• Lässt sich mithilfe von Abnehmspritzen die Fruchtbarkeit verbessern?
  • Frauen berichten in sozialen Netzwerken von plötzlicher Schwangerschaft während der Therapie
  • Eine Diabetologin klärt auf, wie Ozempic & Co. eine Schwangerschaft beeinflusst

Ozempic, Wegovy und Mounjaro sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, aber zunehmend für Gewichtsreduktion genutzt werden und teilweise am Arzt vorbei im Internet gekauft werden. In den Sozialen Medien berichten viele Frauen von unerwarteten Schwangerschaften während der Einnahme. Wie kann das sein?

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Privatdozentin Dr. Katharina Laubner, stellvertretende Leiterin der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, erklärt, inwiefern die Medikamente die Fruchtbarkeit beeinflussen können, welche Risiken sie für Schwangere bergen und welche Vorsichtsmaßnahmen Frauen ergreifen sollten.

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Ozempic-Babys: Schwanger dank der Abnehmspritze?

Viele Frauen berichten in den sozialen Medien von unerwarteten Schwangerschaften während der Behandlung mit Ozempic, Wegovy oder Mounjaro. Darunter sind auch Frauen, die zuvor Schwierigkeiten hatten, schwanger zu werden. Welche medizinische Erklärung gibt es dafür?

Dr. Katharina Laubner: Das sind in der Regel Frauen, die übergewichtig oder adipös sind und teilweise auch Typ-2-Diabetes haben. Deswegen nehmen sie diese Medikation. Man weiß, dass sowohl Adipositas als auch Typ-2-Diabetes negative Auswirkungen auf die Fertilität haben. So spielen Übergewicht, Adipositas und Typ-2-Diabetes über eine gesteigerte Insulinresistenz eine wichtige Rolle in der Entstehung des polyzystischem Ovarialsyndrom und sind mit einem höheren Risiko für unregelmäßige Menstruationszyklen, Ausbleiben des Eisprungs und eingeschränkter Fruchtbarkeit verbunden. Die genannten Medikamente senken über eine gesteigerte Insulinsekretion den Blutzucker und führen über eine Hemmung des Hungergefühls und einer Förderung der Sattheit zu einer Gewichtsreduktion. Das führt zu einer Verbesserung der Fertilität.

Wie viel Gewicht müssen Patientinnen abnehmen, um eine Verbesserung der Fruchtbarkeit zu erreichen?

Laubner: Man weiß, dass bereits eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent die Fertilität verbessert – egal, wie wir diese erreichen. Man kann eine Gewichtsreduktion durch eine Lebensstilmodifikation, also eine Umstellung der Ernährung in Kombination mit vermehrter Bewegung, durch eine bariatrische Operation oder eben durch die Einnahme der entsprechenden Medikamente erreichen. Wenn die Frauen durch die Gewichtsreduktion dann regelmäßige Zyklen bekommen, können sie schwanger werden.

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Ozempic & Co: Beeinflussen die Medikamente die Verhütung?

Auch Frauen, die verhütet haben, berichten von unerwarteten Schwangerschaften. Wie lässt sich das erklären?

Laubner: Es wird spekuliert, dass die Pille eventuell nicht mehr ausreichend wirkt, weil die Präparate Nebenwirkung wie Übelkeit und Erbrechen sowie eine verzögerte Magenentleerung haben können. Eindeutig bewiesen ist das nicht. Die Konsequenz muss aber trotzdem sein, dass Frauen im reproduktiven Alter, die diese Präparate bekommen, darüber aufgeklärt werden müssen, auf eine sichere Kontrazeption zu achten.

Ist es denkbar, dass man die Medikamente in Kinderwunschkliniken einsetzt?

Laubner: Es ist denkbar, dass man sie einsetzt, bevor man eine Kinderwunschbehandlung durchführt, wenn die Frauen übergewichtig oder adipös sind, damit sie Gewicht verlieren. Das bietet eventuell eine Chance und wird durchaus gefordert. Ich selbst habe bislang keine Patienten gehabt, die mir von der Kinderwunschpraxis überwiesen wurden, aber ich weiß, dass es diese Überlegungen gibt.

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Ungeplant schwanger: Schaden Ozempic & Co. dem Baby?

Wenn man einen Kinderwunsch hat, wird empfohlen, die Medikamente mindestens zwei Monate vor einer Schwangerschaft abzusetzen. Warum?

Laubner: Die klare Empfehlung ist, die Präparate abzusetzen, wenn man konkret plant, schwanger zu werden. Es gibt die Sorge, dass die Medikamente Fehlbildungen oder Aborte verursachen könnten. Ich glaube, da kann man aber ein Stück weit Entwarnung geben. Letztes Jahr wurden zwei Registeranalysen veröffentlicht. Es gab kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Spontanaborte oder intrauterinen Tod (Sterben des Fötus, Anm. d. Red.). Das ist beruhigend im Hinblick auf eine unbeabsichtigte Exposition gegenüber diesen Medikamenten während der Frühschwangerschaft. Man geht auch davon aus, dass die Moleküle zu groß sind und die Plazenta wahrscheinlich gar nicht überwinden. Insofern kann man Frauen beruhigen, die unter den Medikamenten ungeplant schwanger geworden sind. Wir wissen jedoch nicht, was passiert, wenn man die Medikamente im zweiten und dritten Trimester nimmt. Da haben wir einfach keine Daten.

Was raten Sie Frauen, die während der Einnahme ungeplant schwanger werden?

Laubner: Die klare Empfehlung ist, das Medikament abzusetzen. Die Frauen müssen aufgeklärt werden, dass das Gewicht nach Absetzen des Medikaments – unabhängig von der Schwangerschaft – wieder ansteigen wird. Das wissen wir aus Untersuchungen zum Absetzen dieser Präparate. Das liegt einfach daran, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist, die dauerhaft behandelt werden muss. Und wenn wir die Behandlung stoppen und die Präparate absetzen, geht das Gewicht wieder nach oben. Das kann in der Schwangerschaft fatal sein. Wenn die Frauen überproportional viel Gewicht zunehmen, ist das auch für das Kind langfristig extrem ungünstig. Man muss den Frauen insofern raten, auf ihr Gewicht achten – vor allem in der Schwangerschaft.

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Wohin kann man sich bei Unsicherheiten und Fragen wenden?

Laubner: Zum einen natürlich an den betreuenden Arzt, der die Medikation rezeptiert hat. Außerdem sollte der Fall möglichst an Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, gemeldet werden. Das Institut berät Schwangere in Bezug auf Medikamente und sammelt zugleich gemeldete Fälle, um daraus langfristig Empfehlungen abzuleiten. Die Daten der gemeldeten Fälle sind zum Beispiel auch in die Registeranalyse eingegangen.

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Hat Ozempic eigentlich auch einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Männern?

Laubner: Da gibt es meines Wissens keine Daten, aber das ist natürlich auch denkbar. Auch hier weiß man, dass die Spermienqualität bei adipösen, übergewichtigen Männern schlechter ist. Mir ist aber nicht bewusst, dass es bereits belastbare Studien zur Inkretinmimetika (der Wirkstoff in Ozempic, Anm. d. Red.) und Spermienqualität gäbe.

Dieser Artikel erschien erstmals im August 2025.