Ein internationales Forschungsteam mit mehr als 100 Wissenschaftlern hat untersucht, wie sich Schmerzen im Laufe des Lebens entwickeln. Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Annahme, dass Schmerzen bis ins hohe Alter kontinuierlich zunehmen. Stattdessen scheint die Schmerzbelastung in Westeuropa bereits in einem vergleichsweise frühen Lebensabschnitt ihren Höhepunkt zu erreichen. In anderen Regionen der Welt kann sich dieser Zeitpunkt allerdings deutlich unterscheiden.

Häufigkeit von Schmerzen: Höchster Wert im Alter von 56 Jahren

Die Forscher stellten fest, dass die Häufigkeit von Schmerzen in Westeuropa, einschließlich Deutschland, bereits im Alter von 56 Jahren ihren Höhepunkt erreicht. Im internationalen Vergleich ist dies ein relativ früher Zeitpunkt. In Nordamerika wird das Maximum hingegen erst mit 72 Jahren erreicht. Auch im Vergleich zu anderen Weltregionen zeigt sich ein abweichendes Muster, da die Schmerzbelastung dort mit zunehmendem Alter tendenziell weiter ansteigt.

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Zu diesen Erkenntnissen gelangte das Forschungsteam durch die Auswertung von Daten aus mehr als 900 Quellen, die über sechs Millionen Menschen aus 118 Ländern erfassten. Die untersuchten Personen waren zwischen fünf und 100 Jahre alt, wobei Frauen und Mädchen rund 55 Prozent der Gesamtgruppe ausmachten. Grundlage der Analyse waren Daten aus dem Zeitraum von 1990 bis 2025, wie GEO in einem Artikel zur Studie berichtet.

Frauen häufiger von Schmerzen betroffen

Die umfangreiche Datenbasis der Studie ermöglichte auch einen Vergleich zwischen den Geschlechtern. Dabei zeigte sich, dass Frauen in allen elf untersuchten Körperregionen häufiger über Schmerzen berichteten als Männer. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei Gesichtsschmerzen, deren Häufigkeit bei Frauen um 83 Prozent höher lag. Bei Kopfschmerzen betrug der Unterschied 74 Prozent und bei Bauchschmerzen 60 Prozent.

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Unterschiedliche Altersgipfel von Schmerz bei den Körperregionen

Bei der Auswertung stellten die Forscher fest, dass die verschiedenen untersuchten Körperregionen unterschiedliche Altersgipfel aufweisen. Kopfschmerzen erreichten ihren Häufigkeitshöhepunkt im globalen Modell bereits im Alter von etwa 34 Jahren, Bauchschmerzen sogar mit 23 Jahren. Bei Nacken- und Schulterschmerzen lag der Gipfel hingegen bei rund 62 Jahren. Schmerzen im Rücken, in der Hüfte und in den Knien nahmen dagegen bis mindestens zum 75. Lebensjahr weiter zu.

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Auch die Lebensbedingungen und der Entwicklungsstand eines Landes standen mit der Schmerzbelastung in Zusammenhang. Bei Menschen ab 80 Jahren lag die Häufigkeit von Schmerzen an einer beliebigen Körperstelle in Ländern mit niedrigem Entwicklungsstand um 30,6 Prozentpunkte höher als in Ländern mit hohem Entwicklungsstand. Rückenschmerzen traten in den ältesten Altersgruppen in diesen Ländern zudem annähernd doppelt so häufig auf.

Warum es nach dem Schmerzgipfel besser wird

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum die Schmerzbelastung nach Erreichen ihres Höhepunkts wieder abnehmen kann. Nach Einschätzung der Forscher könnte eine veränderte Verarbeitung von Schmerzreizen im zentralen Nervensystem dazu beitragen. Das Gehirn verarbeitet und filtert Reize im Laufe des Lebens unterschiedlich. Zudem können bestimmte Schmerzformen, etwa hormonell bedingte Kopfschmerzen, Migräne und stressbedingte Bauchschmerzen, ab dem 50. bis 60. Lebensjahr seltener auftreten.

Auch Veränderungen im Alltag könnten eine Rolle spielen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand nimmt die berufliche Belastung häufig ab, wodurch mechanische Beanspruchungen und Überlastungen zurückgehen können. Darüber hinaus entwickeln viele ältere Menschen im Laufe ihres Lebens wirksamere Strategien, um mit chronischen Beschwerden umzugehen. Sie passen ihre Aktivitäten besser an ihre körperlichen Möglichkeiten an und können altersbedingte Veränderungen dadurch möglicherweise gelassener bewerten, anstatt sie unmittelbar als belastendes Schmerzsignal wahrzunehmen.