Täglich sterben in Deutschland drei Menschen, während sie auf ein neues Organ warten. Es gibt zu wenige Spender. 1126 Spender-Organe aber lehnten die Entnahme-Teams im vergangenen Jahr auch ab: zu schlecht für eine Transplantation, befanden sie. Doch nicht wenige dieser Lungen, Lebern, Herzen und Nieren hätten noch Leben hätten retten können, behauptet Prof. Markus Kamler, Leiter der Thorakalen Organtransplantation des Essener Universitätsklinikums. Mehr als 30 der abgelehnten, „grenzwertigen“ Organe landeten auch gar nicht nicht im Müll. Sondern – über das „Rescue-Angebot“ von Eurotransplant – im Klinikum Essen, wo sie 30 sterbenskranken Patienten transplantiert wurden. Und die lebten sehr gut damit, sagt Kamler. Möglich macht das eine aufwändige Methode der Organ-Aufbereitung: die Maschinenperfusion. In NRW bietet sie lediglich das Essener Klinikum an; bundesweit gibt es ähnliche Zentren nur noch in Freiburg und Hannover.
Die Lagerung auf Eis galt lange als „Goldstandard“ bei Transport und Lagerung von Spenderorganen. „Doch in der Eisbox hält selbst das beste Spenderherz höchstens drei, vier Stunden“, erklärt Prof. Arjang Ruhparwar, seit Anfang August Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie. Danach verliere es rapide an Qualität. Stirbt der Spender des Organs aber in München und lebt der Empfänger 640 Kilometer entfernt in Essen – „dann darf auf dem Weg dahin, bei all der komplexen Logistik absolut nichts schiefgehen“. Packt man das Herz in die Maschinenperfusion ist es sehr viel länger „verwertbar“. „Theoretisch bis zu zwölf Stunden“, so Ruhparwar. Praktisch seien „sechs Stunden heute kein Problem mehr“.


