Für die meisten ist der Po vor allem eine Frage der Optik: zu flach, zu rund, zu wenig trainiert. Kaum jemand denkt daran, dass gerade diese Körperregion etwas über die Gesundheit im Inneren verraten könnte – und sogar mit dem Risiko für Diabetes Typ 2 zusammenhängen kann.

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Genau darauf deutet nun eine Auswertung von zehntausenden MRT-Bildern hin. Im größten Gesäßmuskel, dem Musculus gluteus maximus, zeigen sich bei manchen Menschen subtile Veränderungen, die mit Stoffwechselstörungen verknüpft sind. In der Mitteilung zur Studie heißt es, Formveränderungen im Gluteus maximus könnten „auf eine frühe Funktionsstörung und einen gestörten Stoffwechsel hinweisen“. Kurz gesagt: Die Muskelform könnte ein frühes Warnzeichen für Typ-2-Diabetes sein. Die Ergebnisse werden auf dem Jahreskongress der Radiological Society of North America (RSNA) präsentiert, der noch bis zum 4. Dezember 2025 in Chicago stattfindet.
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Gluteus maximus: Warum der größte Po-Muskel ein Stoffwechsel-Motor ist
Der Musculus gluteus maximus, der größte der drei Gesäßmuskeln, formt nicht nur den Po – er arbeitet im Hintergrund auch als wichtiger Motor des Stoffwechsels. Als einer der größten Muskeln des Körpers verbraucht er besonders viel Energie, stabilisiert Hüfte und Rumpf und ist an nahezu jeder Alltagsbewegung beteiligt: beim Aufstehen, Gehen, Treppensteigen oder Laufen.
In der Studie wird dieser Muskel deshalb als eine Art „Spiegel der Stoffwechselgesundheit“ beschrieben. Gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, bleibt das oft nicht ohne Folgen für die Muskulatur: Sie baut ab, lagert Fett ein oder verliert an Spannung. Wie deutlich sich das gerade im Gesäß zeigen kann, fasst Studienautorin Dr. Marjola Thanaj von der Universität Westminster so zusammen: „Menschen mit höherer Fitness wiesen einen ausgeprägteren Gesäßmuskel auf, während Alter, Gebrechlichkeit und langes Sitzen mit einem dünneren Muskel einhergingen.“
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MRT-Studie zur Po-Form: 61.290 Gesäß-Scans aus der UK Biobank
Um diesen feinen Veränderungen im Gesäßmuskel auf die Spur zu kommen, griff das Team um Marjola Thanaj auf eine ungewöhnlich große Datenbasis zurück. Laut Studie werteten die Forschenden 61.290 MRT-Aufnahmen der Gesäßregion aus, die aus der britischen UK Biobank stammen. In dieser Datenbank werden seit Jahren Gesundheitsdaten, Bildgebungen und Informationen zum Lebensstil von Freiwilligen gesammelt.
Aus jedem dieser MRT-Scans entstand ein hochauflösendes, dreidimensionales Abbild des Pos. Auf diesen Modellen ließ sich nicht nur ablesen, wie kräftig der Muskel insgesamt ist, sondern auch, wo er sich leicht nach innen zieht, sich wölbt oder von der üblichen Form abweicht. In der Studie wird betont, dass herkömmliche Kennzahlen – etwa reines Muskelvolumen oder Fettanteil – solche feinen Formunterschiede nicht erfassen.
Die Datensätze wurden getrennt nach Männern und Frauen ausgewertet. Zudem verglich das Team, wie die Gesäßmuskulatur bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder mit Gebrechlichkeit im Unterschied zu stoffwechselgesunden Personen aussieht. So entstand ein detailliertes Bild davon, wie sich der Po-Muskel in verschiedenen Gesundheitszuständen verändert.
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Po-Form und Diabetes: Deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Beim Blick auf Diabetes Typ 2 zeigt die Studie, dass die Po-Muskulatur von Männern und Frauen unterschiedlich reagiert. Beide Geschlechter weisen Veränderungen im Gluteus maximus auf – doch die Muster gehen in verschiedene Richtungen. In den dreidimensionalen Modellen von Frauen mit Diabetes Typ 2 sieht das Team vor allem Auswölbungen und Beulen im Muskel. Die Autorinnen und Autoren werten diese Ausbuchtungen als Zeichen dafür, dass sich Fett im Muskel oder zwischen den Muskelfasern einlagert. Der Gesäßmuskel wirkt dadurch in bestimmten Bereichen größer, ist aber nicht automatisch kräftiger. Thanaj erklärt, diese Formveränderungen seien Ausdruck eines strukturellen Umbaus, wie er bei Stoffwechselstörungen häufig vorkommt – lange bevor ein Muskel von außen krank aussieht oder Betroffene spürbar an Kraft verlieren.
Bei Männern mit Diabetes Typ 2 ergibt sich fast das Gegenbild. In der Studie wird beschrieben, dass auf den 3D-Modellen kleine Dellen und Einziehungen im Gluteus maximus zu erkennen sind. Thanaj spricht hier von einer „fokalen Ausdünnung“ – gemeint ist, dass der Muskel sich in klar begrenzten Bereichen abbaut, dünner wird und Masse verliert. Anders als bei den Frauen geht es also weniger um zusätzliche Fetteinlagerungen, sondern um einen direkten Verlust von Muskelgewebe.
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Gebrechlichkeit: Wie Frailty den Gesäßmuskel verändert
Ein zweiter Schwerpunkt der Auswertung liegt auf der Gebrechlichkeit. Damit ist ein Zustand gemeint, in dem der Körper deutlich an Widerstandskraft verliert: Betroffene stürzen leichter, bauen schneller ab und erholen sich schlechter von Krankheiten. In den Auswertungen zeigt sich, dass auch diese Gebrechlichkeit Spuren im Gesäßmuskel hinterlässt.
Bei gebrechlichen Männern war laut Studie eine allgemeine Verkleinerung des Gluteus maximus zu erkennen. Der Muskel wirkte insgesamt reduziert, fast so, als sei er gleichmäßig geschrumpft. Bei gebrechlichen Frauen zeigte sich ein anderes Bild: Hier traten eher vereinzelt, kleinere Veränderungen auf. Bestimmte Bereiche des Gesäßmuskels waren deutlich verändert, während andere Zonen vergleichsweise gut erhalten blieben. Auch hier bestätigt sich also ein geschlechtsspezifisches Muster. Die Autorinnen und Autoren deuten die Befunde so, dass Alter, Bewegungsmangel und Gebrechlichkeit die Po-Muskulatur zwar bei Männern und Frauen gleichermaßen angreifen, dies aber in unterschiedlicher Form tun.
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Po-Form als Diabetes Frühmarker: Chancen für Prävention und Therapie
„Unsere Arbeit legt nahe, dass Veränderungen in der Form des Musculus gluteus maximus als früher struktureller Marker für einen metabolischen Abbau dienen können“, fasst Marjola Thanaj gegenüber „Newsweek“ zusammen. Gemeint ist: Schon kleine Ausdünnungen oder Ausbuchtungen im Gesäßmuskel können darauf hinweisen, dass sich der Muskel umbaut – lange bevor er insgesamt sichtbar schrumpft oder sich Blutwerte wie Blutzucker oder Blutfette deutlich verschlechtern.
Darin sieht sie das Potenzial der dreidimensionalen Muskelform: Sie könnte helfen, Menschen zu identifizieren, „die erste Anzeichen einer Stoffwechselstörung zeigen“, noch bevor die Krankheit voll ausbricht. Langfristig, so die Überlegung, könnten MRT-Aufnahmen des Pos bei Menschen mit hohem Risiko – etwa mit Prädiabetes oder starker familiärer Vorbelastung – ein zusätzliches Werkzeug sein, um das persönliche Diabetes-Risiko besser einzuschätzen.














