Jubiläum

Verlagsmanager Jakob Funke war der Architekt des Erfolgs

Am Pressetisch während der ersten Wahlkampfkundgebung nach dem Krieg: Jakob Funke (links) und NRZ-Verleger Dietrich Oppenberg (3. von links)

Foto: NRZ

Am Pressetisch während der ersten Wahlkampfkundgebung nach dem Krieg: Jakob Funke (links) und NRZ-Verleger Dietrich Oppenberg (3. von links) Foto: NRZ

Essen.  Jakob Funke lernte das Zeitungmachen von der Pike auf. Mit Gründung der WAZ nahm er die Rolle des Verlagsmanagers an – und brillierte darin.

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Jakob Funke, der 1948 gemeinsam mit Erich Brost die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, somit die Keimzelle der heutigen Funke-Mediengruppe, gründet, ist keiner, der den großen Auftritt sucht, der sich mit großer Geste in der Öffentlichkeit bewegt. Doch Jakob Funke, der Mann, der von der Pike auf die Kunst des Zeitungsmachens erlernt, beweist, dass er noch ganz andere Qualitäten hat, als die eines hervorragenden Journalisten. Eine Tatsache, die ihm in der Gründungsphase der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in der Trümmerlandschaft des vom Bombenkrieg verwüsteten Ruhrgebiets äußerst wertvolle Dienste erweisen wird.

Geboren wird Jakob Funke am 4. Mai 1901 in einer Arbeiterwohnung in der Kruppschen Werkssiedlung Kronenberg, die damals nicht zur Stadt Essen, sondern zur noch selbstständigen Gemeinde Altendorf gehört. Sein Vater Johann Heinrich Funke arbeitet als Schlosser bei Krupp, seine Mutter Bertha kümmert sich um die sechs Kinder.

Als noch nicht einmal 14-jähriger Heranwachsender wird der spätere Vollblutjournalist in die bis dahin für ihn völlig fremde Zeitungswelt hineingeworfen. Ein knappes Jahr nach dem plötzlichen Tod seines Vaters am 27. März 1914 entdeckt seine Mutter eine Anzeige in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung (RWZ). Eine Entdeckung mit Folgen. Am 16. Februar 1915 findet sich dort folgendes Inserat:

Für den „geweckten Knaben“ Jakob Funke ist es eine Anzeige, die sein Leben für immer verändern wird. „Da stand ein noch nicht ganz vierzehnjähriger Junge vor uns mit hellblonden Haaren und hellen blauen Augen und grinste. In der Hand schwang er einen Malakka, das war damals schick, und hieb mit dem Rohrstock durch die Luft, dass es pfiff. Dazu lachte er.“

So beschreibt sein älterer Freund Karl Sabel (später viele Jahre Lokalchef der Essener WAZ-Lokalredaktion), der einige Jahre vor ihm bei der RWZ eine Anstellung gefunden hatte, den „Auftritt“ Jakobs in dem eher düster wirkenden Gebäude des Reismann-Grone-Verlags im Schatten des alten Grillo-Theaters. Mitten im 1. Weltkrieg, als sich die Völker Europas in einem schrecklichen Gemetzel gegenüberstehen, nimmt Jakob Kurs auf ein neues Ziel.

Funke brilliert als Verlagsmanager

Absolut verwunderlich aus heutiger Sicht: Dieser kundige und vor allem in seiner Sprache so lesernahe Journalist Jakob Funke trat mit der Gründung der WAZ viele Jahre später als Schreiber völlig in den Hintergrund und fungierte als Gesellschafter und als „Verlagsmanager“. Vielleicht war gerade diese strikte Aufgabenteilung zwischen Jakob Funke und Erich Brost, der nicht nur Herausgeber, sondern auch Chefredakteur des neuen Blattes wurde, das eigentliche Erfolgsrezept. Ein Rezept, für die später so bewunderte, von manchen beneidete WAZ. Die sich zunächst als Hecht im Haifischbecken gegen wiedererstarkte Altverleger zu behaupten hatte und dies erfolgreich meisterte.

Der umtriebige Jakob jedenfalls lernt als Jugendlicher die Welt der Zeitung von Grund auf kennen. Vertrauten wird er später immer wieder voll Stolz von diesen Lehrjahren berichten. Ohne richtigen Schulabschluss, ohne jede akademische Bildung, schwimmt er bald ganz oben mit, zieht die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich.

Vom Redaktionsboten, der treppauf treppab Manuskripte aus der Schreibstube zur Setzerei brachte, bis zum Chefredakteur des „Essener Anzeiger“, der ebenfalls im Reismann-Grone-Verlag erschien, führt ihn sein Weg. Von Reinhold Wulle, Chefredakteur der RWZ, hat Karl Sabel diese Empfehlung an Jakob „Köbes“ Funke überliefert. „Mein Sohn, wenn du fleißig bist, kannst du hier eine Lebensstellung haben.“ Wie recht Wulle haben soll. Köbes, diesen Spitznamen behält er sein Leben lang.

Nach dem Krieg findet Funke einen Job bei der Rhein-Zeitung

Jakob Funke heiratet 1926 zum ersten Mal. Aus der Ehe geht Tochter Gisela hervor. Nach dem Tod seiner ersten Frau Katharina heiratet er ein zweites Mal. Drei weitere Töchter, Renate, Ute und Petra, als jüngste, hat er mit seiner zweiten Frau Rosemarie.

Während des Krieges verliert Jakob Funke seine Position. Zeitungen werden zusammengelegt. Auch in Essen verlieren Blätter ihre Selbstständigkeit. Funke gilt als korrekt. Erst spät, im April 1941, tritt er in die NSDAP ein. Wie er später festhalten wird, auf Verlangen seines letzten Arbeitgebers, dem Deutschen Nachrichtenbüro (Vorläufer der Deutschen Presseagentur). Da steht sein Schreibtisch wieder in Essen.

Nach dem Krieg findet Jakob Funke einen Job als Journalist bei der von den englischen Besatzungsbehörden herausgegebenen Ruhr-Zeitung. Bis Februar 1946 schreibt er also für die Briten. Da er ein genauer Kenner der Stadt Essen war, dürfte er keinerlei Schwierigkeiten gehabt haben, sich dort zurecht zu finden.

Danach arbeitet er wiederum in Essen für das frühe SPD-Parteiblatt Rhein-Echo. Herausgegeben wird es von Dietrich Oppenberg. Kein Zufall also, dass Funke hier wieder arbeiten kann. Beide kennen sich aus der Sachsenstraße. Oppenberg hatte als Verlagsmitarbeiter, Statistiker, wie Oppenberg einmal selbst sagte, mit dem Redakteur Funke beinahe Tür an Tür dort beim Reismann-Grone-Verlag gearbeitet.

Als Oppenberg dann am 13. Juli 1946 die NRZ gründet, ist es nur natürlich, dass Funke ihm dorthin folgt. In dieser Zeit lernt er auch Erich Brost kennen, den ersten Chefredakteur der NRZ. Eine Verbindung, die nachhaltig Früchte tragen soll. Doch noch hat Funke, erster Lokalchef der NRZ, einige Monate Zeit.

Bis ins Detail schaltete sich Jakob Funke später in der noch vom Trümmerschutt des Bombenkrieges bestäubten ersten Bochumer Zentrale des jungen Verlags aus ein. Da war es ganz gleich, ob es um Schreibmaschinen, Mobiliar oder schwer zu organisierendes Papier ging.

„An Essener Redaktion … Warum … nicht bei uns … bedauerlich … JFu“

Obwohl er sich nie mehr journalistisch betätigte, hatte er stets ein wachsames Auge auf die Redaktion. Er liebte es, über Zettel zu kommunizieren, mischte sich ein, wenn er es für nötig hielt. Seine journalistischen Erfahrungen ließen ihn die Bedürfnisse des journalistischen Alltags erkennen.

Stark, im guten Sinne eines familiär geführten und familiär gelebten Unternehmens, nahm er die persönlichen Sorgen seiner Mitarbeiter wahr. Er sparte jedoch nicht mit Kritik, wenn er es für nötig hielt. Eine seiner von manchen gefürchteten, jedoch stets fair gemeinten Botschaften ist erhalten geblieben: „An Essener Redaktion … Warum … nicht bei uns … bedauerlich … JFu.“

Den Beginn der Zeitungsgruppe WAZ, dem Vorläufer der heutigen Funke Mediengruppe, trieb er kurz vor seinem Tod gemeinsam mit dem 1960 von ihm ins Unternehmen geholten Günther Grotkamp voran.

Jakob Funke starb 1975, nur vier Tage nach dem Tod seiner Frau Rosemarie. Auch aus Respekt vor seinem Lebenswerk trägt der Verlag heute seinen Namen.

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