Serie "Sommerarbeiter"

Der Mann, der Elspes Westen wild macht

Wenn’s sein muss springt Harald Heufer auch bei der Fahrt auf der Postkutsche ein.

Wenn’s sein muss springt Harald Heufer auch bei der Fahrt auf der Postkutsche ein.

Foto: Bodo Goeke

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Elspe.Es gibt Tätigkeiten, die haben im Sommer ihren ganz besonderen Reiz, anderen kann man überhaupt nur im Sommer nachgehen. Einige dieser Aufgaben wollen wir Ihnen in einer Serie in loser Folge vorstellen. Heute: Der Technikchef der Karl-May-Festspiele in Elspe.

Wenn es Sommer wird, versetzt Harald Heufer Berge. Oder er lässt Vulkane ausbrechen. Weit über 100 000 Menschen haben dem technischen Betriebsleiter des Elspe Festivals in diesem Sommer schon bei der Arbeit zugesehen. Heufer sitzt meist hinter den Kulissen. Ohne ihn wird Elspes Westen nicht wild.

Früher, da hat er ausschließlich nach Plan gearbeitet, als Schwimmbadbauer auf Montage. Damals gab es stets klare Zeichnungen, klare Angaben. Das war Arbeit nach Strich und Zahl. Heutzutage moderiert derselbe Mann schon mal morgens eine Hundedressur-Show im Karl-May-Rahmenprogramm, fährt dann am frühen Nachmittag als Ersatzdarsteller mit Gewehr in der Hand in wilder Postkutschenfahrt durchs Bühnenbild und versenkt kurz darauf Polyesterfelsen im Bühnenboden. Doch bei aller Improvisation und Vielseitigkeit: Pläne braucht Harald Heufer immer noch. Ohne Strich und Zahl gibt es kein gelungenes Theatererlebnis.

Lava nach Elsper Art

Wir befinden uns im Inneren eines Vulkans. Neben den Hebeln für die Bühnenhydraulik hängt ein Plan für die entscheidenden 3,40 Minuten des diesjährigen Karl-May-Spektakels „Im Tal des Todes“. Der Laufzettel trägt den Vermerk „Vulkanausbruch - Version vom 11. Juni 2010“. Es ist die endgültige Version mit sieben Eruptionen und vielen kleineren und größeren Explosionen. Hinter dem Vulkan lagern in einem Container 6000 Liter eingedicktes rotes Wasser. Das ist Lava nach Elsper Art, nicht ganz rückstandsfrei am Polyesterberg. Auch für dessen Säuberung nach jedem Vulkanausbruch trägt Heufer deshalb die Verantwortung.

60 Akteure und 40 Pferde braucht es, um ein „Tal des Todes“ nachmittags um 14.45 Uhr mit Leben zu erfüllen. Viele Darsteller sind Saisonarbeiter, die Reiter aus Ungarn und Tschechien zum Beispiel. Harald Heufer gehört zu den rund 30 Menschen, die an der Elsper Naturbühne fest angestellt sind. Als Schauspieler war er jahrelang auf Bösewicht-Rollen festgelegt. Hinter der Bühne ist er jetzt der Gute. Er sorgt dafür, dass alles sicher läuft - für die netten Siedler und erst recht für die bösen Gangster, die am Ende in be­eindruckenden Stunt-Szenen vom Vulkan verschluckt werden.

Die Liebe verschlug ihn ins Sauerland

Seit 1992 arbeitet der 59-Jährige beim Elspe Festival. Er stammt aus Duisburg. Die Liebe hat ihn einst ins Sauerland verschlagen. „Ich hab es mir damals nicht leicht gemacht, meinen alten Job aufzugeben“, erinnert sich Heufer. Als Schwimmbadbauer ist er viel herumgekommen, konstruierte zum Beispiel Spaßrutschen - und fühlte sich in seiner Firma wohl. Liebe zum Job bemerkt man aber auch in seiner jetzigen Tätigkeit. Zum Beispiel, wenn bei seinem Handy als Rufton die Kavallerie-Fanfare der Karl-May-Spiele ertönt.

Ein kleiner Rundgang führt uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf der Rückseite des Tals des Todes. Zur Quirlmaschine, die das Lavawasser in dünnflüssigem Zustand hält. Zum 60 000-Liter-Tank für Wasserfallszenen. Durch einen Eisenbahntunnel mit Technikerarbeitsräumen. Und dann wieder ins Innere des Vulkans. In kurzen Momenten der Ruhe kann man hier schon mal ins Sinnieren kommen: Was waren die schönsten Showeffekte im Leben eines Wildwest-Präparators? „Eigentlich haben wir schon alles gemacht, und unsere Finalszenen waren immer stark“, findet Heufer. Mal gingen Schiffe unter, mal zerrissen Hängebrücken, mal explodierte ein ganzes Fort. Bei solchen Erinnerungen leuchten die Augen großer Jungs wie die Scheinwerfer von Dampflokomotiven.

Der Vulkanaubruch ist geglückt

Minute 3,40 - finale Explosion, Verstummen der Bühnenmusik. Dann hört man nur noch den Applaus des Publikums. Der Vulkanausbruch in der Version vom 11. Juni ist mal wieder geglückt. Rechtzeitig gerettete Stuntmen klatschen sich im Inneren des Vulkans mit Harald Heufer ab. Noch ein paar Aufräumarbeiten - dann Schluss für heute.

Die Sommerspiele laufen rund. Aber eigentlich denkt der 59-Jährige schon wieder an das Wintermärchen. Aladin und die Wunderlampe steht auf dem Programm - und durch Heufers Gedanken kreist ein Teppich. Einer, den er ans Fliegen bekommen muss. Das klassische, orientalische Fortbewegungsmittel in der Märchenwelt. Harald Heufer wird demnächst die Pläne erstellen. Wenn Elspes wilder Westen im Spätsommer zur Ruhe kommt, wenn er nicht mehr so wild scheppert und knallt.

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