PFAS sind darauf ausgelegt, besonders beständig zu sein. Genau das macht sie für die Industrie so nützlich: Sie halten Hitze aus, weisen Fett und Wasser ab und werden deshalb in ganz unterschiedlichen Produkten eingesetzt. In beschichteten Pfannen verhindern sie, dass Essen anhaftet. In Outdoor-Kleidung lassen sie Regen abperlen. In vielen Fastfood-Verpackungen sorgen sie dafür, dass Fett nicht durchs Papier dringt.

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Doch die Stärke dieser Stoffe ist zugleich ihr Problem. Viele PFAS zerfallen kaum, weder in der Umwelt noch im Körper. Sie können über Trinkwasser, Nahrung oder Staub aufgenommen werden und sich im Menschen anreichern. Wie gefährlich das im Einzelnen ist, ist nicht für alle PFAS geklärt. Eine neue Studie aus Kalifornien zeigt nun aber, wie früh diese Belastung beginnen kann: bereits bei der Geburt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Journal of Exposure Science & Environmental Epidemiology“ veröffentlicht.

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PFAS im Neugeborenenblut: Forschende untersuchen Risiko für Kinderleukämie

Um diese frühe Belastung genauer zu erfassen, nutzte das Team um Veronica M. Vieira eine seltene Quelle: Blutproben, die unmittelbar nach der Geburt entnommen worden waren. Vieira ist Professorin für Umwelt- und Arbeitsmedizin an der University of California, Irvine. Die Forschenden untersuchten getrocknete Blutstropfen von 344 Kindern. Solche Proben werden vielen Babys kurz nach der Geburt routinemäßig entnommen.

Alle Kinder waren zwischen 2000 und 2015 im Los Angeles County in Kalifornien geboren worden. Bei 125 von ihnen wurde später, noch vor dem 18. Lebensjahr, eine akute lymphatische Leukämie festgestellt. Diese Krebsform betrifft Blut und Knochenmark und gilt als häufigste Leukämieform bei Kindern. Die übrigen 219 Kinder waren nicht an Krebs erkrankt und dienten als Vergleichsgruppe.

Zunächst ging es um eine einfache Frage: Sind PFAS überhaupt schon im Blut von Neugeborenen nachweisbar? Anschließend prüfte das Team, ob frühe PFAS-Werte mit späteren Erkrankungen zusammenfallen. Dafür wurden die Proben an der Yale University mit spezialisierten Verfahren untersucht. Gesucht wurde nach 24 bekannten PFAS-Verbindungen. Zusätzlich berücksichtigte das Team mögliche Einflussfaktoren wie das Alter der Mutter, die Art der Krankenversicherung und ethnische Merkmale.

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PFAS und Leukämie-Risiko: Höhere Werte schon bei der Geburt

Nach der Analyse zeigte sich ein deutliches Muster: Mehrere PFAS waren bereits zum Zeitpunkt der Geburt nachweisbar. Besonders PFOA und PFOS, zwei der bekanntesten Ewigkeitschemikalien, fanden sich in mehr als der Hälfte der Proben.

Auffällig war dabei vor allem der Unterschied zwischen den Gruppen. Kinder, die später an akuter lymphatischer Leukämie erkrankten, hatten im Durchschnitt höhere PFAS-Werte im Blut als die Kinder der Kontrollgruppe. Das Risiko schien mit der Belastung zuzunehmen. Kinder mit den höchsten Werten hatten laut Studie ein etwa 60 Prozent höheres Risiko für akute lymphatische Leukämie als Kinder mit den niedrigsten Werten.

Besonders deutlich trat der Zusammenhang hervor, wenn PFOA und PFOS gemeinsam betrachtet wurden. Je höher die kombinierte Belastung durch beide Stoffe war, desto stärker stieg den Forschenden zufolge das Risiko. Das ist deshalb bedeutsam, weil Menschen im Alltag selten nur einer einzelnen Chemikalie ausgesetzt sind. Meist treffen mehrere Stoffe gleichzeitig auf den Körper.

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Neue PFAS-Ersatzstoffe: Sind moderne Chemikalien wirklich sicherer?

Der Befund zu PFOA und PFOS ist jedoch nur ein Teil der Geschichte. Denn die Studie lenkt den Blick nicht allein auf ältere PFAS, sondern auch auf neuere Verbindungen, darunter sogenannte PCFA-Ether. Diese Stoffe werden teilweise als Ersatz für ältere PFAS eingesetzt oder können entstehen, wenn andere PFAS abgebaut werden.

Gerade über diese neueren Ewigkeitschemikalien ist bislang wenig bekannt. Der Studie zufolge zeigten einige von ihnen ähnliche Risikomuster wie die älteren Substanzen. Bei zwei dieser Stoffe war eine Verdopplung der Konzentration mit einem mehr als fünffach erhöhten Leukämierisiko verbunden. Die Autorinnen und Autoren mahnen jedoch zur Vorsicht: Die Zahl der untersuchten Fälle sei klein, die Ergebnisse müssten daher in größeren Studien überprüft werden.

Trotzdem lässt der Befund aufhorchen. Denn Ersatzstoffe kommen oft zum Einsatz, bevor ihre langfristigen Folgen vollständig verstanden sind. Für viele neuere PFAS gibt es bislang keine klaren Grenzwerte. Sie können also in Umwelt und Körpern auftauchen, während die Wissenschaft noch klärt, wie gefährlich sie tatsächlich sind.

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PFAS-Belastung bei Kindern: Studie findet soziale Unterschiede

Nicht nur die Art der Chemikalien unterschied sich in den Proben, sondern auch ihre Verteilung. Die Studie zeigt soziale und ethnische Unterschiede in der Belastung. Höhere Werte bestimmter PFAS fanden sich häufiger bei Kindern aus Familien mit höherer Bildung, privater Krankenversicherung und Wohngegenden mit höheren Immobilienwerten.

Die Forschenden vermuten, dass bestimmte Konsumgewohnheiten oder Produkte zu dieser Belastung beitragen könnten, etwa Outdoor-Ausrüstung, spezielle Küchenprodukte oder andere PFAS-haltige Alltagswaren. Auch bei Kindern asiatischer Herkunft traten einige der neueren PFAS häufiger auf. Solche Unterschiede seien jedoch mit Vorsicht zu lesen, betonen die Autorinnen und Autoren: In einzelnen Untergruppen war die Zahl der Fälle gering.

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Gesundheitliche Folgen: Was die PFAS-Studie nicht beweisen kann

So auffällig die Ergebnisse sind, sie haben eine klare Grenze: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis dafür, dass PFAS Leukämie auslösen. Dafür waren die Daten zu begrenzt; zudem beruht die Analyse nur auf einer Blutmessung direkt nach der Geburt. Die Befunde müssen daher mit wiederholten Messungen und in größeren Studien überprüft werden.

Trotzdem fügt sich die Untersuchung in ein wachsendes Bild: PFAS sind nicht nur ein Umweltproblem, sondern eine mögliche Belastung für die Gesundheit von Anfang an. Auch Daten aus Deutschland zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit diesen Stoffen in Berührung kommen: Laut Umweltbundesamt waren in einer deutschen Untersuchung PFOS praktisch bei allen und PFOA bei 86 Prozent der getesteten Kinder und Jugendlichen nachweisbar. Teilweise lagen die Werte über Schwellen, bei denen gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht mehr mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.