Verkehr

Weniger Platz für Pkw: Ruhrstädte planen eine Umweltspur

Weniger Platz für herkömmliche Autos in der Merowingerstraße, wo die Stadt Düsseldorf vor zwei Monaten die erste Umweltspur einrichtete.

Weniger Platz für herkömmliche Autos in der Merowingerstraße, wo die Stadt Düsseldorf vor zwei Monaten die erste Umweltspur einrichtete.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Ruhrgebiet.  Die Umweltspuren in Düsseldorf sind nur für E-Fahrzeuge, Busse und Fahrräder da und umstritten. Im Ruhrgebiet beginnt die Diskussion gerade erst.

Mögen alle anderen hier nur eine Fahrspur sehen, Lerke Tyra sieht stattdessen einen Anfang. „Das ist ja nur ein Pilot für eine größere Lösung“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Fahrradfahrerclubs ADFC in Düsseldorf über die Umweltspur in der Merowingerstraße: „Was wir letztlich wollen, sind abgetrennte Radwege.“ Ansonsten fand Tyra das Proberadeln mit Gleichgesinnten auf der Umweltspur, was jetzt nicht wirklich jemanden überrascht: „Recht entspannt“.

Umweltspuren? Stummel von wenigen hundert Metern Länge

Vor genau zwei Monaten hat die Stadt Düsseldorf drei solcher Spuren eingerichtet: Stummel von wenigen hundert Metern Länge jeweils, auf denen sich nur Busse, Taxis, Fahrräder und E-Fahrzeuge bewegen dürfen; und der Oberbürgermeister im Dienstwagen, aber das ist ein Thema für sich.

Herkömmliche Autos haben dort jedenfalls eine Spur verloren, sie müssen nun auf eine einfädeln. Das ganze Land schaut seitdem in diese vierspurigen Straßenschluchten, und sei es nur aus dem Grund, den Düsseldorfs Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke benannt hat: „Es gibt keine andere Möglichkeit, einem Diesel-Fahrverbot zu entgehen.“

In Bochum sind SPD und Grüne für Busspuren+

Und so ist die Diskussion auch im Ruhrgebiet angekommen. Essen hat angestoßen, im Sommer 2020 einer großen Straße in Rathausnähe eine Umweltspur zu verpassen, die Parteien streiten gerade. In Dortmund ringen sie um eine Definition, was das eigentlich ist, Umweltspur, wer darauf fahren darf und ob es richtig ist, Fahrräder und Busse auf eine gemeinsame Spur zu bringen. „Wir werden das diskutieren“, sagt Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD).

Nebenan in Bochum sind die Mehrheitsparteien SPD und Grüne sozusagen für Busspuren+: Sie sollten „für Elektrofahrzeuge und Fahrräder freigegeben sein, um Alternativen zum Auto zu stärken“, so die Vorsitzende des Mobilitätsausschusses, Martina Schnell (SPD). Drei bis fünf Umweltspuren sollten angelegt werden, „um zu sehen, ob das Konzept in Bochum funktioniert“.

Untersuchung: Geschwindigkeit der Autos nimmt dort ab

Funktioniert es denn in Düsseldorf? Manche sagen so, andere sagen so. Ein Glaubenskrieg tobt im Internet, wie immer, sind viele Beteiligte besonders liebenswürdig (diese Beiträge sind für Unter-16-Jährige noch geeignet: „Vollpfosten“, „Autosüchtiger Gasbleifuß“, „frei fantasierte Wahrnehmungen“).

Zumindest gibt es Hinweise, dass die Geschwindigkeit in den eh zugestauten Straßen durch die Umweltspuren nochmals abgenommen hat. Denn der Navi-Hersteller Tomtom hat Daten aus den Straßen verglichen im Auftrag der Zeitung „Rheinische Post“.

„Wir verfolgen sehr aufmerksam die Erfahrungen, die Düsseldorf macht“

Danach ist das Tempo zu den Pendlerzeiten morgens und abends etwas gesunken, je nach Straße und Tageszeit um einen bis 7,8 Kilometer pro Stunde. Und: Auf Parallelstrecken habe der Verkehr zugenommen, offensichtlich wählen Autofahrer jetzt häufiger Ausweichstrecken.

Auch ein Fakt, auf den alle schauen. „Wir verfolgen sehr aufmerksam die Erfahrungen, die Düsseldorf macht“, sagt eine Sprecherin der Stadt Köln in vollendeter Unverbindlichkeit. Duisburg und Oberhausen haben sich schon in der Vergangenheit ähnlich entschlossen eingelassen.

Auswertung bis nach den Sommerferien

Und nochmal zurück nach Düsseldorf. Die Verkehrsteilnehmer hätten sich „sehr gut an die Spuren gewöhnt entgegen den verlauteten Befürchtungen“, sagt Stadtsprecher Volker Paulat. Das waren vor allem Befürchtungen, in den Straßen mit Umweltspur werde der Verkehr dann vollends zusammenbrechen.

„Das ist nicht der Fall. Was das Verkehrsaufkommen in der Straße angeht, sehe ich keinen Unterschied“, sagt Gregor Körner, der direkt an der Spur eine Weinhandlung betreibt. Also doch Ausweichverkehr? Das städtische Amt für Verkehrsmanagement soll bis nach den Sommerferien auswerten, was die Umweltspuren mit Verkehr, mit Fahrern und Anliegern wirklich machen.

Denn dann steht eine Entscheidung an: eine weitere Spur einzuführen, die über eine deutlich längere Strecke und über die Kö Düsseldorfs Süden und Norden verbindet. Das wäre schon mehr als ein Anfang.

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