Führerschein, erstes Auto oder Geld fürs Studium: Eltern, Großeltern, Paten oder Freunde legen gerne Sparkonten für den Nachwuchs an, um ihnen den Start in die Zukunft zu erleichtern. Im Interview erklärt Sparkassenbetriebswirtin und Hauswirtschaftsmeisterin Regina Kordik, welche Möglichkeiten es gibt und was man bei der Wahl berücksichtigen sollte.
Welche Fragen muss ich klären, bevor ich anfange, für mein Kind oder Enkelkind zu sparen?
Zunächst sollten Sie klären, wofür Sie konkret sparen wollen und wann das Kapital zur Verfügung stehen soll. Als Nächstes müssen Sie Ihr eigenes Budget prüfen und überlegen, wie viel Sie geben können oder wollen und ob Sie regelmäßig - beispielsweise in monatlichen Raten - oder eher unregelmäßig und nur für bestimmte Anlässen sparen möchten. Wenn Sie als Eltern etwas anlegen wollen, sollten Sie miteinander vereinbaren, ob die Kinder darüber Bescheid wissen dürfen, ob etwa erhaltene Geldgeschenke auch dort eingezahlt werden sollen oder ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Überraschung sein soll. Als Großeltern oder Paten überlegen Sie vorher, ob die Kindeseltern mit eingebunden werden sollen.
Als Großeltern oder Paten überlegen Sie vorher, ob die Kindeseltern mit eingebunden werden sollen.
Regina Kordik, Sparkassenbetriebswirtin und Hauswirtschaftsmeisterin
Bei der Entscheidung für eine bestimmte Geldanlage spielen folgende Überlegungen eine Rolle: In welche Anlageform und mit welchem Risiko beziehungsweise welcher Flexibilität soll investiert werden? Wollen Sie generell das Geld während der Laufzeit verwalten können oder möchten Sie es aus der Hand geben?
Hier erfahren Sie, was die Sparkassen ausmacht und was sie für Sie tun können
Sollte ich für Kinder und Enkelkinder aufgrund der derzeitigen Inflation beziehungsweise der steigenden Sparzinsen anders sparen?
Die Inflation kann nur kompensiert werden durch Anlagen, die vom Wertverlust nicht betroffen sind, wie beispielsweise Unternehmensbeteiligungen wie Aktien oder Immobilien. Klassische Zinsanlagen wie Tagesgeldkonten, Sparbücher und -briefe und andere Modelle werden von der Inflation immer noch aufgefressen. Deshalb mein Rat: für langfristiges Sparen Immobilien und Aktien beziehungsweise Rohstoffe in Form von Investmentanteilen erwerben, welche breit aufgestellt sind. Durch Streuung beugt man dem Risiko vor, einen Totalverlust zu haben und profitiert dennoch vom Gewinn der Unternehmen. Durch monatliches Sparen minimiert man zusätzlich das Kursrisiko, da man jeden Monat zu unterschiedlichen Kursen kauft, das ist der sogenannte „Cost-Average-Effekt“.
Wie kann ich dafür sorgen, dass das angesparte Geld für einen bestimmten Zweck verwendet wird, beispielsweise den Führerschein oder eine Ausbildung?
Wenn Sie die Anlage nicht aus der Hand geben, dann können Sie jederzeit und immer darüber verfügen. Ansonsten würde ich empfehlen, als Großeltern mit den Eltern eine Vereinbarung zu treffen, damit klar und deutlich wird, wofür das angesparte Geld verwendet werden soll. Aber nicht immer sind die Wünsche von Eltern und Kindern deckungsgleich. Sehen Sie Konfliktpotenzial, kann die Zweckbindung die Sorgen über eine eventuell verschwenderische Verwendung mildern.
Was passiert mit dem Sparvermögen, wenn man selbst in finanzielle Nöte kommt, wenn zum Beispiel Geld für Pflege oder Arbeitslosigkeit fällig wird?
Wenn die Sparanlage bereits auf den Namen des Kindes lautet, bleibt es unangetastet. Nur wenn innerhalb der letzten 10 Jahre ein höherer Betrag auf den Namen des Kindes angelegt wurde, sieht die Rechtslage vor, dass auf das übertragene Vermögen vom Staat zurückgegriffen werden darf. Wenn das Geld auf den Namen der Eltern oder Großeltern angelegt wurde, ist es auch offiziell deren Vermögen und kann im Falle von finanzieller Not aufgelöst werden.
Macht es mehr Sinn, einen regelmäßigen Sparvertrag für Kind oder Enkelkind zu besparen oder lieber ab und zu etwas mehr zu besonderen Anlässen zu schenken?
Das eine schließt das andere nicht aus. Ich bevorzuge das monatliche Sparen. Damit ist die Regelmäßigkeit gegeben und ich kann durch einen Vertrag das Sparen oder Schenken auch nicht vergessen. Mit dem Erwachsenwerden sind die Mittel für den Führerschein, ein Praktikum im Ausland, eine längere Reise oder einen Umzug schon vorhanden. Da freuen sich sicherlich Kinder und Enkelkinder über eine finanzielle Unterstützung.
Welche Alternativen für Geldgeschenke oder Sparguthaben bieten sich an?
Ein persönlicher Tipp: Viele Kinder und Enkelkinder sind heutzutage oft übersättigt. Die Zimmer gleichen den reinsten Spielparadiesen. Wer die finanzielle Unterstützung in Form von Geldanlagen nicht geben kann, kann Extrazeit schenken, zum Beispiel in Form eines schönen Ausflugs. Das machen wir privat als Großeltern von sechs Enkelkindern sehr gerne. Solche Erlebnisse bleiben in positiver Erinnerung, und Eltern, Großeltern sowie die Kinder profitieren alle von der Gemeinsamkeit.
Anlagevarianten für Kinder
Ob klassische Zinsanlagen wie Sparbücher, Sparbriefe, Tagesgeldkonten oder Optionen wie Beteiligungen durch Aktien an Unternehmen, Immobilien oder Rohstoffen: Die Experten der Sparkassen und des Beratungsdienstes Geld und Haushalt kennen die unterschiedlichsten Möglichkeiten, wie man dem Nachwuchs einen optimalen Start ins Leben ermöglichen kann.



