Wer in einer unglücklichen Beziehung steckt, kann sich trennen. Zumindest in der Theorie. Doch manche Menschen bleiben jahrelang bei einem Partner, der sie abwertet, kontrolliert oder manipuliert. Selbst wenn sie längst erkannt haben, wie sehr ihnen die Beziehung schadet, fällt es ihnen schwer, einen Schlussstrich zu ziehen.

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Die Berliner Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Zimmermann bezeichnet solche dauerhaft schädlichen Beziehungsmuster als toxisch. Doch wie lange halten solche Partnerschaften tatsächlich? Und warum fällt es Betroffenen so schwer, sich aus ihnen zu lösen?
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Wie lange dauert eine toxische Beziehung? Die Studienlage
Elf Jahre – so lange haben Frauen im Schnitt in gewaltgeprägten Beziehungen verbracht, die an einer US-amerikanischen Untersuchung teilnahmen. Für die 2019 im Fachjournal „Journal of Interpersonal Violence“ erschienene Studie wurden die Angaben von 230 Frauen ausgewertet, die zwischen 2006 und 2008 bei einer Beratungsstelle wegen Partnerschaftsgewalt Hilfe gesucht hatten. Erfasst wurde dabei die gesamte Zeit, die sie im Laufe ihres Lebens in gewaltgeprägten Partnerschaften verbracht hatten.
Die elf Jahre können sich folglich auf mehrere Beziehungen verteilen. Wie lange eine einzelne toxische Partnerschaft durchschnittlich hält, lässt sich daraus nicht ableiten. Hinzu kommt, dass der Begriff „toxisch“ wissenschaftlich nicht eindeutig definiert ist. Die Forschung untersucht stattdessen konkrete Formen von Gewalt und Missbrauch, die nicht mit jeder unglücklichen Partnerschaft gleichzusetzen sind.
Partnerschaftsgewalt und die Gefahr der Wiederholung
Auch eine deutsche Untersuchung zeigt, wie lange Menschen in gewaltgeprägten Partnerschaften bleiben können. Für die 2023 veröffentlichte Viktimisierungsstudie Sachsen (VisSa) untersuchte ein Forschungsteam der Hochschule Merseburg unter anderem die Dauer früherer gewaltgeprägter Partnerschaften. Aus den Angaben von 380 Befragten ergab sich eine durchschnittliche Beziehungsdauer von etwa fünf Jahren. Bei verheirateten Paaren waren es mehr als zwölf Jahre, bei Paaren mit Kindern rund achteinhalb Jahre. Da die Studie ausschließlich gewaltgeprägte Partnerschaften untersuchte, sind auch diese Ergebnisse nicht auf alle toxischen Beziehungen übertragbar. Sie verdeutlichen jedoch, wie lange Menschen in schädlichen Beziehungen bleiben können.
Was ist typisch für eine toxische Beziehung?
Ein typischer Faktor ist die emotionale Abhängigkeit, die sich im Laufe einer Partnerschaft entwickeln kann. Die Berliner Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Zimmermann beschreibt sie als ein „suchtartiges Kreisen um den Partner und sein Verhalten“. Die Gedanken der Betroffenen drehten sich zunehmend darum, ob der andere ihnen Aufmerksamkeit schenke, sich zurückziehe oder erneut Zuneigung zeige. Das eigene Wohlbefinden hängt so immer stärker vom Verhalten des Partners ab.
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Hinzu kommt, dass verletzendes Verhalten nicht zwangsläufig den gesamten Beziehungsalltag bestimmt. Die Frauenhauskoordinierung e. V. beschreibt, wie sich in gewaltgeprägten Partnerschaften Übergriffe mit Phasen der Versöhnung abwechseln können. Nach einem Gewaltausbruch zeige sich der Partner mitunter besonders liebevoll, entschuldige sich oder verspreche, sein Verhalten zu ändern. Bei Betroffenen könne das die Hoffnung wecken, dass die Beziehung doch noch eine Zukunft habe.
Allerdings ist es nicht immer allein die emotionale Bindung, die eine Trennung erschwert. Die britische Hilfsorganisation Solace Women’s Aid verweist auch auf finanzielle Abhängigkeit, fehlende Wohnmöglichkeiten und die Angst vor weiterer Gewalt. Wer wirtschaftlich auf den Partner angewiesen ist oder dessen Reaktion auf eine Trennung fürchtet, kann die Beziehung oft nicht ohne Weiteres verlassen. Die Entscheidung zu gehen, hängt dann nicht nur von den eigenen Gefühlen ab, sondern auch von der persönlichen Sicherheit und den Lebensumständen.
Toxische Beziehung beenden: Sorgfältige Vorbereitung ist wichtig
Selbst wenn die Trennung gelingt, ist die emotionale Bindung nicht zwangsläufig überwunden. Manche Betroffene hoffen weiterhin auf eine Veränderung und lassen sich erneut auf den ehemaligen Partner ein. Mitunter versucht dieser auch gezielt, die Beziehung wieder aufleben zu lassen. Bei manipulativem Verhalten wird ein solcher Rückholversuch häufig als „Hoovering“ bezeichnet.
Narzissmus in Beziehungen
Dabei meldet sich der ehemalige Partner beispielsweise plötzlich wieder, zeigt Reue oder verspricht, sein Verhalten grundlegend zu ändern. Die Paar- und Einzeltherapeutin Christina Diamantis, die auf narzisstische und toxische Beziehungen spezialisiert ist, warnt: „Lassen sich die Betroffenen darauf ein, beginnt der Kreislauf von vorn – und meist noch schlimmer.“
Umso wichtiger sei es, eine Trennung sorgfältig vorzubereiten, rät Diamantis. Betroffene sollten wichtige Dokumente sichern, ihre finanzielle Unabhängigkeit möglichst früh organisieren und sich Unterstützung bei vertrauten Menschen oder Beratungsstellen suchen. Ist ein vollständiger Kontaktabbruch etwa wegen gemeinsamer Kinder nicht möglich, empfiehlt die Therapeutin, die Kommunikation auf das Notwendigste zu beschränken, möglichst schriftlich oder über eine anwaltliche Vertretung. Bei Drohungen oder Gewalt sollte die eigene Sicherheit Vorrang haben.




