Ein Leben lang ist Markus Diegmann seinen Erinnerungen davongelaufen, und als sie ihn einholten, war es zu spät. „Da kann man leider nichts mehr machen“, sagten die Polizisten, bei denen er sie anzeigen wollte: die drei Männer, die ihn als Kind missbraucht hatten. Verjährt, so ist das Gesetz. Für ihn selbst wird nichts mehr gut, glaubt Diegmann, aber für andere Opfer vielleicht besser: Seit mehr als 1000 Tagen reist der Gladbecker durchs Land, um Unterschriften zu sammeln gegen die Verjährung von sexuellem Missbrauch an Kindern.

Markus Diegmann träumt nie, „nicht einmal etwas Gutes“. Sein Albtraum kommt, wenn er wach ist: Markus als Kind, er ist fünf Jahre alt, er liegt in weißer Bettwäsche mit Bügelfalte. Davor der kleine, dicke Schießbudenmann, nackt, erregt. „Ich weiß nicht, wie ich dorthin gekommen bin.“ Er weiß auch nicht, wie er der Situation entkam. Aber er ist immer noch auf der Flucht.