Hilfe für Bedürftige

Sozialverband warnt vor Aus des Sozialtickets in NRW

Auch Senioren, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, haben Anspruch aufs Sozialticket, das etwa halb so teuer ist wie ein reguläres Monatsticket der Preisstufe A.

Foto: Jens Büttner/DPA

Auch Senioren, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, haben Anspruch aufs Sozialticket, das etwa halb so teuer ist wie ein reguläres Monatsticket der Preisstufe A. Foto: Jens Büttner/DPA

Düsseldorf.   Bedürftige erhalten in NRW ein rabattiertes, subventioniertes Monatsticket für Bus und Bahn. Ob Schwarz-Gelb es weiter fördert, ist ungewiss.

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Der Landesverband des größten deutschen Sozialverbandes VdK fordert die schwarz-gelbe Landesregierung dazu auf, sich zum Erhalt des Sozialtickets zu bekennen. Der Landesvorsitzende des VdK, Horst Vöge, warnte vor den gesellschaftlichen Folgen, würden Personen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, nicht länger zu reduzierten Preisen innerhalb ihrer Stadt mit Bus und Bahn fahren können.

„Damit wird die Mobilität jener erheblich eingeschränkt, denen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben eh schon erschwert ist“, sagte Vöge dieser Zeitung. Besonders kritisch sieht er die Lage armer Senioren: „Gerade für sie sind Kontakte zum Bekanntenkreis wichtig. Dafür müssen sie aber mobil sein.“

Das 2011 eingeführte subventionierte Sozialticket ist eine vergünstigte Monatskarte für Bedürftige, die etwa Hartz IV, Sozialgeld oder Leistungen zur Grundsicherung im Alter beziehen. Das Ticket der Preisstufe A ist mit derzeit knapp 38 Euro etwa halb so teuer wie der reguläre Monatsfahrschein. Im vergangenen Jahr gab das Land knapp 40 Millionen Euro aus, um den durch die Rabattierung entstehenden Einnahmeverlust bei den Verkehrsunternehmen zu decken.

Anlass zur Sorge geben jetzt die nur nebulösen Erklärungen der Landesregierung auf Anfragen der Fraktionen von SPD und Grünen im Landtag, ob Schwarz-Gelb diese Förderung des Sozialtickets beibehalten wolle. Das NRW-Verkehrsministerium verweist darauf, dass die Landesregierung derzeit über eine Veränderung im Ticketsystem berate. Mit ersten Ergebnissen dieser Gespräche sei im Herbst zu rechnen, heißt es – solange bleibt die Zukunft des Rabatt-Tickets ungewiss. Im NRW-Koalitionsvertrag ist es nicht erwähnt. In der Vergangenheit hatten Vertreter von CDU und FDP beim Sozialticket „Sparpotenzial“ angemerkt.

Arndt Klocke, Vorsitzender der Grünen Landtagsfraktion, warnt davor, den Rotstift bei der Förderung des Sozialtickets anzusetzen. „Das wäre ein gravierender Einschnitt für die Gerechtigkeit im Land“, sagte Klocke dieser Zeitung. „CDU und FDP würden Menschen, die häufig bereits das Gefühl haben, gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein, Teilhabe-Chancen nehmen.“

Nach Auskunft des Verkehrsministeriums wird das rabattierte Monatsticket inzwischen nahezu flächendeckend in den Städten und Kreisen von NRW angeboten – rund 96 Prozent der Anspruchsberechtigten hätten 2016 davon profitieren können. Allein im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) nutzen monatlich im Durchschnitt rund 170 000 Kunden das Sozialticket. 2016 machten sie 114 Millionen Fahrten – 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Oftmals sind die Tickets mit Vergünstigungen für Freizeitangebote verbunden.

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