Radschnellweg RS1

Radfahr-Lobby fordert schnellen Weiterbau des Radschnellwegs

Fahrräder als Protest-Deko: Die Bahndamm-Brücke über die Altenessener Straße in der Nähe des Viehofer Platzes. Soll sie genutzt werden oder nicht?

Fahrräder als Protest-Deko: Die Bahndamm-Brücke über die Altenessener Straße in der Nähe des Viehofer Platzes. Soll sie genutzt werden oder nicht?

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Die Stadt geht davon aus, dass es noch Jahre dauert, bis der RS1 nach Bochum weitergebaut wird. Damit wollen sich manche nicht zufriedengeben.

Rad-Aktivisten haben am Wochenende für den Weiterbau der Trasse „Radschnellweg“ (RS 1) demonstriert. Bei einem so genannten „Trassen-Frühstück“ wurde die unverzügliche Fortsetzung der Arbeiten in Richtung Bochum gefordert. Dabei soll der Weg über den Bahndamm durch das Eltingviertel führen.

Ausgerechnet Essen, die „Grüne Hauptstadt 2017“, erweist sich derzeit als Bremse beim Weiterbau der geplanten 100-Kilometer-Strecke RS1 zwischen Duisburg und Hamm. Um die zeitlichen Verzögerungen zu verdeutlichen, die schon entstanden sind, schmückten die Fahrrad-Aktivisten die Bahndamm-Brücke am Samstag mit Fahrrädern und plakativen Postern.

Verzögerung: fünf bis sechs Jahre

Der Stillstand im Essener Stadtgebiet kommt aus verschiedenen Gründen zustande: Einerseits herrscht Uneinigkeit bei der Stadt Essen im Hinblick auf die Zukunft des Eltingviertels und die der Bahndamm-Brücke. Das Planungsdezernat verfolgt die Idee, die vorhandene Brücke abzureißen, um die Wohnbebauung zu erweitern. In diesem Fall soll der Radweg durch das Wohngebiet geführt werden. Andererseits gilt es abzuklären, wie der sich dort befindende Gleisanschluss von Evonik mit dem Radweg arrangiert werden könnte. Zudem muss das Eisenbahnrecht in die Baupläne miteinbezogen werden, da das Bahndamm-Gelände der Deutschen Bahn gehört.

Klagen über Verzögerung

Die Rad-Aktivisten sehen im Gegensatz zum Planungsdezernat die Nutzung der vorhandenen Bahndamm-Brücke als kostengünstigste, schnellste und umweltfreundlichste Lösung. „Wir wären schon mit einem Provisorium zufrieden, selbst wenn wir über Schotter fahren müssen. Aber wir werden immer wieder vertröstet. Mittlerweile beträgt die Verzögerung laut der Stadt fünf bis sechs Jahre“, erklärte Frank Rosinger als Mitveranstalter des Trassenfrühstücks.

Rolf Fliß, Arbeitskreissprecher des Bürgerradwegs RS1, betonte außerdem in einer Rede beim Trassenfrühstück: „Der Stillstand muss aufhören. Der RS1 könnte zu einer Verkehrswende beitragen, die wir jetzt brauchen. Denn der Klimawandel wartet nicht.“ Das erkannte auch der leidenschaftliche Radfahrer Peter Sczygiol, der für das Trassenfrühstück extra mit dem Fahrrad aus Aachen angereist war: „Radschnellwege haben ein enormes Potential, Lärm und Schadstoffemissionen zu reduzieren und zum Beispiel Berufspendler zum Umsteigen auf das Rad zu bewegen.“

Machbarkeitsstudie kam im September

Eine aktuelle Machbarkeitsstudie wurde Anfang September von der Stadt Essen vorgestellt. Darin heißt es, dass die Bahngleise so verlegt werden könnten, dass der Evonik-Zug anders geleitet wird und die Deutsche Bahn weiterhin als Eigner des Geländes fungiert und den Radweg gestattet. Es bleibt weiterhin abzuwarten, wie es angesichts dessen mit dem Ausbau des RS1 im Essener Stadtgebiet weitergeht.

Unterschriften für mehr Radverkehr in NRW

Bei der Demonstration sammelte die Volksinitiative Aufbruch Fahrrad Unterschriften für eine Petition, die der Arbeitskreis Bürgerradweg an den Landtag schicken will. Er fordert unter anderem deutlich mehr Radschnellwege und Abstellplätze für Fahrräder. Kommen mehr als 66.000 Unterschriften zusammen, muss sich der Landtag mit den Forderungen befassen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub e.V. (ADFC) führt einen deutschlandweiten Fahrradklimatest durch. Fahrradfahrer können noch bis Ende November auf der Internetseite www.fahrradklima-test.de an einer Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit in deutschen Städten mitmachen.

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