Als Simon R.* den Brief öffnet, ahnt er nicht, dass dieser Moment das Leben seiner jungen Familie auf den Kopf stellen wird. Wenige Zeilen später ist klar: Eigenbedarfskündigung. Neun Monate bleiben, dann müssen sie raus aus der Wohnung. Ihre Tochter ist zu diesem Zeitpunkt gerade ein Jahr alt. „Nach der ersten Wut kam schnell der Trotz“, sagt der 42-jährige Familienvater. „Ich hatte schon länger den Wunsch, nicht mehr Monat für Monat Geld an einen Vermieter zu überweisen, sondern endlich etwas Eigenes zu haben.“

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Mit seiner Frau, ebenfalls Ingenieurin, hatte Simon sich bereits Wohnungen und Reihenhäuser angeschaut – vieles wirkte unbezahlbar oder einfach nicht passend. Jetzt wird aus einer vagen Idee plötzlich die drängende Frage: Die Familie braucht eine neue Wohnung und mehr Platz – aber kann sie sich ein Eigenheim leisten?
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Wohnung kaufen oder mieten: Kann sich die Familie den Platz leisten?
Viele Paare und Familien kennen das Dilemma: Mieten ist oft die Lösung, die zunächst den geringsten Druck erzeugt. Gerade in den ersten Jahren mit Kindern ist vieles offen – beruflich wie privat. Mieten bedeutet dann vor allem: weniger finanzielle Verpflichtungen auf einmal und mehr Ruhe im neuen Alltag zwischen Windeln, schlaflosen Nächten und Zeit zu dritt. Ein eigenes Zuhause steht hingegen für Sicherheit und Ankommen. Gleichzeitig bindet der Kauf finanziell über Jahrzehnte – und muss auch dann getragen werden, wenn das Leben nicht nach Plan läuft, etwa wenn ein Einkommen zeitweise wegfällt.
Nach Einschätzung des unabhängigen Geldratgebers Finanztip lohnt sich Kaufen meist nur, wenn man in dem Haus oder der Wohnung lange leben möchte – zehn bis 15 Jahre oder mehr. Neben der Kreditrate fallen mit dem Kauf eine ganze Reihe weiterer Kosten an:
- Nebenkosten für Grunderwerbsteuer
- Kosten für Makler
- Kosten für Notar
- Eintrag ins Grundbuch
- Aufwände für Reparaturen und Instandhaltung
Genug Geld fürs Eigenheim?
Teure Nebenkosten: Simon verrät die Zahlen hinter der eigenen Immobilie
Die Hauskaufnebenkosten werden schnell unterschätzt, wie ein Beispiel aus dem kostenfreien Finanztip-Rechner zeigt: Für eine 400.000-Euro-Immobilie in Nordrhein-Westfalen liegen sie bei fast 50.000 Euro. Rücklagen dafür sollten von Anfang an ins Budget eingeplant sein. Ist hier noch vieles offen, ist Mieten oft die finanziell bessere Entscheidung.
Auf ihre heutige Wohnung im familiengeprägten Augsburger Stadtteil Hochzoll stießen der langjährige Finanztip-Leser Simon und seine Frau zufällig, bei einem Spaziergang. Ihnen gefiel die Wohnung, sie wagten den Schritt und sicherten sich das Vorkaufsrecht. Weil sie bereits in Kontakt mit einem Kreditvermittler waren, lag die Kreditzusage schnell vor.
Gerade bei großen Immobilienentscheidungen wissen Familien oft nicht, wie sie strukturiert vorgehen sollen. Sie ahnen zwar, dass es wichtig ist, sich früh ausführlich mit ihren Finanzen zu beschäftigen – finden aber keinen klaren Anfang. Genau hier setzt die kostenlose Finanztip-Mail-Serie „Finanzfit für Deine Familie“ an: In sechs verständlichen E-Mails begleitet sie Eltern Schritt für Schritt durch wichtige Finanzfragen – ohne Druck, aber mit spürbarer Entlastung.
Uns war klar: Das hätte uns finanziell und mental über Jahre eingeengt.
Simon R., Familienvater aus Augsburg
Vor der Entscheidung für ihre Eigentumswohnung hatten Simon und seine Frau noch eine Doppelhaushälfte im Blick. „Aber eine Analyse hat gezeigt: Das wäre kein Zuhause, sondern ein Dauerstress-Projekt geworden.“ Das Haus war seit Jahren eine Baustelle, es gab noch Nachtspeicheröfen, eine Komplettsanierung wäre langfristig teuer geworden. „Uns war klar: Das hätte uns finanziell und mental über Jahre eingeengt.“
Sanierungskosten schießen plötzlich in die Höhe
Simon und seine Familie wollten vermeiden, was sie bei anderen gesehen hatten: sich übernehmen, zu groß planen, die Kontrolle verlieren. „Mir war wichtig, nicht in diese Spirale zu geraten“, sagt der Familienvater. Hohe Kreditraten, steigendes Hausgeld – und am Ende keine Rücklagen mehr. Stattdessen entschieden sie sich bewusst nur für eine Badsanierung.
Doch selbst daraus wurde mehr. Aus kalkulierten 10.000 Euro wurden am Ende fast 30.000 Euro. Die Rücklagen dafür waren dank einer kleinen Erbschaft da, dennoch habe sich jede Rechnung wie ein Stich angefühlt. Besonders belastend war für die Familie der Moment, als im Rahmen der Sanierung klar wurde: Die meisten Steckdosen hatten keine Schutzleitungen. Kurz vor dem Umzug wurden noch die Wände aufgefräst, abends um halb sieben. Purer Stress.
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Als Eigentümer blickt Simon heute anders auf die Wohnung als früher als Mieter. Eine schiefe Steckdose beschäftigt ihn. „Dieser Perfektionismus ist schon eine kleine Herausforderung.“ Auf solche Details hat er früher als Mieter nie geachtet. Dennoch fühlt er sich wohl mit seiner Entscheidung – bedeuten die eigenen vier Wände für ihn und seine Frau doch Unabhängigkeit.
Eigentumswohnung kaufen: „Bis zur Rente abbezahlt“
„Mir ist wichtig, dass ich die Immobilie abbezahlt habe, solange ich noch arbeite“, sagt er. Rechnerisch läuft der Kredit über 40 Jahre, geplant sind jährliche Sondertilgungen von 6000 bis 8000 Euro. Ziel ist, dass die Wohnung abbezahlt ist, sobald die Tochter die erste Ausbildung abgeschlossen hat. „Sie soll das nicht tragen müssen“, sagt er. Der Geldratgeber Finanztip rät: Entscheidend ist nicht, was die Bank möglich macht, sondern womit sich Paare und Familien langfristig wohlfühlen.
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Parallel zur Geburt ihres Kindes schlossen Simon und seine Frau eine Risikolebensversicherung ab – über Kreuz, im hohen sechsstelligen Bereich. Damit wäre im Ernstfall entweder die Immobilie abbezahlt oder das Leben finanzierbar. Eine Entscheidung, die dem Alltag zu dritt das gute Gefühl gibt, füreinander vorgesorgt zu haben.
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Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geldratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.
* Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt.









