Nach der letzten Eiszeit geschah etwas Erstaunliches: Der Meeresspiegel stieg dramatisch an und veränderte die Küstenlinien der Erde für immer. Doch wie schnell verlief dieser Anstieg? Forscherinnen und Forscher haben nun Bohrproben aus dem Meeresboden analysiert – und die Ergebnisse zeigen ein alarmierendes Muster, das auch für die heutige Klimaforschung von Bedeutung ist.

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Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie legt nahe: Zwischen 11.000 und 3000 Jahren vor heute stieg der Meeresspiegel um etwa 38 Meter. Diese Erkenntnisse könnten helfen, die heutigen Entwicklungen der Eisschilde und deren Auswirkungen auf das Klima besser zu verstehen.

Doggerland vor Großbritannien: Ein versunkenes Land erzählt seine Geschichte

Ein internationales Wissenschaftlerteam untersuchte dazu eine Region in der Nordsee, die früher als „Doggerland“ bekannt war. Dieses Gebiet verband bis vor etwa 7000 Jahren Großbritannien mit dem europäischen Festland. Die Forscher entnahmen Bohrproben von Torfschichten, also teilweise zersetztem Pflanzenmaterial, das unter dem Meeresboden erhalten geblieben ist.

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Doggerland war einst ein weitläufiges Küstenmarschland. Doch mit dem Anstieg des Meeresspiegels überfluteten steigende Wasserstände und Meeresablagerungen das Gebiet und komprimierten die Marschböden. Durch eine Analyse der enthaltenen Elemente und Mikroalgen konnten die Forscher rekonstruieren, wie sich der Meeresspiegel veränderte.

Forscher erkennen spannende Muster: zwei entscheidende Phasen des Meeresspiegelanstiegs

Die Untersuchungen zeigten, dass der Meeresspiegelanstieg in zwei Hauptphasen verlief: Die erste Phase, vor etwa 10.300 Jahren, war ausschließlich auf das zunehmende Schmelzwasser der Eiskappen zurückzuführen. Die zweite Phase, die vor etwa 8300 Jahren begann, wurde nicht nur durch das weitere Abschmelzen der Gletscher verursacht, sondern auch durch das plötzliche Ablaufen von Wasser aus Gletscherseen.

Während des höchsten Anstiegs wuchs der Meeresspiegel um mehr als 10 Millimeter pro Jahr – das entspricht einem Meter pro Jahrhundert. Zum Vergleich: Laut dem Weltklimarat (IPCC) liegt der aktuelle Anstieg bei 3 bis 4 Millimeter pro Jahr und könnte bis zum Ende des Jahrhunderts auf 4 bis 9 Millimeter pro Jahr steigen.

Analyse von Jahrtausende alten Bodenproben: Was ist die Bedeutung für die heutige Klimaforschung?

Die Co-Autorin der Studie, Sarah Bradley von der University of Sheffield, betonte in einer Erklärung, dass die heutigen Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels weitaus gravierender seien als in der Vergangenheit. Bevölkerungswachstum, Infrastruktur und wirtschaftliche Aktivitäten in küstennahen Regionen machten moderne Gesellschaften besonders verwundbar.

Ein besseres Verständnis früherer Meeresspiegelveränderungen helfe, aktuelle Klimamodelle zu verbessern. Die Analyse historischer Paläochronologien ergänze moderne Messmethoden und ermögliche genauere Prognosen, schreiben die Forscher in der Studie.

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Wissenschaftler sprechen Klartext: Warum die Daten so wichtig für die Vorbereitung auf die Zukunft sind

Marc Hijma, Geologe am niederländischen Institut Deltares, erklärte, dass detaillierte Daten aus der Nordseeregion dabei helfen, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Eisschilden, Klima und Meeresspiegel zu entschlüsseln. „Dies liefert sowohl Wissenschaftlern als auch politischen Entscheidungsträgern Erkenntnisse, sodass wir uns besser auf die Auswirkungen des aktuellen Klimawandels vorbereiten können, beispielsweise durch die Fokussierung auf die Klimaanpassung“, so der Experte in derselben Mitteilung.