Braunkohle

Harter Kurs im Hambacher Forst: Land plant erneute Räumungen

Polizisten bei einem Einsatz im Hambacher Forst im November 2018.

Polizisten bei einem Einsatz im Hambacher Forst im November 2018.

Foto: Marius Becker / dpa

Düsseldorf.   Kein "rechtsfreier Raum": Die NRW-Regierung bereitet wieder einen Großeinsatz im Hambacher Forst vor. Das Ziel: die neu errichteten Baumhäuser.

Die NRW-Landesregierung bereitet offenbar einen neuen Großeinsatz im Hambacher Forst vor. Wie unsere Redaktion aus Regierungskreisen erfuhr, sollen in Kürze erneut illegale Baumhäuser in dem 200 Hektar großen Waldgebiet im Rheinischen Braunkohlerevier geräumt werden. Als Begründung werden erneut baurechtliche Mängel bei den Hütten der Waldbesetzer herangezogen.

Wann genau die Räumung durchgeführt wird, blieb zunächst unklar. Als Voraussetzung gilt eine ausreichende Verfügbarkeit von Polizeikräften. Bauministerin Ina Scharrenbach und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) hatten zuletzt immer wieder betont, dass der Hambacher Forst auch im neuen Jahr nicht als „rechtsfreier Raum“ geduldet werde. Aus dem Bauministerium erging jüngst ein Erlass an die zuständigen Behörden, in den nächsten Tagen baurechtlich gegen die Waldbesetzer vorzugehen. Zum Jahreswechsel waren im Hambacher Forst Molotowcocktails und Steine geflogen. Es soll dort erneut eine zweistellige Zahl illegaler Baumhäuser errichtet worden sein.

Rot-Grün hatte Baumhäuser im Wald geduldet

Das Landesbauministerium hatte erstmals im September 2018 die lokalen Behörden angewiesen, die Baumhäuser zu räumen. Als oberste Bauaufsicht war Scharrenbach zu der Einschätzung gelangt, dass die Hütten in den Baumkronen als „bauliche Anlagen“ zu betrachten seien. Deshalb müssten für sie die gleichen Vorschriften zu Brandschutz und Statik gelten wie bei anderen Bauwerken auch.

Die rot-grüne Vorgängerregierung hatte dies anders beurteilt und die Baumhäuser im Hambacher Forst, der Eigentum des Energiekonzerns RWE ist, über Jahre geduldet. Das Oberverwaltungsgericht stellte inzwischen klar, dass die zum Teil militanten Waldbesetzer – unabhängig von baurechtlichen Fragen – das Demonstrationsrecht nicht als Rechtfertigung für das Wohnen in den Bäumen beanspruchen können.

Die erste Räumung von mehr als 50 Baumhäusern im Herbst 2018 wurde von einem der größten Polizeieinsätze der Landesgeschichte begleitet. Die kurz darauf erwartete Rodung des rund 200 Hektar großen Waldgebietes für den Tagebau hat bis heute nicht stattgefunden. Das Oberverwaltungsgericht stoppte die Planungen, weil es umweltrechtliche Fragen nochmals prüfen lassen will. Der Rechtsstreit könnte bis Ende 2020 dauern.


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