- Extreme Hitze kann nicht nur Herz und Kreislauf, sondern auch den Darm belasten
- Bei hohen Temperaturen klagen viele Menschen über Magen-Darm-Beschwerden
- Doch warum ist das so? Eine Studie zeigt, was wirklich dahintersteckt
Die Sonne brennt, die Temperaturen klettern auf fast 30 Grad – für viele beginnt damit der Inbegriff des Sommers. Für den Körper kann die Hitze allerdings schnell zur Belastung werden. Schwindel, Kreislaufprobleme und Hitzschlag sind bekannte Folgen. Doch ausgerechnet der Darm scheint besonders sensibel auf extreme Temperaturen zu reagieren. Eine Studie aus Zürich zeigt, wie stark sich Hitzewellen tatsächlich auf den Verdauungstrakt auswirken.
Studie: Hitze verstärkt Beschwerden im Verdauungstrakt
Was genau passiert im Körper, wenn das Thermometer über 30 Grad steigt? Dieser Frage ist das interdisziplinäre Forscherteam um Dr. Christine Manser vom Universitätsspital Zürich nachgegangen. Gemeinsam mit dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und MeteoSchweiz analysierten sie Krankenhausdaten aus den Jahren 2001 bis 2005, wobei der Fokus auf 786 Patientinnen und Patienten mit akuten Magen-Darm-Infektionen sowie 738 mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa lag. Insgesamt identifizierten die Forscher 17 Hitzewellen und verglichen die Zahl der notfallmäßigen Spitaleinweisungen während dieser Perioden mit Tagen normaler Temperaturen.
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Das Ergebnis der Auswertung fiel deutlich aus: Während der Hitzewellen stieg die Zahl der Notfalleinweisungen wegen Magen-Darm-Beschwerden deutlich an. Im Durchschnitt suchten an jedem Tag mit großer Hitze 4,7 Prozent mehr Menschen mit akuten Magen-Darm-Erkrankungen die Notaufnahme auf als an kühleren Tagen. Bei chronisch kranken Patienten, etwa mit Morbus Crohn, lag der tägliche Anstieg bei 4,6 Prozent. Eine Kontrollgruppe ohne Darmerkrankungen zeigte diesen Effekt nicht.

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Studienleiterin Dr. Christine Manser folgert daraus, dass die zunehmende Hitze im Zuge des Klimawandels ein bisher unterschätzter Risikofaktor für Erkrankungen des Verdauungstrakts sein könnte. Vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen könne das Wetter somit zum medizinischen Risiko werden.
Hitze stresst den Körper – und den Darm
Warum der Darm so sensibel auf hohe Temperaturen reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere plausible Erklärungen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hitzewellen ein Stressfaktor für den Körper sind, auf den der Darm besonders empfindlich reagiert“, sagt die Studienleiterin.
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Der menschliche Körper müsse bei hohen Temperaturen enorme Anpassungsleistungen vollbringen, wodurch der Stoffwechsel unter Druck gerate. Diese Form des physischen Stresses wirkt sich offenbar auch auf den Darm aus – ein Zusammenhang, den Mediziner bereits aus der kardiovaskulären Forschung kennen. So stiegen bei früheren Hitzeperioden auch Herzinfarkte und andere stressassoziierte Erkrankungen.
Bakterien lieben Hitze: Warum Keime im Sommer explodieren
Ein weiterer Faktor könnte in der bakteriellen Welt liegen. Bei Hitze fühlen sich nicht nur Menschen am See wohler, sondern auch Keime. „Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter gedeihen optimal bei etwa 37 Grad. Wenn sich die Außentemperatur dieser Marke nähert, vermehren sich die Keime schneller – sowohl in Lebensmitteln als auch im Trinkwasser“, erklärt Gerhard Rogler, Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Universitätsspital Zürich in einer weiteren Mitteilung des Krankenhauses. Lebensmittel, die nicht ausreichend gekühlt oder erhitzt wurden, könnten dann zu gefährlichen Infektionsquellen werden. Gerade bei Geflügel oder Fisch sei besondere Vorsicht geboten.
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Auch das Robert Koch-Institut sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Infektionsgeschehen. In seinem Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit 2023“ beschreibt es, wie sich Fälle von Campylobacter-Infektionen während längerer Wärmeperioden häufen. Bei hohen Temperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit finden Keime ideale Bedingungen zur Vermehrung – insbesondere dann, wenn Hygiene und Lebensmittelkühlung vernachlässigt werden.
Dehydrierung erhöht das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden
Eine zusätzliche Rolle spielt die Dehydrierung. Wenn dem Körper durch Schwitzen zu viel Flüssigkeit entzogen wird, er aber nicht genug Wasser zugeführt bekommt, können die Schleimhäute austrocknen und der Verdauungstrakt kann belastet werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) warnt insbesondere ältere Menschen ab 65 Jahren, Schwangere und Kinder vor den Risiken einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme. Müdigkeit, dunkler Urin und Kreislaufprobleme könnten erste Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels sein.
Magen-Darm-Beschwerden im Sommer vermeiden: So schützt man sich
Vor allem während der Sommermonate ist in der Küche besondere Aufmerksamkeit gefragt. Das IQWiG empfiehlt, rohes Fleisch strikt von anderen Lebensmitteln zu trennen. Wer zuerst den Salat und danach das Geflügel mit demselben Messer schneidet, erhöht das Risiko einer bakteriellen Übertragung. Auch Schneidebretter sollten separat verwendet oder gründlich gereinigt werden. Wichtig ist zudem, Grillgut vollständig durchzugaren und Kühlketten beim Transport von Fleisch oder Tiefkühlwaren unbedingt einzuhalten. Ideal sind Kühltaschen für den Einkauf bei sommerlicher Hitze.
Neben der Küchenhygiene ist es hilfreich, den Flüssigkeitshaushalt im Blick zu behalten und körperliche Anstrengungen während heißer Tage zu vermeiden. Besonders Personen mit chronischen Darmerkrankungen sollten ihre persönlichen Belastungsgrenzen kennen und Stresssituationen – ob physisch oder psychisch – frühzeitig entschärfen, rät Professor Rogler. Denn ein Krankheitsschub bedeute nicht nur ein paar Tage Unwohlsein, sondern oft Wochen mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität.
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Im Krankheitsfall rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einem Arztbesuch, wenn der Durchfall mit hohem Fieber, starkem Flüssigkeitsverlust oder ausgeprägter körperlicher Schwäche einhergeht. Als Faustregel gilt: Wenn der Zustand so belastend ist, dass alltägliche Aktivitäten wie das Aufstehen nicht mehr möglich sind, sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Leichtere Verläufe, die sich nach drei bis fünf Tagen bessern, können in der Regel zu Hause behandelt werden – vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Risikopatienten.
Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2025.










