Die dabei waren, sind alle tot. Niemand kann mehr erzählen, ob die Menschen an Bord Todesangst hatten, bevor die Germanwings-Maschine an einem Berg in Frankreich zerschellte. Ob sie schrien, ob sie verstummten – oder ob sie überhaupt ahnten, was geschehen würde. Viereinhalb Jahre nach dem Absturz von Flug 4U9525 mit 150 Toten aber sagt die Lufthansa: Der Flugverlauf sei „unauffällig“ gewesen, die Passagiere hätten nichts mitbekommen. Hinterbliebene sind entsetzt – dabei würden viele gern glauben, dass es so war.
Josef Cercek wollte nach Frankreich, als die Post von seinem Rechtsanwalt kam, darin die Klageerwiderung der Lufthansa für das Essener Landgericht. Der 75-Jährige war in Le Vernet, besuchte den Friedhof unterhalb der Absturzstelle, auf dem sie damals Leichenteile beerdigten, die sie niemandem zuordnen konnten. „Da liegt auch noch was von meiner Tochter.“ Von Sonja, die 35 war und eine der beiden Lehrerinnen, die mit ihren 16 Spanisch-Schülern aus Haltern am See im Flugzeug saß. Josef Cercek findet es „abscheulich“, was die Lufthansa behauptet: „Als wenn die Kinder nichts gemerkt hätten!“ Schlug nicht der Pilot mit der Notfallaxt gegen die Cockpit-Tür, sackte die Maschine nicht immer tiefer, „und wenn man rausguckt, sieht man das doch auch“.


