Patientendaten

Notfalldose aus dem Kühlschrank soll in Bochum Leben retten

Eine Notfalldose im Kühlschrank: Im Inneren solcher Dosen sollen für einen möglichen Ernstfall alle wichtigen Patienteninformationen hinterlegt werden.

Eine Notfalldose im Kühlschrank: Im Inneren solcher Dosen sollen für einen möglichen Ernstfall alle wichtigen Patienteninformationen hinterlegt werden.

Foto: Christof Köpsel

Bochum.   Die Notfalldose soll in Bochum eingeführt werden. Im Inneren befinden sich wichtige Patientendaten. Platziert wird sie im Kühlschrank.

Lebenswichtige Infos aus dem Kühlschrank: In Bochum wird zum Jahresende die „Notfalldose“ stadtweit eingeführt. Ziel: Der Rettungsdienst soll im Ernstfall alle wichtigen Patientendaten auf einen Blick parat haben.

Für die Ärzte und Sanitäter ist es Alltag: Menschen brechen daheim zusammen, sind nicht ansprechbar und bewusstlos, Angehörige nicht vor Ort oder hilflos. „Dabei geht es häufig um Sekunden“, weiß Dr. Cordula Kloppe, stellvertretende Leiterin des städtischen Rettungsdienstes. Sie unterstützt daher eine Initiative des Medizinischen Qualitätsnetzes (MedQN). Der Verbund von 150 Haus- und Fachärzten will die Notfalldose in möglichst viele Haushalte bringen. „In anderen Revierstädten funktioniert das bereits sehr gut“, sagt MedQN-Vorsitzender Dr. Michael Tenholt.

Dosen werden im Kühlschrank aufbewahrt

Die Idee erscheint ebenso simpel wie effektiv. Ein Faltblatt mit Informationen u.a. über Vorerkrankungen, Operationen, Allergien, Medikamenteneinnahme, Hausarzt und Kontaktpersonen wird – bei Bedarf gemeinsam mit dem behandelnden Arzt – ausgefüllt, zusammengerollt und in eine grün-weiße Kunststoffdose gesteckt. Die wird gut sichtbar in den Kühlschrank gestellt.

Warum der Kühlschrank? „Den haben alle. Und jeder weiß, dass er in der Küche steht“, so Tenholt. Auf die Tür wird ein Aufkleber gepappt. So erkennen die Retter im Notfall schnell und zuverlässig, dass und wo es die Dose gibt.

5000 Behälter zum Auftakt

5000 Dosen hat das MedQN zum Auftakt beim Hersteller geordert. Ab Anfang Dezember sollen sie in den zehn Apotheken erhältlich sein, die dem Apothekenbeirat des Netzwerkes angehören. Auch bei der Gesundheitsmesse im April 2019 im Ruhrcongress will das MedQN für die Behälter werben.

Der Preis für die Dosen steht noch nicht fest. Im Internet werden sie ab fünf Euro gehandelt. Bei den Pharmazeuten sollen sie möglichst günstiger angeboten werden. „Wir“, versichert Tenholt, „überlassen die Dosen den teilnehmenden Apotheken zum Einkaufspreis und verdienen daran keinen Cent.“

Der städtische Rettungsdienst ist neben dem MedQN und den Apotheken der dritte Partner. Zwar ist kein Zuschuss der Stadt geplant; die Dosen sollen sich allein über den Verkauf finanzieren. Die Einführung in Bochum sei gleichwohl zu begrüßen. „Wichtig ist, dass das ein einfaches System ist und damit von vielen Menschen genutzt wird“, sagt Cordula Kloppe.

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