Groß-Razzia in Essen

Großrazzia in Essen: So sagt NRW Familien-Clans den Kampf an

NRW-Innenminister Herbert Reul (r.) beobachtete die Großrazzia in der Essener Innenstadt.

NRW-Innenminister Herbert Reul (r.) beobachtete die Großrazzia in der Essener Innenstadt.

Foto: André Hirtz

Düsseldorf.   Bei einer groß angelegten Razzia in Essen hat die Polizei sechs Menschen festgenommen und etliche Kilogramm Rauschgift sichergestellt.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat nach einer groß angelegten Razzia in Essen kriminellen Familienclans in NRW den Kampf angesagt. „Wir stören sie. Wir treten dem Machtanspruch der Clanfürsten selbstbewusst entgegen“, sagte Reul. Der Razzia in Essen, bei der in der Nacht zu Freitag rund 600 Personen sowie etwa 100 Geschäfte und Bars kontrolliert wurden, sollen weitere folgen. „Es wird große und kleine Aktionen geben“, drohte der Minister.

Das Besondere bei der Kontrolle in der nördlichen Essener Innenstadt war, dass nicht nur rund 300 Polizisten im Einsatz waren, sondern dass auch der Zoll, Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Lebensmittelüberwachung, der Ausländerbehörde, des Jobcenters und andere Unterstützer einbezogen wurden. Reul möchte, dass dieses Beispiel Schule macht: „Ich wünsche mir, dass wir bei dieser Art der Kriminalität weiter die Zusammenarbeit zwischen den Behörden organisieren.“ Solch eine Arbeitsteilung entfalte eine stärkere Wirkung als eine normale Razzia. „Sie erwischen die Clans damit an mehreren Stellen. Sie erwischen sie mit unversteuertem Tabak, beim Nichteinhalten von Hygiene-Vorschriften, bei der Schwarzarbeit“, sagte der Minister. Reul hatte die Razzia persönlich beobachtet, auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) war vor Ort.

Auch 20 Gramm Kokain beschlagnahmt

Laut Polizei ist die Gegend, in der massiv kontrolliert wurde, häufig als Ort gewalttätiger Auseinandersetzungen türkisch-libanesischer Familienclans aufgefallen. Diese Klientel halte sich dort oft in Shisha-Bars, Kneipen, Teestuben und Wettbüros auf. Insgesamt wurden acht Männer festgenommen, unter anderem, weil sie zur Abschiebung ausgeschrieben waren. 300 Kilo unversteuerter Tabak und Drogen, darunter 20 Gramm Kokain, wurden beschlagnahmt.

Wichtiger noch als diese Bilanz sei das Signal an die Clans, dass der Staat sie im Blick habe: „Diese Stadtviertel gehören nicht euch, sondern allen Essener Bürgern“, sagte Reul. Auch Oberbürgermeister Kufen zeigte sich zufrieden. „Wir haben für die Bürgerinnen und Bürger Präsenz gezeigt, und haben deutlich gemacht, dass wir sehr genau hinschauen“, sagte er. „Einzelne Aktionen bringen nichts, deshalb bleiben wir kontinuierlich dran.“

In Duisburg will die Landesregierung ein besonderes Projekt gegen Clan-Kriminalität starten, das es schon in Berlin-Neukölln gibt: NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) möchte dort ein Team aus zwei spezialisierten Staatsanwälten etablieren, das sich um die Szene kümmern soll. In der Stadt gibt es rund 70 türkisch-, kurdisch- und arabischstämmige Großfamilien rund 2800 Mitgliedern.

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben