Jede Nacht träumen wir – doch nur selten können wir uns daran erinnern. Manche Menschen wachen auf und wissen sofort, was sie geträumt haben. Andere hingegen spüren nur eine vage Erinnerung, die sich in wenigen Sekunden auflöst. Warum vergessen wir Träume so schnell? Eine neue Studie liefert erstaunliche Antworten. Was beeinflusst unser Traumgedächtnis wirklich?

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Wissenschaftler des Forschungszentrums IMT im italienischen Lucca gingen dieser Frage in ihrer in der Fachzeitschrift „Communications Psychology“ publizierten Untersuchung nach. Sie analysierten die Berichte von 204 Probanden im Alter zwischen 18 und 70 Jahren, die über einen Zeitraum von 15 Tagen ihre Träume dokumentieren sollten – dafür sprachen sie ihre Erinnerungen täglich in ein Diktiergerät.

Zusätzlich erfasste das Team um Valentina Elce mithilfe von Aktigrafen – quasi einer smarten Armbanduhr – die Schlafdauer, Schlafzyklen und nächtliche Unterbrechungen. Bei 42 der Teilnehmenden kamen zudem tragbare EEG-Geräte zum Einsatz, um die Hirnströme zu messen und REM-Phasen, die als entscheidend für das Träumen gelten, zu identifizieren. Ergänzend zu den Audioaufnahmen beantworteten die Probanden Fragebögen und führten Standardtests zu kognitiven Fähigkeiten, Gesundheitszustand und Persönlichkeitsmerkmalen durch.

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Neue Studie dokumentiert: Ältere Menschen erleben häufiger „weiße Träume“

Die Studienergebnisse zeigen, dass mehrere Faktoren darüber entscheiden, ob sich Menschen an ihre Träume erinnern oder nicht. Einer davon ist das Alter: Jüngere Menschen haben offenbar ein besseres Traumgedächtnis als Ältere. Bei älteren Personen sprechen Forscherinnen und Forscher von „weißen Träumen“ – sie wissen zwar, dass sie geträumt haben, doch die Erinnerungen verblassen so schnell, dass sie nach dem Aufwachen keine Details mehr abrufen können.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Neigung zum Tagträumen. Die Studie ergab, dass sich Personen, die auch tagsüber oft in Gedanken abschweifen und eine positive Einstellung zum Träumen haben, deutlich besser an ihre nächtlichen Erlebnisse erinnern konnten. Laut den Forschern könnte dies daran liegen, dass Menschen mit einem aktiveren Gedankenfluss ihre inneren Prozesse bewusster wahrnehmen.

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Forscher erklären: Was bedeuten die unterschiedlichen Schlafphasen?

Die Auswertung legt zudem nahe, dass die Schlafphasen eine entscheidende Rolle spielen: „Die Menschen, die lange Schlaf-Episoden mit einem geringen Tiefschlaf-Anteil haben, erinnern sich mit höherer Wahrscheinlichkeit an das Geträumte als Menschen mit einem kürzeren, Tiefschlaf-dominierten Nachtschlaf“, berichtet das Forschungsteam in der Studie. Je länger und häufiger die nächtlichen REM-Schlafphasen sind, desto größer ist die Chance, dass sich Menschen nach dem Aufwachen an ihre Träume erinnern.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist es laut den Forschern jedoch unerheblich, ob jemand direkt aus einer REM-Phase geweckt wird oder aus einer anderen Schlafphase aufwacht. Auch die allgemeine Schlafqualität scheint keine entscheidende Rolle zu spielen. Interessanterweise beeinflusst jedoch die Jahreszeit das Traumgedächtnis: Im Frühling und Herbst konnten sich die Testpersonen häufiger an ihre Träume erinnern als im Winter.

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Psychologen klären auf: Drei Schlüsselfaktoren für eine gute Traumerinnerung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hauptsächlich drei Faktoren bestimmten, ob wir uns an unsere Träume erinnern können. Dazu gehört eine generell positive Einstellung zu Träumen, die Neigung zum Tagträumen und das Schlafmuster. „Individuelle Unterschiede in der Tendenz, sich an den Inhalt von Traumerlebnissen zu erinnern – im Gegensatz zum bloßen Bewusstsein, geträumt zu haben – werden dagegen durch die Anfälligkeit für Störungen und das Alter vorhergesagt“, schreiben die Forscher in der Studie. Es zeigte sich außerdem, dass das Geschlecht keine Rolle bei den Traumerinnerungen spielt.

Vielmehr ist es laut den Psychologen ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Traumerinnerung nicht nur eine Frage des Zufalls ist, sondern eine Reflexion darüber, wie persönliche Einstellungen, kognitive Merkmale und Schlafdynamik interagieren“, sagte Seniorautor Giulio Bernardi.

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Wissenschaftler verraten ihre Pläne: Folgestudien zur Rolle von Gedächtnisprozessen

Die Psychologen sehen in ihren Erkenntnissen nicht nur einen Schlüssel zum Verständnis der Mechanismen hinter der Traumerinnerung, sondern auch einen Beitrag zur Erforschung des menschlichen Bewusstseins. Zudem könnten die Ergebnisse Aufschluss darüber geben, in welchem Zusammenhang Träume und psychische Gesundheit stehen.

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Um diese Fragen weiter zu untersuchen, plant das Forschungsteam Folgestudien. Dabei wollen die Wissenschaftler unter anderem klären, warum ältere Menschen häufiger „weiße Träume“ erleben und welche Rolle Gedächtnisprozesse für die Traumerinnerung spielen. „Die im Rahmen dieses Projekts gesammelten Daten werden als Referenz für zukünftige Vergleiche mit klinischen Populationen dienen“, so Elce.