Lungenkrebs zählt nach Angaben des RKI zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Als dominierender Risikofaktor gilt nach wie vor das Tabakrauchen. Dennoch verzeichnen Statistiken seit einigen Jahren einen Anstieg von Erkrankungen bei Personen, die im Laufe ihres Lebens nie aktiv geraucht haben. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen liefern nun Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Demnach sind insbesondere Menschen betroffen, die in Regionen mit hoher Verkehrsbelastung oder in Gebieten mit intensivem Einsatz fossiler Brennstoffe leben.
Lungenkrebs: Immer mehr Nichtraucher erkranken
Lungenkrebserkrankungen werden traditionell in erster Linie mit aktivem Tabakkonsum in Verbindung gebracht. Aktuelle Daten des Robert Koch-Institut sowie internationale epidemiologische Studien zeigen jedoch, dass der Anteil von Nichtrauchern unter den Erkrankten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Schätzungen zufolge entfallen inzwischen etwa 15 bis 25 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf Personen, die nie geraucht haben. Würde man diese Fälle als eigenständige Entität betrachten, zählte Lungenkrebs bei Nichtrauchern weltweit zu den fünf häufigsten krebsbedingten Todesursachen.
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Auch in Deutschland ist dieser Trend erkennbar, wenn auch in geringerem Ausmaß. Etwa 10 bis 15 Prozent der betroffenen Männer und rund 20 Prozent der betroffenen Frauen berichten, niemals geraucht zu haben. Besonders ausgeprägt ist die Situation in ostasiatischen Regionen wie Taiwan, Korea und Teilen Chinas, wo häufig mehr als 30 Prozent der Erkrankten Nichtraucher sind. Bei Frauen werden dort in einzelnen Studien sogar Anteile von bis zu 60 bis 80 Prozent beschrieben.
Studie löst Rätsel: Warum Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken
In einer Studie unter der Leitung von Prof. Charles Swanton vom Francis Crick Institute und vom University College London wurden die Gesundheitsdaten von mehr als 400 000 Personen aus Großbritannien, Südkorea und Taiwan analysiert. Die Auswertung zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Belastung mit PM2,5 Feinstaub am Wohnort und einer gesteigerten Lungenkrebsrate bei Nichtrauchern. PM2,5 bezeichnet Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern, die tief in die Atemwege eindringen können.
Die Forscher konnten zudem nachweisen, dass Feinstaub im Unterschied zu Tabakrauch nicht primär neue genetische Mutationen verursacht. Stattdessen löst er entzündliche Prozesse im Lungengewebe aus. Diese Entzündungsreaktion führt zur Aktivierung von Immunzellen, insbesondere Makrophagen, die den Botenstoff Interleukin 1 Beta freisetzen. Dieser wirkt als molekularer Aktivator und stimuliert bereits vorhandene, zuvor inaktive mutierte Zellen, sodass sie sich vermehren und Tumoren bilden können.
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Damit liefert die Studie einen Erklärungsansatz für die Beobachtung, dass Luftverschmutzung nicht nur allgemeine gesundheitliche Belastungen verursacht, sondern über spezifische entzündliche Signalwege zur Aktivierung prämaligner Zellveränderungen beitragen kann. Dies erklärt, weshalb auch Menschen ohne Tabakkonsum ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufweisen.
Diese Regionen sind besonders gefährdet
Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich ableiten, dass bestimmte Regionen ein besonders hohes Risiko für Lungenkrebs aufweisen, da dort die Belastung durch Feinstaub besonders ausgeprägt ist. Dazu zählen Gebiete mit intensivem Straßenverkehr, hoher Bevölkerungsdichte und starkem Einsatz fossiler Brennstoffe. Wesentliche Quellen der Feinstaubemissionen sind Abgase von Autos und Lastwagen, Emissionen aus Heizungen sowie Rauch und Partikel aus Kohle- und Holzöfen, Industrieanlagen und Baustellen. In diesen Umgebungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass bereits vorhandene mutierte Zellen durch entzündliche Prozesse aktiviert werden, besonders hoch.






