Für viele Tausende Hautkrebspatienten in Deutschland ist es eine gute Nachricht: Eine Studie zu einem neuartigen Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs sorgt weltweit für Aufsehen. Nach der Erfolgsmeldung im August liegen nun erstmals konkrete Zahlen vor: Der personalisierte mRNA‑Impfstoff der US-Pharmaunternehmen Moderna und MSD (in den USA: Merck) senkt in Kombination mit einer Immuntherapie das Risiko für Rückfall oder Tod um 42 Prozent. Die Daten sollen am Samstag auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie in Madrid vorgestellt werden.

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Experten sprechen bereits von einem Durchbruch in der Krebsforschung. Weltweit wurden im Jahr 2022 mehr als 330.000 neue Fälle von schwarzem Hautkrebs registriert. Doch wie genau funktioniert der Impfstoff? Für welche Patienten ist er relevant? Und wann wird er zugelassen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Medikament, seiner Wirksamkeit und den Reaktionen aus Fachkreisen im Überblick.

Hautkrebs: Was ist schwarzer Hautkrebs?

Schwarzer Hautkrebs, medizinisch Melanom, ist eine der gefährlichsten Formen von Hautkrebs. Er entsteht aus pigmentbildenden Zellen und kann sich auf andere Organe ausbreiten. Laut dem US-amerikanischen National Cancer Institute lebten 2023 allein in den USA über 1,5 Millionen Menschen mit dieser Diagnose. Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI erkrankten in Deutschland im Jahr 2023 rund 27.430 Personen am malignen Melanom der Haut, darunter etwa gleich viele Frauen wie Männer. Schwarzer Hautkrebs wird meist operativ entfernt. Wenn er weiter fortgeschritten ist, können auch andere Behandlungen wie Medikamente oder Bestrahlungen sinnvoll sein.

Worum geht es bei der Studie von Moderna und MSD?

Die US-Pharmakonzerne Moderna und MSD haben bereits im August positive Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie vorgelegt, also der letzten und entscheidenden Testphase vor einer möglichen Zulassung. Untersucht wurde die Kombination aus dem individualisierten mRNA-Impfstoff Intismeran Autogene und dem Immuntherapeutikum Keytruda (Wirkstoff Pembrolizumab) bei Patientinnen und Patienten mit operiertem schwarzem Hautkrebs. Die Studie zeigte vielversprechende Ergebnisse: Das Risiko für Rückfall oder Tod sank um 42 Prozent, das Risiko einer Ausbreitung des Krebses (Metastasen) um 38 Prozent.

Impfstoff: Intismeran ist ein personalisierter mRNA-Impfstoff

Intismeran ist ein therapeutischer, personalisierter mRNA-Impfstoff. Dafür wird das Erbgut des jeweiligen Tumors analysiert, um individuelle Mutationen zu identifizieren. Die mRNA liefert dem Körper die Bauanleitung für genau diese Merkmale, sodass das Immunsystem lernt, die Krebszellen gezielt zu erkennen. Es handelt sich also um keine klassische vorbeugende Impfung wie eine HPV- oder Covid-19-Impfung.

Wie wirkt die Kombination aus Impfstoff und Keytruda zusammen?

Die beiden Wirkstoffe ergänzen sich: Der personalisierte Impfstoff „trainiert“ die Immunzellen darauf, die individuellen Krebsmerkmale zu erkennen. Das Medikament Keytruda aktiviert zugleich das Immunsystem, damit es die erkannten Krebszellen angreifen kann.

Hautkrebs Studie: Wie lief sie ab?

An der Studie nahmen 1137 Patienten teil, denen zuvor schwarzer Hautkrebs operativ entfernt wurde. Über ein Jahr erhielt ein Teil der Patienten die Kombination aus Intismeran und Keytruda, andere erhielten nur Keytruda. Das Ergebnis: Die Kombination beider Medikamente senkte sowohl das Wiederauftreten von Krebs als auch dessen Ausbreitung deutlich. Die Daten sollen nun auf einem medizinischen Fachkongress vorgestellt und anschließend der US-Arzneimittelbehörde FDA vorgelegt werden, die über die nächsten Schritte entscheidet. Denn: Noch ist der Impfstoff nicht zugelassen.

Wann könnte der Impfstoff nach Deutschland kommen?

Dazu gibt es aktuell keine Angaben. Zunächst müsste ein Zulassungsantrag gestellt werden. Erfahrungsgemäß folgen europäische Zulassungen oft erst nach der US-Zulassung. Ob die Krankenkasse die Kosten für eine Therapie mit dem Impfstoff übernimmt, kann in der Regel erst entschieden werden, sobald eine Zulassung vorliegt.

Für wen käme der Impfstoff infrage?

Die Impfung ist zunächst für Patienten gedacht, die ein Melanom hatten, das operativ entfernt wurde, und die ein hohes Rückfallrisiko haben. Der Impfstoff soll als ergänzende Behandlung nach der Operation eingesetzt werden und nicht als alleinige Therapie. Am aktuellen Behandlungsstandard ändert sich durch die Ergebnisse der neuen Studie nichts. Auch die Empfehlungen zur regelmäßigen Vorsorge durch ein Hautkrebs-Screening ab 35 Jahren bleiben bestehen.

Gibt es beim Impfstoff Nebenwirkungen?

Laut Autoren der Studie gab es keine relevanten Nebenwirkungen durch die mRNA-Impfung. Unabhängige Daten zur Verträglichkeit stehen noch aus.

Wie ordnen unabhängige Experten die Ergebnisse ein?

Die Reaktionen auf die Studie sind überwiegend positiv. Die folgenden Einschätzungen stammen aus der ersten Reaktion nach der Erfolgsmeldung im August: Krebsforscher Prof. Marco Gerlinger vom Barts Cancer Institute in London spricht von einem „Durchbruch“, da erstmals eine Phase-3-Studie zeigt, dass ein personalisierter Impfstoff Rückfälle bei einer der tödlichsten Krebsarten verhindern kann. Der Onkologe Dr. Lennard Lee von der Universität Oxford nennt die Studienergebnisse „einen wichtigen Moment“ für die gesamte mRNA‑Krebsforschung. Gleichzeitig mahnen Fachleute wie Dr. Yin Wu vom King‘s College London zur Vorsicht: Die Ergebnisse seien vielversprechend, aber detaillierte Daten zur Toxizität und zum Kosten-Nutzen-Verhältnis würden noch ausstehen. Endgültige Klarheit gebe erst die vollständige Datenveröffentlichung.

Wie reagierte die Börse auf die Nachricht?

Für das Pharmaunternehmen Moderna ist die Studie ein wichtiger Schritt beim Aufbau eines neuen Geschäfts jenseits der Corona-Impfstoffe. Sollte der Impfstoff zugelassen werden, bedeutet das einen riesigen Markt. Die Bank Barclays schätzt laut Angaben des Magazins „Der Spiegel“, dass die Hautkrebstherapie bis 2035 einen Umsatz von rund drei Milliarden Dollar erzielen könnte. Die Moderna-Aktie notierte im August vor Bekanntwerden der Studie bei rund 63 Dollar und legte binnen eines Tages um 177 Prozent zu. In den Wochen danach stieg der Kurs weiter auf zuletzt rund 245 Dollar. Analysten hatten im Vorfeld auf eine Verringerung des Rückfallrisikos um mindestens 40 Prozent gehofft. Nach Bekanntwerden der Details sackte die Aktie am Donnerstag dennoch um bis zu 25 Prozent auf 181 Dollar ab.

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MSD und Moderna haben ihre personalisierte mRNA‑Impfstofftechnologie neben schwarzem Hautkrebs unter anderem bereits bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs in der klinischen Prüfung. Studien zu Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs befinden sich in einem frühen Untersuchungsstadium. Der Erfolg beim Melanom gilt als wichtiger Machbarkeitsnachweis („Proof of Principle“) dafür, dass personalisierte mRNA-Impfstoffe grundsätzlich funktionieren können.