Für Freunde oder auch Angehörige ist es nie leicht, zu sehen, wie jemand unter den Folgen einer toxischen Beziehung leidet. Wie er oder sie sich immer weiter zurückzieht, kaum noch zu erreichen ist und alles tut, um seinen Partner oder seine Partnerin zu besänftigen. Da möchte man schnellstmöglich intervenieren und die Person aus der ungesunden Partnerschaft herausholen. Doch können voreiligen Aktionen schnell nach hinten losgehen. Ein Experte erklärt, wie man seine Unterstützung erfolgreich anbieten kann.
Ungesunde Partnerschaft: Was eine toxische Beziehung so gefährlich macht
Liebe sollte ein Ort des Wohlbefindens und des Wachstums sein. In einer gesunden Beziehung wollen beide Partner das Beste füreinander – sie unterstützen sich, teilen Freude und Herausforderungen und tragen zum Glück des anderen bei. In einer toxischen Beziehung jedoch herrscht das Gegenteil: Es geht nicht um Liebe, sondern um Kontrolle und Manipulation. Ständige Kritik, unbegründete Eifersucht und emotionale Erpressung prägen den Alltag.
Diese Beziehungen zerren an den Nerven und rauben die Lebensfreude: „Viele Betroffene werden ‚blind vor Liebe‘. Sie nehmen nicht mehr wahr, ob sich ihre Partnerschaft nur in einer Krise befindet oder ob sie in einer toxischen Beziehung feststecken“, erklärt Eric Hegmann, Paartherapeut und Mitbegründer der Modern Love School. Oft finden sich Menschen in solchen Beziehungen wieder, ohne den Moment zu bemerken, in dem sie die Kontrolle verloren haben.
Weitere Anzeichen dafür, dass sich die Freundin oder der Freund in einer toxischen Beziehung befindet, sind:
1. Die betroffene Person isoliert sich immer weiter
In einer toxischen Beziehung gibt es kein echtes Geben und Nehmen mehr. Alles wird zur Pflicht, jeder Schritt ein Versuch, dem Partner zu gefallen oder ihn zu beruhigen. Anstatt aus Liebe zu handeln, reagieren die Betroffenen aus Angst oder dem Drang, Konflikte zu vermeiden. „Sie lassen viel mehr durchgehen, als sie sollten, und ertragen so Beschimpfungen, Blicke, Vorwürfe, Lügen und nicht selten auch Vertrauensbrüche oder Aggressionen“, sagt Paartherapeut Hegmann.

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In toxischen Beziehungen stellen sie die eigenen Bedürfnisse oft hinten an. Die Partner ziehen sich immer weiter zurück, meiden Konfrontationen und sagen sogar Verabredungen ab, um Auseinandersetzungen oder Vorwürfen zu entkommen. Hegmann empfiehlt daher: „Wenn sich die Freundin oder der Freund von Freunden oder der Familie zurückzieht, ist das ein Warnzeichen, als Freund genauer hinzuschauen.“
2. Wesensveränderung
Ein weiteres Anzeichen für eine toxische Beziehung seien Wesensveränderungen, so Hegmann. Menschen, die vor oder zu Beginn der Beziehung noch als extrovertierte und fröhliche Menschen wahrgenommen wurden, werden im Laufe der toxischen Partnerschaft immer trauriger und angespannter. „In einer toxischen Beziehung kann man nichts richtig machen. Der toxische Teil macht den anderen klein und abhängig“, sagt der Paartherapeut. Auch das Selbstwertgefühl der Betroffenen kann darunter stark leiden.
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Als Freund oder Freundin ist es schwer zu verstehen, warum jemand in einer toxischen Beziehung bleibt und man fragt sich möglicherweise, warum die betroffene Person seinen toxischen Partner oder seine toxische Partnerin nicht einfach verlässt. Doch der Ausstieg ist alles andere als einfach, erklärt Hegmann: „Nicht der toxische Partner erscheint als das Übel, sondern man selbst“. Oft entwickeln Betroffene große Schuldgefühle für ihre Situation.
„Es ist ein bisschen so, als würde einem ständig etwas sehr Begehrenswertes vorenthalten werden“, sagt der Experte. Häufig würden Betroffene das Gefühl haben, sich richtig verhalten zu müssen, um dafür belohnt werden – doch die Belohnung trete nie ein. „Indem der Partner oder die Partnerin in einer toxischen Beziehung dem anderen ständig Schuldgefühle macht und zeigt, dass er nicht zufrieden ist, macht er ihn hungrig nach seiner Anerkennung und seinen Gefühlsbekundungen“, erklärt Hegmann. Das hat zur Folge, dass Menschen die schädlichen Verhaltensweisen des Partners hinnehmen, statt sich von der Beziehung zu lösen.
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Eine gesunde Freundschaft zeichnet sich dadurch aus, dass man sich gegenseitig unterstützt und füreinander da ist. Doch die Fürsorge und Hilfsbereitschaft können in manchen Fällen auch als übergriffig wahrgenommen werden: „Ich empfehle jedem, sich immer zuerst zu fragen: Warum habe ich Angst um meinen besten Freund oder meine beste Freundin? Und: Warum schrillen bei ihr nicht die Alarmglocken, obwohl sie ihren Partner viel besser kennt als ich?“ Hinter gut gemeinten Ratschlägen verbergen sich oft eigene Erfahrungen oder Gefühle, so Hegmann.
Aus Sicht des Therapeuten können dennoch folgende Schritte sinnvoll sein:
1. Zuhören statt urteilen
Toxische Beziehungen sind schmerzhaft und komplex, doch letztlich seien sie eine Angelegenheit der betroffenen Person selbst, erklärt Hegmann. Gute Ratschläge können schnell als Übergriff empfunden werden. „Wer anderen in bester Absicht Ratschläge gibt, greift in deren Autonomie ein. Dagegen wehren sich die meisten“, so der Paartherapeut. „Menschen ändern sich, wenn sie wollen, nicht wenn sie müssen.“
Besorgte Freunde können jedoch ihre Beobachtungen teilen und anbieten, für den anderen da zu sein, ohne zu drängen. „Ein offenes Ohr reicht meist schon aus, damit sich die Freundin öffnet“, sagt Hegmann. Indem man Fragen stellt wie „Wie fühlst du dich in dieser Beziehung? Hast du das Gefühl, dass du dich verändert hast?“, könnten Betroffene dazu angeregt werden, ihre Situation selbst zu hinterfragen. Dabei sei es entscheidend, die eigene Meinung außen vor zu lassen. „Betroffene sollten sich nicht schämen müssen.“ Stattdessen sollten Freunde geduldig und verständnisvoll sein, ohne sofort zu urteilen, wer oder was für die Situation verantwortlich ist.
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2. Eine Stütze sein
Eines steht fest: Man kann den Betroffenen nicht alle Sorgen abnehmen. Dennoch kann man der leidenden Person Unterstützung anbieten, in dem man ihr zuhört und für sie da ist, betont der Paartherapeut. Wichtig sei, nicht zu drängen oder sich in die Beziehung einzumischen. Das könnte in einigen Fällen dazu führen, dass die betroffene Person die Freundschaft als Bedrohung wahrnimmt. „Das würde für die Freundin noch mehr Stress bedeuten, im schlimmsten Fall müsste sie sich zwischen zwei Seiten entscheiden“, so Hegmann.
3. Trennung begleiten
Der Moment der Trennung ist für viele Betroffene einer der schwierigsten, sagt Hegmann. „Auch wenn erkannt wurde, dass die Beziehung toxisch ist, wird es ihr oder ihm wahrscheinlich schwerfallen, sich zu trennen.“ In dieser Zeit sei es wichtig, der Freundin oder dem Freund zu zeigen, dass man die schwierige Situation versteht. Es kann zudem sehr hilfreich sein, die betroffene Person aus dem direkten Einflussbereich des Partners zu holen, beispielsweise indem man beim Abbruch des Kontakts unterstützt.
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Manchmal hilft es auch, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Gemeinsam kann nach geeigneten Therapeuten gesucht oder eine Liste mit Anlaufstellen erstellt werden, an die sich die Freundin oder der Freund wenden kann.“ Außerdem kann es eine große Erleichterung sein, wenn Freunde als Begleitung zu den ersten Terminen mitgehen. So wird der Weg aus der toxischen Beziehung ein Stück leichter.








