tisch haben, wie die wesentlichen Forderungen der Arbeitnehmer für eine Fusion mit dem indischen Tata-Konzern tarifvertraglich abgesichert werden. Ob das Angebot akzeptabel ist, entscheiden die IG Metall-Mitglieder in der Belegschaft bei einer Abstimmung in der dritten oder vierten Januarwoche.

"Keine Mehrheit für eine Fusion"

Zehn Jahre Standortgarantie und zehn weitere Forderungen stehen auf dem Wunschzettel der Belegschaft. Darauf hat der Vorstand bisher nach Einschätzung des Betriebsrates keine akzeptable Antwort gegeben. „Stand heute würde sich nach meiner Einschätzung keine Mehrheit für eine Fusion ergeben“, fasst Tekin Nasikkol, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, die Stimmung in der Belegschaft zusammen. Die Gründe lägen auch in der bisher absehbaren Konstruktion des geplanten Gemeinschaftsunternehmens: „Zu viele Schulden, zu wenige Zusagen, zu wenig Sicherheit – so wird das nichts!“

Zusagen hat der Betriebsrat bisher nur für zwei neutrale Gutachten, die er gefordert hatte. Zum einen sollen Wirtschaftsprüfer ein Auge darauf werfen, ob das neue Unternehmen überhaupt wirtschaftlich tragfähig sein kann. Ein weiteres Gutachten soll sich mit den Belastungen des neuen Unternehmens durch Pensionslasten beschäftigen. Zudem kritisieren die Arbeitnehmervertreter, dass das geplante neue Unternehmen mit zu wenig Eigenkapital ausgestattet werden soll, und zum Start bereits Kredite aufnehmen müsste.

"Jeder einzelne Standort muss zustimmen"

Spannend dürfte die Abstimmung unter den bei der IG Metall organisierten Stahl-Mitarbeitern ausfallen. „Jeder einzelne Standort muss zustimmen“, erläuterte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Günter Back das zwischen den Betriebsräten vereinbarte Verfahren. Abgestimmt wird an 13 Standorten von Thyssen-Krupp Steel oder auch Unternehmen wie etwa der Kokerei Schwelgern. Insgesamt arbeiten dort rund 22.000 Beschäftigte, der Organisationsgrad beträgt je nach Standort zwischen 80 und knapp 100 Prozent.

Weiterhin auf Ablehnung stößt unter anderem die Absicht des Vorstandes, den Unternehmenssitz in die Niederlande zu verlegen. Nasikkol: „Damit würde die Montanmitbestimmung so nicht mehr existieren, das können wir nicht akzeptieren.“ Die Folge wäre nämlich, dass Entscheidungen über Investitionen oder über die Zukunft ganzer Standorte bei einer künftigen Holding getroffen würden, ohne Mitsprache der Arbeitnehmer. „Die Montanmitbestimmung gehört zu unserer DNA“, ist Nasikkol überzeugt: „Die Beschäftigten kennen nichts anderes, sie wollen auch nichts anderes.“ Und sie sind selbstbewusst: „Das Geschäftsjahr hat bewiesen, dass wir auch ohne Tata können“, sagt Back mit Blick auf die Multi-Millionen-Gewinne der Stahlsparte.

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