Der Gedanke an Demenz löst bei vielen Menschen tiefe Angst aus. Die gute Nachricht: Es gibt 14 Demenz-Risikofaktoren, auf die wir selbst Einfluss nehmen können. Dazu gehören zu wenig Bewegung, soziale Isolation, Schwerhörigkeit, Diabetes mellitus, zu hohe Blutdruckwerte oder Hörverlust. Insgesamt erhöhen diese Faktoren das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, um fast die Hälfte (etwa 45 Prozent). Das bedeutet: Bringt man alle in den gesunden Bereich, ließe sich damit das persönliche Demenzrisiko nahezu halbieren.

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Ein wichtiger der 14 Risikofaktoren: ein zu hoher LDL-Cholesterin-Wert. Gemäß einer international anerkannten Studie ist ein hohes LDL-Cholesterin allein für sieben Prozent aller Demenzen verantwortlich. Im Rahmen der Serie „Die Hirn-Docs“ der FUNKE Tageszeitungen erklärt Neurologin Prof. Dr. Kathrin Reetz, was Sie bei der Ernährung beachten sollten, was Medikamente wie Statine bringen und warum gerade Menschen im mittleren Alter jetzt handeln sollten.
LDL-Cholesterin zu hoch: Welche Folgen drohen?
Unterschieden werden zwei Formen: Zum einen das HDL-Cholesterin, früher auch „gutes“ Cholesterin genannt. Dieses transportiert überflüssige Blutfette zur Leber, die sie dann abbaut. Es sorgt also für eine ausgewogene Fettkonzentration im Blut. Durch Sport lässt sich HDL-Cholesterin erhöhen, mehr Fette können dann „abgeräumt“ werden. Lesen Sie dazu: Das bedeuten LDL- und HDL-Werte für Ihre Gesundheit.

Im Gegensatz zu HDL ist das LDL-Cholesterin ein Blutfett, das zu Gefäßverkalkungen, Schlaganfällen, Herzinfarkten und eben auch zu Demenz führen kann. Was lässt das LDL-Cholesterin steigen? Bewegungsmangel, aber auch eine ungesunde Ernährung mit einer hohen Menge an gesättigten Fettsäuren – wie etwa in tierischen Produkten wie Fleisch, Butter oder Sahne – und vielen schnell verfügbaren Kohlenhydraten wie etwa Industriezucker. Auch ein hoher Alkoholkonsum kann das LDL-Cholesterin erhöhen. „Es gibt eine gute Eselsbrücke: Egal, ob bei Pommes, Torte oder Spareribs, immer wenn Ihnen Ihr Verstand sagt ‚Lass das lieber‘, erhöht es das LDL“, erklärt Neurologin Prof. Dr. Kathrin Reetz, Präsidentin der Deutschen Hirnstiftung.
Risiko Cholesterinwerte
LDL-Cholesterin-Werte: Ab wann sind sie zu hoch?
Studien zeigen: Menschen mit wenig LDL-Cholesterin (LDL-C) im Blut, unter 70 mg/dl, haben ein deutlich verringertes Risiko für Alzheimer-Demenz. „Ist das LDL-Cholesterin über Monate oder gar Jahre erhöht, geht das wiederum mit einem deutlichen Anstieg des Demenzrisikos einher“, so Reetz. „Wer nur ein-, zweimal einen Ausrutscher hat, muss sich allerdings keine Sorgen machen, sondern seinen Lebensstil umstellen.“
Zur Kontrolle empfiehlt die Expertin, alle drei Jahre die „Check-up 35+“-Untersuchung in der Hausarztpraxis zu nutzen, die die gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern kostenfrei anbieten und die auch eine Messung der Cholesterin-Werte umfasst. Bei Menschen mit Risikofaktoren, wie Übergewicht oder Rauchern, muss das Cholesterin engmaschiger kontrolliert werden. Das gilt erst recht, wenn eine familiäre Hypercholesterinämie vorliegt, eine genetisch bedingte, extreme Erhöhung der Cholesterin-Werte, die oft schon in jungen Jahren beginnt.
„So oder so lohnt es sich, die Cholesterin-Werte im Blick zu haben, um dann auch intervenieren zu können, und zwar gerade auch in den mittleren Lebensjahren“, so Reetz. Im betagten Alter (ab 80 Jahren) scheint ein hohes LDL-C dann kaum noch einen Einfluss auf das Demenzrisiko zu haben.
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LDL-Cholesterin erhöht: Was hilft gegen hohe Werte?
Doch was tun bei hohem LDL-Cholesterin? Ist das Cholesterin rein lebensstilbedingt erhöht, sind die ersten Maßnahmen immer die Umstellung der Ernährung und mehr Sport. Empfohlen wird die mediterrane Diät:
- Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, „gute“ Fette wie Olivenöl,
- wenig Fleisch, Industriezucker und andere „leere“ Kohlenhydrate sowie
- Mahlzeiten aus frischen Zutaten, denn Fertiggerichte und Fast Food erhöhen das LDL-Cholesterin
Sport wiederum verbessert den „Abtransport“ der gesundheitsschädigenden Fette aus dem Blut.
Wer es nicht schafft, durch gesunde Ernährung und Sport sein LDL-C in den Normbereich zu senken, sollte laut Reetz Medikamente zur Senkung der Blutfette nehmen. Erste Therapie der Wahl sind Statine. Diese Wirkstoffgruppe wirkt „doppelt“: Sie verringert nicht nur das Risiko der Betroffenen für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern ist auch äußerst erfolgreich bei der Senkung des Demenzrisikos. Wie eine große Metaanalyse ergab, konnten hochpotente Statine das Demenzrisiko um 20 Prozent und speziell das Risiko einer Alzheimer-Demenz um 32 Prozent senken. Weitere Studien weisen darauf hin, dass sich das Risiko durch Statine bei Menschen mit dem Alzheimer-Risiko-Gen ApoE4 sogar noch stärker senken lassen könnte.
LDL-Cholesterin: Wann sind Statine sinnvoll?
Wie Reetz hervorhebt, wertete die Analyse rückblickend aus großen populationsbasierten Datenbanken die Demenzraten bei Menschen aus, die Statine einnahmen, und verglich sie mit jener, die keine erhalten hatten. „Natürlich wird in der Regel nur den Menschen ein Statin verschrieben, die auch erhöhte Cholesterin-Werte haben. Die Studie zeigt somit, dass die Therapie eines hohen LDL-Cholesterins die Häufigkeit von Demenzen, einschließlich der Alzheimer-Demenz, reduziert.“
Sie haben Fragen zu neurologischen Erkrankungen? Die Deutsche Hirnstiftung berät Sie kostenfrei. Entweder telefonisch unter Tel. 030-531437935 (Mo: 14-18 Uhr und Mi: 10-14 Uhr).
Sie haben auch die Möglichkeit, Ihr Anliegen online bei der Deutschen Hirnstiftung einzureichen. Rufen Sie dazu einfach im Browser die Website https://hirnstiftung.org/beratung/ auf. In der angezeigten Eingabe-Maske können Sie dann Ihren Fall schildern. Die Experten melden sich dann schnellstmöglich zurück.
Dass Statine aber auch bei normalen LDL-Werten einen Schutzeffekt vor Demenz haben, wie manchmal von Lifestyle-Gurus behauptet wird, ist nach Ansicht der Expertin derzeit nicht belegt. „Hier fehlen entsprechende Studien, mit gesunder Ernährung und Sport fährt man besser“, sagt Reetz. „Denn beide Maßnahmen haben zusätzlich zum reinen cholesterinsenkenden Effekt noch andere Vorteile, die das Demenzrisiko günstig beeinflussen, wie die Senkung von Entzündungen im Gehirn oder die Stärkung der Blut-Hirn-Schranke.“
Sie sieht daher aktuell keinen Anlass, Statine vorbeugend bei Menschen mit normalen Cholesterin-Werten einzusetzen. „Der Demenzschutz scheint allein aus der Senkung des hohen LDL-C zu resultieren und kein wirkstoffspezifischer Zusatzeffekt zu sein.“ Die Studien zeigen somit einen Benefit eher in der Prävention als auf die Behandlung einer bereits bestehenden Alzheimer-Erkrankung. Denn hat das Fortschreiten der Krankheit begonnen, haben Statine zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit laut älterer Studien keinen Effekt.
Dieser Artikel erschien erstmals im April 2026.








