Technik

Roboter als Retter: Forschungszentrum entsteht in Dortmund

Branddirektor Hauke Speth (links) und Thomas Barz vom Fraunhofer Institut für Kommunikation begutachten einen Rettungsroboter.

Branddirektor Hauke Speth (links) und Thomas Barz vom Fraunhofer Institut für Kommunikation begutachten einen Rettungsroboter.

Foto: Lars Fröhlich

Dortmund.   Bei Bränden oder Hauseinsturz wird es für Retter schnell gefährlich. Roboter könnten helfen. Ob sie dazu taugen, wird bald in Dortmund erforscht

Als Sabine ten Hagen-Knauer im Sommer 2017 Freunde in Portugal besucht, trifft sie sie an beim Zusammenfegen ihres Weinguts. Ein Waldbrand war über den Fluss gesprungen, die örtliche Feuerwehr überrascht und zu schlecht ausgestattet, internationale Hilfe zu spät.

Das Weingut gibt es nun wieder, aber am Donnerstagmittag erzählt die Ministerialrätin die Geschichte aus gegebenem Anlass dennoch: Sie passt einfach zu gut.

„Wie weit kann ich meine Kräfte vorschicken?“

Denn da beginnt in Dortmund der Aufbau des „Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums (DRZ)“ auf dem alten Industriegelände von Phoenix-West. 20 Jahre, nachdem sie hier den letzten Hochofen ausmachten, entsteht es als Gewerbefläche neu. Phönix aus der Asche, wenn man so will.

„Die Frage ist immer: Wie weit kann ich meine Kräfte vorschicken?“, sagt Branddirektor Hauke Speth – denn zu weit kann tödlich sein für seine Feuerwehrleute. Mit Rettungsrobotern könnte die Feuerwehr diese Grenze verschieben, der Phantasie sind da mal wieder keine Grenzen gesetzt.

Keine Angst, kein Stress, kein Zeitdruck

Denn Roboter können dorthin, wo es für Menschen zu heiß ist, zu kalt oder zu giftig, zu tief oder zu brüchig; sie können Lasten transportieren, Trümmer aus dem Weg räumen oder hinüber klettern. Stress, Angst und Zeitdruck kennen sie praktischerweise auch nicht. Es gehe darum, „die Menschenrettung und den Sachwertschutz zu verbessern und die Gefahr für die eigenen Leute zu verringern“, sagt der Leitende Branddirektor Detlev Harries.

Einige gibt es auch schon, im Forschungsstadium. Und so rollen am Donnerstag koffergroße Kettenfahrzeuge vor dem kalten Hochofen vor und zurück. Sie sind ferngesteuert, tragen optische Systeme mit sich, um im Ernstfall in Ecken gucken zu können, die der Mensch nicht erreicht, und sie haben Greifarme, um Dinge zu räumen.

Koffer sprengen und Tunnel entrauchen

Einige wenige sind auch schon in der Wirklichkeit angekommen: Roboter sind im Einsatz, wenn verdächtige Koffer untersucht und gesprengt werden müssen. Oder das „Löschunterstützungsfahrzeug (Luf)“: Das ist ein großer, ferngesteuerter Lüfter auf Ketten, der U-Bahnhöfe oder Tiefgaragen entraucht.

Und eine Feuerwehr-Drohne fliegt auch im Dortmunder Himmel: „Sie schließt unsere Lücke in der Draufsicht“, sagt Speth, der Branddirektor: „Unsere Drehleitern enden bei 30 Metern, Hubschrauber gehen oft nicht unter 500 Meter.“

Drohnen merken, wenn ihnen der Strom ausgeht

Auch das ist ausbaufähig: So experimentieren Forscher mit Drohnen, die eine Giftwolke ausmessen können, die Schadstoffe analysieren, dabei miteinander kommunizieren. Und, ganz wichtig: Sie merken, wenn sich ihr Akku leert, und fliegen dann zu einer Ladefläche. Strom tanken. Genau die praktische Eigenschaft, die man im Forschungseifer gerne mal vergisst.

Freilich steckt das Zentrum noch ganz in den Anfängen. Sie gratuliere „zum Start des Aufbaus“, sagt Sabine ten Hagen-Knauer, die Ministerialrätin aus dem Bundesforschungsministerium. Zunächst beginnt die Arbeit in gemieteten Räumen in einem Technologie-Zentrum, bis 2021 sollen die eigenen Räume, Labore und Forschungsstätten stehen.

Standards entwickeln und Richtlinien schreiben

Das Ministerium finanziert die ersten vier Jahre mit zwölf Millionen Euro, später soll das DRZ sich selbst finanzieren: Indem es Leute ausbildet und schult, Standards entwickelt und Richtlinien schreibt. Träger ist ein Verein, dem unter anderem mehrere Hochschulen angehören, andere Forschungsinstitute sowie einschlägig aktive Firmen.

Und die Feuerwehr Dortmund selbst, die ihre praktischen Erfahrungen einbringen soll und das Wissen, was sie wirklich braucht in Gefahrenlagen. Denn von einem hat Detlev Harries genug: von Menschen, die ein Problem gelöst zu haben glauben und danach erst gucken, ob die Feuerwehr es überhaupt hat.

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