Wenn der Partner fremdgeht, steht die gesamte Beziehung auf dem Spiel. Doch in vielen Fällen müssen verhängnisvolle Affären nicht unbedingt mit der Partnerschaft oder dem Betrogenen zu tun haben. Oftmals sind sie der Ausdruck von tief verankerten, unaufgearbeiteten Problemen des oder der Untreuen. Ein Psychologe erklärt, was hinter den Motiven für einen Seitensprung stecken kann und welche Persönlichkeitstypen öfter fremdgehen als andere.

Sexsucht als mögliche Ursache? Ein Paartherapeut erklärt einen der Gründe für häufiges Fremdgehen

Laut Rüdiger Wacker, Duisburger Psychologe und Paartherapeut, könnte eine Sexsucht, in der Medizin auch als Hypersexualität bezeichnet, einer der Gründe für ein häufiges Fremdgehen sein.

Es handele sich dabei um eine Störung, bei der die Betroffenen die Kontrolle über ihr Sexualverhalten verlieren: „Sexsucht ist eine Störung, die durch eine übermäßige Beschäftigung mit sexuellen Gedanken, Impulsen oder Verhaltensweisen gekennzeichnet ist, die sich negativ auf verschiedene Lebensbereiche auswirkt“, so Wacker. Der Paartherapeut betont gleichzeitig, dass Hypersexualität zwar ein Risikofaktor sei, jedoch nicht automatisch zur Untreue führe.

Narzissmus und Fremdgehen: Wissenschaftler stellen eindeutige Verbindung her

In einer Studie aus dem Jahr 2024 hat ein Forscherteam untersucht, ob Fremdgehen mit narzisstischen Verhaltensweisen im Zusammenhang steht. Über einen Zeitraum von vier Jahren beobachteten Wissenschaftler frisch verheiratete Paare und konnten dabei feststellen, dass Narzissmus signifikant zur Wahrscheinlichkeit eines Seitensprunges beitragen kann.

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„Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung haben per Definition ein geringes Einfühlungsvermögen und ein geringes Selbstwertgefühl, was ihnen aber in der Regel nicht bewusst ist. Im Gegenteil, die eigene Person wird sozusagen als ,Schokoladenkeks unter allen anderen Keksen‘ gesehen“, erklärt Wacker. „Beide Aspekte begünstigen Grenzüberschreitungen: Das mangelnde Mitgefühl berücksichtigt nicht die Verletzungen, die man anderen damit zufügt, und das geringe Selbstwertgefühl braucht ständig neue Nahrung, um sich zu beweisen, dass man großartig ist – zum Beispiel durch eine Affäre“.

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Untreue in der Partnerschaft: Hohes Fremdgeh-Risiko bei Menschen mit Bindungsängsten

Auch bei Menschen mit Bindungsängsten, die sich vor zu viel Nähe in Beziehungen fürchten und sich häufig nicht liebenswert fühlen, könnte das Fremdgeh-Risiko groß sein. „Die Angst vor Nähe und Verbindlichkeit kann manche Bindungsphobiker dazu verleiten, Distanz durch Untreue zu schaffen oder Beziehungen zu sabotieren, bevor sie zu eng werden“, erklärt der Paartherapeut. Oft gehe mit einem unsicheren Bindungsstil ein geringes Selbstwertgefühl einher. In solchen Fällen könnten Affären als ein Versuch dienen, Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren.

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Der Diplom-Psychologe weist darauf hin, dass ein starkes Selbstwertgefühl häufig mit einem übertriebenen Selbstbild verwechselt werde: „Sowohl die Person selbst als auch die Außenwelt können sich hier täuschen.“ Ein echtes Selbstwertgefühl erkenne man daran, dass es weder überhöht noch egozentrisch ist.