Ein unscheinbarer Acker bei Gundorf, westlich von Leipzig, wurde im Sommer dieses Jahres zur Bühne einer archäologischen Sensation. Der zertifizierte Sondengänger Daniel Fest stieß dort mit seinem Metalldetektor auf einen winzigen, goldglänzenden Gegenstand – kaum größer als ein Centstück, nur zwei Gramm schwer. Was auf den ersten Blick wie ein Schmuckfragment wirkte, entpuppte sich nach genauer Untersuchung als 2200 Jahre alte keltische Goldmünze – und damit als älteste bekannte Münze Sachsens. Am Montag (27. Oktober) präsentierte das Landesamt für Archäologie Sachsen das außergewöhnliche Fundstück in Dresden der Öffentlichkeit.

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Älteste Münze Sachsens: Ein Viertelstater aus nahezu reinem Gold

Für den Leipziger Daniel Fest ist der Fund ein Moment, den man kein zweites Mal erlebt. Fest gehört zu den rund 400 zertifizierten Sondengängern in Sachsen, die mit offizieller Genehmigung auf archäologische Spurensuche gehen. Etwa zehn bis fünfzehn Mal im Jahr ist er mit seinem Metalldetektor unterwegs, stets mit geschultem Blick und viel Geduld. „Diese Münze ist nicht mein ältester, aber mein schönster Fund“, sagte er bei der Präsentation in Dresden. 

Wie das Landesamt mitteilt, handelt es sich bei der Münze um einen sogenannten Viertelstater, eine antike Goldprägung aus der späten Eisenzeit. Das winzige Stück besteht nahezu vollständig aus reinem Gold, wiegt exakt zwei Gramm und misst weniger als eine heutige Ein-Cent-Münze. „Es ist vermutlich der kleinste Fund, den wir je präsentiert haben“, sagte Landesarchäologin Regina Smolnik bei der Vorstellung in Dresden.

Trotz seiner geringen Größe zeugt das Stück von erstaunlicher handwerklicher Präzision: Auf der Vorderseite ist ein stilisiertes Tiermotiv zu erkennen – wahrscheinlich der Kopf eines Hirsches, mit angedeuteten Augen, Hörnern und einer gewölbten Stirn. Die Rückseite zeigt einen geöffneten Ring mit verdickten Enden, daneben einen Stern mit abgerundeten Spitzen und eine kleine Kugel.

2200 Jahre alte keltische Goldmünze
Eine 2200 Jahre alte keltische Goldmünze (rechts) liegt bei der Präsentation im Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) zum Größenvergleich neben einer 1-Cent-Münze. © Robert Michael/dpa | Robert Michael

Keltische Regenbogenschüsselchen: Der Mythos hinter der keltischen Münze

Der Fund von Gundorf reiht sich in eine besondere Gruppe keltischer Goldmünzen ein, die Archäologen als sogenannte „Regenbogenschüsselchen“ bezeichnen. Der Begriff geht auf einen alten Volksglauben zurück: Nach starken Regenfällen entdeckte man die kleinen, schüsselförmigen Goldstücke häufig auf frisch gepflügten Feldern – und glaubte, sie seien an jenen Orten gefallen, wo der Regenbogen die Erde berührt.

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Wie aus der Pressemitteilung des Landesamts für Archäologie Sachsen hervorgeht, weist die Münze von Gundorf alle typischen Merkmale dieser seltenen Prägungen auf: eine sanft gewölbte Form, die an eine winzige Schale erinnert, sowie fein stilisierte Ornamente, die den kunsthandwerklichen Stil der Kelten widerspiegeln. Aufgrund dieser Gestaltung und des kostbaren Materials wurden derartige Münzen in der keltischen Kultur vermutlich nicht als Zahlungsmittel verwendet, sondern als Statusobjekte oder rituelle Wertzeichen verwendet. „Diese Münze war wahrscheinlich kein Handelsobjekt, sondern diente einer Person aus der Oberschicht als Symbol für Rang und Wohlstand“, erläutert Smolnik.

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Keltische Goldmünze in Sachsen: Seltenes Zeugnis früher Handelsbeziehungen

„Keltische Münzen sind in Sachsen eine Rarität“, erklärt Smolnik weiter. Der heutige Freistaat habe zwar außerhalb des keltischen Siedlungsgebietes gelegen, doch der Fund von Gundorf belege eindrücklich, dass es bereits im 3. Jahrhundert vor Christus enge Kontakte und Handelsbeziehungen zwischen keltischen und einheimischen Gemeinschaften gegeben haben müsse.

Diese Einschätzung wird durch frühere Einzelfunde gestützt. Laut der Pressemitteilung waren in Sachsen bislang lediglich zwei keltische Münzen bekannt – eine davon gilt seit dem 19. Jahrhundert als verschollen. Erst in den vergangenen Jahren haben systematische Feldbegehungen das Bild verändert: Neun weitere Münzen kamen ans Licht, meist aus Bronze oder Silber, nur in seltenen Fällen aus Gold.

Bislang galt eine bei Zauschwitz entdeckte Silbermünze, ein sogenannter Büschelquinar, als ältestes Münzobjekt Sachsens. Sie wurde 2007 gefunden und auf das frühe 1. Jahrhundert vor Christus datiert. Der neue Fund von Gundorf ist jedoch rund 200 Jahre älter – und verschiebt damit die bekannte Münzgeschichte Sachsens deutlich weiter in die Vergangenheit. „Funde wie dieser zeigen, dass die Geschichte Sachsens reicher und vielfältiger ist, als viele annehmen“, sagt Smolnik. Der kleine Goldschatz von Gundorf beweise, dass sich die scheinbar klaren kulturellen Grenzen der Antike weit stärker durchmischten, als lange vermutet.

Auch das Landesamt für Archäologie Sachsen wertet die Entdeckung als wichtigen Impuls für die weitere Erforschung der keltischen Einflüsse im mitteldeutschen Raum. Das Regenbogenschüsselchen von Gundorf soll künftig in einer Ausstellung in Dresden gezeigt werden – ein filigranes Stück Gold, das Besucher dort aus nächster Nähe betrachten können.

mit dpa