Liebe ist kein Selbstläufer. Selbst wenn man sich die Liebe in einer langjährigen Beziehung erhalten kann, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass die Partnerschaft auch hält. Denn manchmal gibt es diverse Gründe dafür, dass eine Verbindung zwischen zwei Menschen in die Brüche geht. Gerade wenn eine Partei unfreiwillig aus der Liaison gerissen wird, kann die Verarbeitung äußerst schwer fallen. Zwei Experten erklären, wie man mit hochemotionalen Trennungen umgehen sollte und was dabei hilft, den Schmerz zu überwinden.

Auch interessant

Beziehungsende trotz Liebe: Expertin führt mögliche Gründe auf

Warum manche Beziehungen trotz Liebe enden, erklärt Daniela van Santen, Beziehungscoachin aus Hamburg: „Es ist natürlich komplett individuell, wann und warum Beziehungen auseinander gehen.“ Manchmal vergehe die Liebe nach einigen Jahren und man müsse sich fragen: „Will man wirklich mit jemanden weiter zusammen sein, der einen nicht mehr liebt?“

Beziehungscoachin Daniela van Santen führt eine eigene Praxis für Liebeskummer in Hamburg und beschäftigt sich mit Themen rund um Liebeskummer, Trennung und Lebenskrisen.
Beziehungscoachin Daniela van Santen führt eine eigene Praxis für Liebeskummer in Hamburg und beschäftigt sich mit Themen rund um Liebeskummer, Trennung und Lebenskrisen.© Daniela van Santen | Unbekannt

In anderen Fällen seien es eher Konflikte, die sich nicht mehr lösen lassen. „Oder die Bedürfnisse der Partner sind nach all den Jahren komplett unterschiedlich und man findet nicht mehr zusammen“, so die Beziehungsexpertin. Auch dies sei nichts Ungewöhnliches, sagt van Santen. „Die Kinder ziehen aus und wir entwickeln uns weiter. Manchmal entwickeln wir uns aber auch auseinander.“ Leben sich beide Partner auseinander, reiche die Liebe häufig nicht mehr aus, um eine erfüllte Beziehung zu führen.

Laut van Santen gibt es durchaus noch weitere Gründe, die für eine Trennung trotz Liebe sprechen – insbesondere, wenn Partner psychische oder physische Gewalt erfahren, sei eine Trennung ratsam. Manchmal könne es aber auch an einfachen Dingen scheitern: „Es gibt Paare, die so unterschiedliche Wünsche an eine Beziehung haben, dass es einfach nicht passt.“ Möglich sei auch, dass Partner so verschiedene Vorlieben haben, dass sie keine gemeinsame Basis bilden können. Ein Beispiel: „Der eine will auf dem Land leben, der andere in der Stadt. Oder ein Paar hat ganz unterschiedliche sexuelle Neigungen, die nicht miteinander vereinbar sind.“

Trennung trotz Gefühlen: So sehr können Betroffene unter dem Beziehungs-Aus leiden

Die Hamburger Beziehungsexpertin rät, seine Gefühle immer wieder zu hinterfragen: „Manchmal fühlt sich etwas wie Liebe an und ist eigentlich eher die Angst vor dem Alleinsein“, sagt sie. Es könnte sich herausstellen, dass die Liebe, die man einst empfunden hat, in Wirklichkeit keine Liebe mehr sei. Dies trifft vor allem auf längere Beziehungen zu, in denen es mit den Jahren zu einer Abhängigkeit kommen kann.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wanja Kunstleben, Paartherapeut und Psychologe, unterstreicht, wie schwierig und emotional belastend Trennungen sein können – insbesondere, wenn Menschen sich noch lieben, aber andere Umstände die Beendigung der Beziehung erfordern. Häufig sei eine therapeutische Unterstützung notwendig, um den Trennungsschmerz zu bewältigen. Der Psychologe erklärt: „Das kann ein langwieriger Prozess sein, bis man innerlich wieder offen für neue Partnerschaften wird.“

Wanja Kunstleben ist Paartherapeut und Psychologe.
Wanja Kunstleben ist Paartherapeut und Psychologe.© storyfacturing

Laut Kunstleben gelingt es allerdings einigen Paaren, nach der Trennung eine freundschaftliche Beziehung zu pflegen. „Man kann sich dem anderen auch auf anderem Wege innerlich verbunden fühlen“, betont der Experte.

Liebeskummer: Wie man den Schmerz einer Trennung am besten überwindet

Wenn Beziehungen trotz bestehender Liebesgefühle zerbrechen, stellt dies für die Betroffenen oft eine große emotionale Belastung dar. Wie lässt sich mit Liebeskummer umgehen? Und welche Strategien unterstützen dabei, eine Trennung zu verarbeiten? Beziehungscoachin van Santen gibt wichtige Tipps:

Tipp Nr. 1: Zeit lassen

„Wenn man sich trotz Liebe trennt, muss man sich Zeit zum Loslassen geben. Viele Menschen denken, sie haben die Entscheidung getroffen und können dann direkt abschließen. Es braucht aber einfach Zeit zum Trauern und Verarbeiten. Das gilt es, zu akzeptieren. Loslassen ist nichts, was man aktiv herbeiführen kann. Nach der Trennung durchläuft man verschiedene Phasen. Dazu zählt auch eine Zeit, in der man den Partner noch einmal idealisiert und vielleicht auch zurückwünscht. Das ist ganz normal und diese Phase geht wieder vorbei. Das muss man leider einfach aussitzen und sollte in dieser Zeit nicht wieder zum Partner zurückrennen.“

Tipp Nr. 2: Fragen vor Abschlussgespräch aufschreiben

„Wenn man nach der Trennung noch viele offene Fragen hat, kann man diese vorher notieren und dann erst einmal sechs bis acht Wochen abwarten, bevor man ein Gespräch vom Ex-Partner verlangt. Wenn Zeit ins Land zieht und man Abstand gewinnt, verschwinden viele Fragen und Unverständnis von allein. Die wenigen Fragen, die noch übrigbleiben, kann man – wenn man das überhaupt noch möchte – dann im Rahmen eines Gesprächs klären.“

Tipp Nr. 3: Die Wunden heilen lassen

„Es bringt nichts, die Trennung nach Wochen immer wieder ausführlich mit Freunden durchzukauen, dann dreht man sich im Kreis. Trotzdem ist es super wichtig, darüber zu reden. Aber irgendwann bringt das nichts mehr, nervt Freunde nur noch und holt immer wieder die gleichen Gefühle und Fragen hoch. Am besten versucht man, Freunden am Anfang des Gesprächs eine Kurzfassung zu geben und dann das Thema wechseln.“

Tipp Nr. 4: Erinnerungsorte meiden

„Ich empfehle, während und nach der Trennung, für ein paar Wochen oder Monate Erinnerungsorte zu meiden. Also zum Beispiel ein Restaurant, in dem man gerne mit seinem Partner war. Das holt meistens nur alte Gefühle wieder hoch oder lässt einen melancholisch werden.“

Lesen Sie auch

Freundschaft noch möglich? Zu welchem Vorgehen ein Psychologe nach der Trennung rät

Nach einer Trennung stellen sich viele Betroffene oft die Frage: Soll ich mit meinem Ex-Partner oder meiner Ex-Partnerin im Kontakt bleiben? „Grundsätzlich ist ein Kontaktabbruch erst einmal gut“, so Kunstleben. Es sei wichtig, sich Zeit zu nehmen und die Wunden heilen zu lassen. „Zu Beginn hilft es erfahrungsgemäß den meisten, einfach Zeit für sich zu haben“, so der Psychologe weiter. „Es ist auch nicht unbedingt ratsam, sich direkt in die nächste Beziehung zu werfen – aber da spielt manchmal das Leben anders, und wer sich neu verliebt, kann diesen Rat nicht immer befolgen.“

  • Aktuelle Nachrichten aufs Handy? Hier geht es zur neuen WAZ-News-App – für Android und iOS.
  • Die WAZ auch bei Social Media – ob WhatsApp, Instagram oder Facebook.
  • Sie mögen den Tag kompakt zusammengefasst? Dann sind Sie beim täglichen WAZ-Newsletter richtig – hier entlang.

Grundsätzlich sei es empfehlenswert, innerlich zur Ruhe zu kommen und seine Gefühle neu zu sortieren. Doch selbst, wenn Betroffene keinen Liebeskummer mehr haben, sei eine Freundschaft mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin nicht immer sinnvoll, so Kunstleben. „Wenn beim anderen noch der Partnerwunsch bestehen bleibt, dann wird es kompliziert“, warnt der Experte. In solchen Fällen sei Abstand oft die bessere Wahl – auch wenn es schwerfällt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Berliner Morgenpost.