Laster müssen auf die Waage

Duisburg.   Duisburg, Mittwochmorgen, und große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus. Schwarze Limousinen fahren vor der Industrie- und Handelskammer vor, der Minister eilt hinein, der Hafenvorstand, die Chefin aller Straßenbauer, der Vorsitzende der Einzelhändler, die Polizeiführung – alle. A 40-Gipfel, Dienstag spontan verabredet, Mittwoch gemacht. Was, wenn die Rheinbrücke gesperrt bleiben müsste für Lkw? Wenn Duisburg abgeschnitten würde? Fall Leverkusen. In der Stadt der Logistik wäre es: der schlimmste Fall. So große Schatten.

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Duisburg, Mittwochmorgen, und große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus. Schwarze Limousinen fahren vor der Industrie- und Handelskammer vor, der Minister eilt hinein, der Hafenvorstand, die Chefin aller Straßenbauer, der Vorsitzende der Einzelhändler, die Polizeiführung – alle. A 40-Gipfel, Dienstag spontan verabredet, Mittwoch gemacht. Was, wenn die Rheinbrücke gesperrt bleiben müsste für Lkw? Wenn Duisburg abgeschnitten würde? Fall Leverkusen. In der Stadt der Logistik wäre es: der schlimmste Fall. So große Schatten.

„Das Schlimmste ist der jetzige Zustand der Ungewissheit“, sagt Oberbürgermeister Sören Link (SPD) noch rasch zu Journalisten. Er erwarte, dass Sanierung und Neubau der Brücke höchste Priorität erhielten: „Dass das zehn Jahre dauert, muss man so nicht hinnehmen.“ Dann geht auch er hinauf in den Sitzungssaal im zweiten Stock, und die Türen schließen sich.

Gesperrt ist die Brücke schon seit einer Woche. Ein Riss in ihrer Seilverankerung, ein Riss durch diese Stadt. Seitdem nähert sich Duisburg jeden Tag ein bisschen mehr dem Ausnahmezustand. Von „10 bis 15 Prozent Umsatzverlust“ spricht Wilhelm Bommann, der Chef des Handelsverbandes; von „Anlieferproblemen“ und „Mitarbeitern, die kaum noch zu ihrem Arbeitsplatz kommen“. Der Bus nach Moers fährt nicht mehr, Züge und Fähre sind übervoll, Lasten bleiben liegen, Ladungen verspäten sich – und Feuerwehr und Sanitätsdienste haben sich linksrheinisch umorganisiert, um überhaupt weiter retten zu können.

Dann, nach 85 Minuten, ist der Gipfel auch schon wieder vorbei. Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) tritt jetzt vor die Journalisten, erklärt, was er eigentlich erst nachmittags in Düsseldorf sagen wollte: Von Donnerstag nächster Woche an können „Lkw und Pkw die Brücke wieder befahren, das ist die gute Nachricht“.

Die anderen sind mittelgut: Fortan soll die Brücke täglich kontrolliert werden, denn „niemand kann einen Wiederholungsfall ausschließen“. Eine Waage soll Lkw von mehr als 44 Tonnen Gewicht vor der Brücke aussortieren. Mehr ist gar nicht erlaubt, dennoch fahren einige überladen. „Das heißt Verzögerung, aber Verzögerung ist besser als Sperrung.“ Noch besser ist Beschleunigung: Der Neubau solle früher kommen als 2026.

Um Wüst ist die Laune wesentlich besser als vor anderthalb Stunden. Hafenchef Erich Staake sagt, er sei zuversichtlich, „dass wir das Riesenproblem mit den alten Brücken in den Griff kriegen“. Und ein Vertreter der Logistiker sagt, er sei „heilfroh, dass die Brücke geöffnet werden kann“. Wie lange, steht dahin: Arbeiter fanden in den letzten Tagen 53 weitere Anrisse in der Brücke. Große Schatten.

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