Videoüberwachung

Schulen im Ruhrgebiet wehren sich gegen Vandalismus

Graffiti

Graffiti

Foto: Kerstin Kokoska

Ruhrgebiet.  Mit Zäunen, Alarmanlagen oder Wachdiensten gehen die Schulen gegen die Zerstörungswut vor. Manche auch mit Kameras.

Beschmierte Wände, eingeworfene Scheiben, durchwühlte Lehrerzimmer: Schon seit Jahren haben die Schulen im Revier mit Zerstörungswut meist Schulfremder zu kämpfen. Vorschläge, welche Geschütze man auffahren könnte, gab es viele. Zäune. Wachleute. Kameras. Doch was wird tatsächlich getan, um Randalierer vom Schulgelände fernzuhalten oder ihnen auf die Schliche zu kommen?

In Essen leidet insbesondere die Astrid-Lindgren-Grundschule seit Jahren unter Vandalismus: Der Schulgarten wurde zerstört, Fenster eingeschlagen und Wände beschmiert. Nach Hilferufen seitens der Schule, Unterstützung durch die SPD und mehreren Ortsterminen will die Stadt nun auf dem Schulgelände Kameras installieren – obwohl sie zunächst dagegen war. Die Kosten würden momentan ermittelt. Wenn Gelder bereitstünden, könne die Videoüberwachung „zeitnah zum Einsatz kommen“, teilte die Stadt auf Nachfrage mit.

Eine andere Lösung hat die Essener Gustav-Heinemann-Gesamtschule gefunden. Zwar wurden hier schon vor mehr als zehn Jahren Kameras installiert. Ihre „Geheimwaffe“ sei aber eine andere: „Wir haben einen Hausmeister, der auf dem Schulgelände wohnt. Das ist der beste Schutz, den es für eine Schule geben kann“, sagt Schulleiter Lukas Rüenauver. Die abschreckende Wirkung der Kameras käme lediglich hinzu.

Zwar gäbe es immer mal wieder kleinere Vorfälle, wie eine ausgetretene Laterne oder herumliegende Bierflaschen, aber insgesamt käme es selten zu Zerstörungen. „Unser Hausmeister kennt die Jugendlichen aus dem Stadtviertel und hält eine Ansprache, falls es nötig ist“, so der Schulleiter.

Der Essener Polizei wurden im vergangenen Jahr 114 Vorgänge gemeldet – 21 davon waren Graffiti-Schmierereien. Ansonsten: Zerbrochene Scheiben, zerstörte Bänke auf Pausenhöfen. Die Täter seien auffallend jung, zwischen 14 und 18 Jahren, meist männlich. Wie viel Geld dafür jährlich in die Hand genommen werden muss, kann die Stadt Essen nicht genau beziffern. „Grob geschätzt dürfte der Aufwand für die Beseitigung laufender kleinerer Vandalismus-Schäden eine mittlere sechsstellige Summe betragen“, erklärte eine Stadtsprecherin. Hinzu kämen Kosten für größere Schäden durch Brandstiftung oder Einbruch.

Herne: 30 Fälle in 2017, Tendenz steigend

Auch Herner Schulen haben mit Vandalismus zu kämpfen: Nach Angaben der Polizei hat die Zahl der Sachbeschädigungen inklusive der Graffiti-Schmierereien zugenommen. 2016 seien 21 Fälle angezeigt worden, 2017 bereits 30 Fälle.

Dass städtisches Eingreifen helfen kann, zeigt die Max-Wiethoff-Grundschule in Herne-Sodingen. Dort halte ein hoher Zaun Vandalen seit Kurzem ab, bestätigt Rektorin Ute Leipski. Eine nicht einsehbare Ecke sei Treffpunkt von Unbekannten gewesen. Sie hätten Drogen genommen, Flaschen zerschlagen, Müll, Urin und Kot hinterlassen. Nun sei Ruhe. Kurzfristig sei eine genaue Bezifferung der Kosten durch Vandalismus nicht möglich, teilte die Stadt Herne auf Anfrage mit. In der Regel würden die Kosten aus dem laufenden Etat des Gebäudemanagements beglichen.

In Duisburg haben in diesem Jahr allein zwei Fälle von Vandalismus hohe Kosten verursacht: Im Mai schlugen Unbekannte mit Feuerlöschern Scheiben im Willy-Brandt-Berufskolleg ein und verwüsteten dort Büros. Die Höhe des Sachschadens lag bei mehreren tausend Euro. Die Täter konnten flüchten. „Solche Einbrüche hatten wir bis vor fünf Jahren sehr häufig, seitdem nicht mehr“, so Schulleiter Helmut Richter. Eine Komplettsicherung des Gebäudes sei für den Schulträger zu teuer. Helmut Richter: „Deshalb haben wir aus eigenen Mitteln eine Alarmanlage für den Verwaltungsbereich installiert, die jedoch – wie einige weitere kleinere Maßnahmen — nur abschreckende Wirkung haben kann.“

Duisburg beziffert Schaden mit jährlich 450.000 Euro

Einen Monat nach dem Einbruch ins Berufskolleg schlugen Teenager an der Christy-Brown-Schule zu: Auch sie zertrümmerten Scheiben, verwüsteten Klassenräume und brachen Schränke auf. Sachschaden: 15.000 Euro. Die Täter wurden festgenommen.

Den Gesamtschaden aller Vandalismus-Fälle an Schulgebäuden beziffert die Stadt mit jährlich 450.000 Euro. Das Immobilen Management Duisburg setze auf mechanische Sicherung der Gebäude, hieß es. Aber auch – bei einer gewissen Häufung von Fällen – auf den Einsatz eines Wachdienstes.

>> Info: Hohe Hürden für Kameras an Schulen

  • Ob eine Videoüberwachung auf Schulhöfen am Nachmittag zulässig ist, muss in jedem Einzelfall begründet und geprüft werden, so der Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz. Dabei sei „zu berücksichtigen, ob es bereits Fälle von Einbruch oder Vandalismus gab.“ Wenn ein Zaun oder Bewegungsmelder mit Scheinwerfern Abhilfe versprechen, hätten diese Vorrang.

  • Persönlichkeitsrechte der Schüler dürfen nicht verletzt werden. Eltern müssen den Kameras zustimmen. Wenn der Schulhof nachmittags genutzt wird, etwa als Spielplatz oder von der Ganztagsschule, dürfte in der Regel eine Videoaufzeichnung nicht in Frage kommen. Schulen müssen auch ein Sicherheitskonzept erstellen und die Verarbeitung der Daten dokumentieren.

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