Car-Freitag

Justizminister will Rasern Autos wegnehmen und versteigern

Die Tuning-Szene trifft sich traditionell am Karfreitag zur Schau ihrer aufgemotzten Fahrzeuge. Die Polizei NRW hat das im Blick und will illegalen Autorennen entgegentreten.

Die Tuning-Szene trifft sich traditionell am Karfreitag zur Schau ihrer aufgemotzten Fahrzeuge. Die Polizei NRW hat das im Blick und will illegalen Autorennen entgegentreten.

Foto: Thomas Frey

Düsseldorf.  NRW-Justizminister Biesenbach: „Wer glaubt, dass er in Innenstädten Rennen fahren darf, der sollte schon mal für ein Fahrrad sparen.“

Der Karfreitag gilt als stiller Feiertag, aber die Tuningszene nutzt das von ihr in „Car-Freitag“ umgetaufte Fest alljährlich zur dröhnenden Auferstehungsfeier nach der Winterpause. In diesem Jahr allerdings sollten sich alle, die nicht nur schöne Autos zeigen wollen, sondern auch von illegalen Rennen träumen, warm anziehen, warnt NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU): „Wer glaubt, dass er in unseren Innenstädten Rennen fahren darf, der sollte schon einmal anfangen, für ein Fahrrad zu sparen“, sagte Biesenbach dieser Redaktion. Selbst ernannte Rennfahrer würden, wenn möglich, bestraft, ihre Autos als „Tatmittel“ im Internet versteigert.

Unter www.justiz-auktion.de seien jetzt schon „ein paar schöne Sportwagen“ zu ersteigern, sagte der Minister. Im vergangenen Jahr ermittelte die Polizei nach dem „Car-Freitag“ gegen 355 Raser in NRW. Diesmal dürfte sich die Zahl der Ermittlungen wegen einer im vergangenen Jahr geänderten Rechtslage erhöhen, vermutet die Landesregierung.

Rasern drohen bis zu zehn Jahre Haft

Denn illegale Rennen sind nun, so Biesenbach, „eine richtige Straftat mit harten Strafen und teuren Nebenfolgen“. Wer ein solches Rennen fährt, dem drohen selbst dann zwei Jahre Knast, wenn niemand durch das Rennen gefährdet wird. Davor wurden für ein solches Vergehen nur 400 Euro Bußgeld kassiert und ein Monat Fahrverbot verhängt. Wird jemand durch die Raserei verletzt, dann sind jetzt sogar bis zu zehn Jahre Haft für den Täter möglich.

Schon Biesenbachs Amtsvorgänger Thomas Kutschaty (SPD) hatte sich auf das Thema illegale Rennen gestürzt und zusammen mit anderen Länderministern über den Bundesrat die Gesetzesverschärfung betrieben. Für Kutschaty war es „wirklichkeitsfremd“, dass Raser und Veranstalter von unerlaubten Rennen nur Bußgelder zahlen mussten.

Polizei: Wir wollen die Szene nicht verteufeln

Der „Car-Freitag“ 2018 soll in NRW eine Trendwende markieren und die Szene durch Kontrollen und Strafandrohungen verunsichern. „Wenn sie merkt, dass Polizei und Justiz hart durchgreifen und die ersten Raser nach einem Rennen mit dem Linienbus nach Hause fahren und dann auch noch Post von der Staatsanwaltschaft bekommen, wird Rasen sehr an Zuspruch verlieren“, so Biesenbach.

In Dortmund, Oberhausen, Köln und anderen Städten, in denen Karfreitag erfahrungsgemäß viele Tuner mit ihren aufgemotzten Autos posieren, wird die Polizei mit großem Aufwand kontrollieren. Es gehe nicht darum, die ganze Szene zu verteufeln. „Wir suchen die schwarzen Schafe, alle anderen sind herzlich willkommen“, sagte ein Sprecher der Polizei Bochum. An der A40-Autobahnabfahrt „Dückerweg“ in Wattenscheid und nebenan am „Ruhrpark“ werden wieder Hunderte Tuner erwartet. Die Polizei bringt dort Beamte, die sich in der Szene gut auskennen, und Kfz-Sachverständige, die illegale Basteleien schnell erkennen können, zum Einsatz. 1100 getunte Autos wurden im vergangenen Jahr am Dückerweg gezählt, 176 Fahrer waren zu schnell unterwegs. In Duisburg wirft die Polizei an der Landesstraße 1 bei Hamborn und in anderen Teilen der Stadt schon ab heute Abend ein waches Auge auf die Szene.

Justizminister Biesenbach empfiehlt jedem, der richtig Gas geben möchte, eine Runde auf dem Nürburgring. Die koste aktuell 25 Euro. „Wer diese 25 Euro sparen will und den Innenstadtring mit der Nordschleife verwechselt, der bekommt die volle Härte des Gesetzes zu spüren.“

>> WIEDER MEHR VERLETZTE

Schwere und sogar tödliche Unfälle bei illegalen Rennen hat es immer wieder gegeben. Im Frühjahr 2015 hatten sich zwei junge Männer in ein Rennen geliefert, dabei wurde eine 19-jährige Radfahrerin getötet. Vor wenigen Tagen hob ein Kölner Gericht die umstrittene Aussetzung der bereits verhängten Strafen zur Bewährung auf. Beide Raser müssen jetzt ins Gefängnis. einer von ihnen hat Revision eingelegt.

In Hagen verletzten Raser einen Sechsjährigen lebensgefährlich. Einer der Täter wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Das bundesweit erste Mordurteil gegen zwei Berliner Raser wurde kürzlich aufgehoben.

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