Sportler erreichen den Höhepunkt ihrer Karriere meist bereits vor dem 30. Lebensjahr. Mathematiker erzielen die besten Ergebnisse oft erst Mitte dreißig. Während also die sportlichen und intellektuellen Fähigkeiten der Menschen bereits relativ früh im Leben ihren Höhepunkt erreichen, sieht es bei manchen psychologischen Eigenschaften ganz anders aus. Das zeigt die aktuelle Studie, die der kanadische Forschungspsychologe Gilles E. Gignac gemeinsam mit dem polnischen Kollegen Marcin Zajenkowski durchgeführt und im Journal „Intelligence“ veröffentlicht hat.

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Demnach sind bestimmte psychologische Eigenschaften zwischen dem 65. und dem 75. Lebensjahr am stärksten ausgeprägt. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die insbesondere die Entscheidungsfindung und das Urteilsvermögen positiv beeinflussen. Damit liefert die Studie eine Erklärung dafür, warum viele anspruchsvolle Führungspositionen oft von Menschen über fünfzig Jahren besetzt werden.

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Studie untersucht Persönlichkeitsmerkmale im Laufe des Lebens

Die Forscher konzentrierten sich in ihrer Analyse vor allem auf die Untersuchung gut etablierter psychologischer Eigenschaften jenseits der Denkfähigkeit. Insgesamt wurden 16 psychologische Dimensionen untersucht, darunter kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Wissen und emotionale Intelligenz. Außerdem wurden Extraversion, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit – also die sogenannten „Big Five“-Persönlichkeitsmerkmale gemessen.

Für die Meta-Analyse wurden altersbezogene Ergebnisse aus bereits veröffentlichten Studien extrahiert und verglichen. Die Datensätze wurden unter anderem nach Stichprobengröße und Repräsentativität der Stichprobe ausgewählt. Die groß angelegten Untersuchungen verdeutlichten in einem direkten grafischen Vergleich die Entwicklungen der 16 Eigenschaften im Verlauf des Lebens.

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Das Ergebnis: Die Gewissenhaftigkeit beispielsweise sei, laut den Ergebnissen, meist im Alter von etwa 65 Jahren besonders ausgeprägt. Die emotionale Stabilität sogar erst im Alter von 75 Jahren. Auch das moralische Denken oder die Fähigkeit, kognitiven Verzerrungen zu widerstehen – und rationale statt irrationale Entscheidungen zu treffen – verbessern sich möglicherweise sogar noch bis ins 80. Lebensjahr.

Führungspositionen: Bessere Urteilsvermögen ab dem 55. Lebensjahr

Die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit erreiche ihren Höhepunkt zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr, bevor sie ab etwa 65 Jahren nachlasse. Das erkläre laut den Forschern, warum Menschen dieser Altersgruppe möglicherweise am besten für die Lösung komplexer Probleme und für Führungsqualitäten im Berufsleben geeignet seien. Und warum viele Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben oft von Menschen in ihren Fünfzigern und frühen Sechzigern besetzt werden. Zwar würden einige Fähigkeiten in dieser Altersklasse bereits abnehmen, dies würde aber durch Eigenschaften wie beispielsweise einem besseren Urteilsvermögen, welches in Führungspositionen entscheidend sei, wieder ausgeglichen werden.

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Klar sei allerdings auch, dass diese Werte von Mensch zu Mensch variieren und je nach Persönlichkeit die gemessenen Eigenschaften auch unterschiedlich ausgeprägt sind. Man sollte sich also nicht ausschließlich an altersbasierten Annahmen orientieren, sondern jeden Menschen einzeln und je nach Situation beurteilen.