Das Klimaphänomen El Niño könnte in den kommenden Monaten weltweit für eine massive Zunahme hitzebedingter Todesfälle sorgen. Nach einer neuen Prognose des Climate Impact Lab könnten bis Februar 2027 rund 451.000 Menschen zusätzlich an den Folgen extremer Hitze sterben.

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Die Zahl stammt aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Forschungseinrichtung, an dem unter anderem Wissenschaftler der University of Chicago und der University of California in Berkeley beteiligt sind. Die Berechnung bezieht sich auf den Zeitraum von Juni 2026 bis Ende Februar 2027 und vergleicht die erwartete Zahl der Todesfälle mit einem Szenario, in dem die Temperaturen auf dem Niveau der vergangenen drei Jahrzehnte blieben.
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Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Prognose zusätzlicher Todesfälle, nicht um eine Zahl von Menschen, die bereits gestorben sind. Das Climate Impact Lab ermittelt die erwarteten Auswirkungen anhand des Zusammenhangs zwischen Temperaturen und Sterblichkeit in tausenden Regionen weltweit.
Besonders der Globale Süden betroffen
Die stärksten Auswirkungen werden nach den Berechnungen in Ländern des Globalen Südens erwartet. Für die Sahelzone prognostizieren die Forschenden rund 67.000 zusätzliche Hitzetote. Etwa die Hälfte davon könnte auf Nigeria entfallen.
Auch in Südostasien rechnen die Wissenschaftler mit erheblichen Auswirkungen. Zu den besonders betroffenen Ländern zählen demnach Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Thailand. In Südamerika wird für Brasilien die höchste Zahl zusätzlicher hitzebedingter Todesfälle erwartet.
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Für Indonesien beispielsweise prognostiziert der Bericht rund 19.300 zusätzliche Todesfälle infolge der zusätzlichen Hitze. Auch die USA gehören zu den Ländern mit einer vergleichsweise hohen absoluten Zahl; dort werden rund 3500 zusätzliche Todesfälle erwartet.
El Niño verschärft die Hitze
El Niño ist ein natürlich auftretendes Klimaphänomen, bei dem sich Teile des tropischen Pazifiks ungewöhnlich stark erwärmen. Dadurch verändern sich großräumige Luft- und Meeresströmungen, was weltweit unterschiedliche Auswirkungen auf Temperaturen und Niederschläge haben kann.
Der aktuelle El Niño hat sich ungewöhnlich früh und stark entwickelt. Nach Angaben des Climate Impact Lab könnte es sich um einen sogenannten Super-El-Niño handeln. Messungen zeigen bereits eine außergewöhnlich starke Erwärmung des Pazifiks; aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der Höhepunkt im Herbst oder Winter erreicht werden könnte.
Die zusätzlichen Hitzebelastungen kommen dabei zu den ohnehin steigenden Temperaturen infolge des menschengemachten Klimawandels hinzu. Nach Einschätzung der Forschenden könnten die globalen Landtemperaturen durch das aktuelle El-Niño-Ereignis im Mittel um etwa 1,2 Grad Celsius höher liegen als in einem durchschnittlichen Jahr. Extrem heiße Tage könnten demnach rund 44 Prozent häufiger auftreten.
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Forschende fordern schnelle Schutzmaßnahmen
Die Wissenschaftler sehen zugleich Möglichkeiten, die Zahl der Todesfälle deutlich zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem Frühwarnsysteme für extreme Hitze, Kühlzentren und Trinkwasserstationen. Auch Menschen, die im Freien arbeiten, sowie ältere und andere besonders gefährdete Personen sollen gezielt geschützt werden.
„Wir können inzwischen nicht nur die Auswirkungen von Temperaturen auf die Ernte vorhersagen, sondern auch ihre Auswirkungen auf das schlimmste Ergebnis – den Tod“, schreibt Michael Greenstone, Mitautor der Studie und Professor an der University of Chicago. Die prognostizierte Zahl von 451.000 Todesfällen sei „so groß, dass sie betäubend wirken kann“, so Greenstone weiter. Hinter der Zahl stünden jedoch konkrete Menschen und Familien.
Auch Tamma Carleton von der University of California in Berkeley, die an dem Bericht beteiligt war, betont die Bedeutung unmittelbarer Schutzmaßnahmen. „Eine verstärkte Notfallversorgung und eine bessere Ausrichtung unserer Maßnahmen können in diesem Jahr viele Leben retten“, sagte sie. Langfristig müsse es jedoch darum gehen, die notwendigen Schutzmaßnahmen gegen extreme Hitze dauerhaft aufzubauen.









