Dass Männer im Liebesleben oft zu unverbindlichen Liaisons tendieren, ist ein Klischee – das nur allzu oft bestätigt wird. Laut einer Studie von „ElitePartner“ aus dem Jahr 2023 ist die Single-Quote bei Männern vom 18. bis zum 39. Lebensjahr konstant höher als bei Frauen, erst danach liegt sie leicht darunter. Doch was steckt dahinter? Oftmals haben Männer kein großes Interesse an einer tiefen Verbindung, die der Ausdruck echter Nähe wäre. Sie leiden an der so treffend bezeichneten Bindungsangst. Ein Experte klärt auf, was es mit dem Phänomen auf sich hat und welche Hoffnungen auf eine Heilung sich Partnerinnen machen können.
Beziehung: Was sind die häufigsten Anzeichen für eine Bindungsangst?
Bindungsangst kommt oft zum Vorschein, wenn sich der Partner von zu viel Nähe erdrückt fühlt und sein Wunsch nach Autonomie stärker wird. Das Bedürfnis nach mehr Selbstbestimmung wird dann häufig gestillt, in dem sich der bindungsängstliche Partner emotional distanziert oder sogar plötzlich verschwindet. Dieses Verhalten kann durch verschiedene Themen ausgelöst werden: von Händchenhalten bis zu gemeinsamer Urlaubs- oder Heiratsplanung, sagt Eric Hegmann, Paartherapeut und Mitbegründer der Modern Love School.
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Warum einige Männer keine feste Beziehung eingehen wollen, liegt demnach vor allem daran, dass sie Angst haben, verletzt zu werden, so Hegmann. Sie wollen ihre Autonomie bewahren und gehen oft auf Distanz, wenn sie sich durch zu viel Bindung eingeengt fühlen. Das erklärt auch, warum eine Beziehung mit einem Partner, der an einer Bindungsangst leidet, häufig von einem emotionalen Auf und Ab geprägt ist. Einer großen Liebeserklärung kann kurz danach eine zurückhaltende Haltung folgen, sagt der Paartherapeut. Auch eine Fehlersuche bei seinem Partner oder häufige Trennungen können weitere Anzeichen für Bindungsangst sein.
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Bindungsangst: In welcher Lebensphase entsteht die Furcht vor Intimität?
Bindungsängste haben ihren Ursprung oft in der Kindheit. Sie können die Folge von schlechten Erfahrungen mit den ersten Bindungspersonen sein: Die Scheidung der Eltern oder ein emotional distanzierter Elternteil kann dazu führen, dass sich ein Kind nicht liebenswert fühlt und glaubt, sich die Elternliebe erst einmal verdienen zu müssen.
Im erwachsenen Alter entsteht daraus häufig eine Verlustangst – der Betroffene verspürt eine tiefe Angst, von seinem Partner verlassen zu werden. „Bindungsangst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom für unverarbeitete Trennungs- und Verlusterfahrungen“, erklärt Hegmann. Was daraus folgt, ist die Bindungsangst, die wie ein Schutzmechanismus vor der Verlustangst wirkt: Wenn der Betroffene keine Bindung zulässt, geht er kein Risiko ein, verletzt oder verlassen zu werden.
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Wichtig sei es, sich erst einmal bewusst zu machen, dass Bindungsangst nicht viel über die Liebe des Partners aussagt. Eine offene und ehrliche Kommunikation über das Problem könne in vielen Fällen weiterhelfen. Seinem Partner Vorwürfe zu machen, wirke eher kontraproduktiv. Frauen müssen dennoch davon ausgehen, dass die Beziehung mit einem Mann, der an einer tiefen Bindungsangst leidet, von ständigen Nähe- und Distanzphasen bestimmt werden kann. „Einen bindungsängstlichen Mann als Partner zu haben, kann eine Herausforderung sein“, sagt Hegmann.
Frauen, die sich immer „in den Falschen“ verlieben und häufig auf einen bindungsängstlichen Partner treffen, sollten demnach erst einmal überlegen, ob sie sich möglicherweise selbst vor zu viel Nähe schützen wollen. „Hinter der Partnerwahl können eigene, versteckte Bindungsängste stecken, die sich für die Betroffenen sogar gegenteilig, nämlich als Verlustängste, darstellen.“ Wer sich in einen unerreichbaren Mann verliebt, der will vielleicht selber keine feste Beziehung.
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Klartext vom Paartherapeuten: Können Männer ihre Bindungsangst ablegen?
Die gute Nachricht ist: Menschen können ihre Bindungsangst überwinden. „Bindungsangst ist nichts Pathologisches, also Krankhaftes, sondern eine Schutzstrategie, die aus der Erfahrung entsteht, sich lieber nicht emotional von anderen abhängig zu machen“, sagt Paartherapeut Hegmann. Die Angst vor der emotionalen Nähe sei bloß eine Bewältigungsstrategie, die der Betroffene oft in seiner Kindheit erlernt hat. Um die Bindungsangst zu überwinden, sei zunächst einmal wichtig, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen und sich idealerweise professionelle Hilfe zu holen. Hilfreich seien Strategien, die es ermöglichen, mit Verlust- und Trennungserfahrungen einen gesunden Umgang zu finden.






