Tempelbomber

Tempelbomber: Kronzeuge schweigt im IS-Prozess gegen Abu Walaa

Der Tempelbomber-Prozess in Essen vor einem Jahr: Strafverteidiger Burkhard Benecken (Mitte).

Der Tempelbomber-Prozess in Essen vor einem Jahr: Strafverteidiger Burkhard Benecken (Mitte).

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Tempelbomber Yusuf T. hat sich offenbar vom Terror losgesagt und will sich nicht selbst belasten. Ermittlungen der Bundesanwaltschaft dauern an.

Im IS-Prozess gegen den Salafisten-Prediger Abu Walaa wird der als Essener Tempelbomber verurteilte Yusuf T. (18) nun doch nicht aussagen. „Mein Mandant macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch“, sagt Strafverteidiger Burkhard Benecken.

Der Prozess gegen Abu Walaa, die mutmaßliche deutsche Nummer eins des Islamischen Staates (IS), findet in Celle statt. Yusuf T., der am 16. April 2016 eine Bombe in den Sikh-Tempel auf der Bersonstraße schleuderte, verbüßt dafür eine siebenjährige Jugendstrafe.

Ursprünglich sollte er vom 7. August an in Celle aussagen – und den Hildesheimer Salafistenprediger schwer belasten. Einem Polizeibeamten zufolge soll Abu Walaa ihm den Auftrag zum Anschlag auf den Sikh-Tempel gegeben haben. „Mein Mandat war geladen für acht Tage und jeweils Stunden“, fügt Benecken hinzu.

Whatsapp-Gruppe nannte sich „Unterstützer des Islamischen Kalifats“

Offenbar haben Ermittlungen der Bundesanwaltschaft dazu geführt, dass Yusuf T. in dem IS-Prozess schweigen wird: Er könnte sich selbst belasten. Das Ermittlungsverfahren gegen den 18-Jährigen dauere noch, so die Sprecherin der Karlsruher Behörde.

T. steht unter Terrorverdacht wegen Gründung der Whatsapp-Gruppe „Unterstützer des Islamischen Kalifats“, ein Zirkel von 13 Jugendlichen, der sich blitzschnell radikalisiert hat. Yusuf gilt als „Emir“, als Befehlshaber der Whatsapp-Gruppe.

„Mein Mandant wusste nichts von den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, als er gegenüber dem Landeskriminalamt reinen Tisch machte und als Kronzeuge eine 150 Seiten umfassende Aussage machte“, sagt Benecken.

Anwalt: Mein Mandant hat sich vom IS-Terrorismus losgesagt

Der Marler Anwalt geht fest davon aus, dass sich Yusuf T. schon seit Längerem vom IS-Terrorismus losgesagt hat. Dafür spreche auch, dass er Kontakt zum Salafisten-Aussteigerprogramm „Wegweiser“ aufgenommen und sich schon während des Strafprozesses in Essen vom IS distanziert habe. „Ich bin überzeugt, dass er ein anderer Mensch ist als noch vor zwei Jahren“, so Benecken.

Hinter den Gittern der Haftanstalt Iserlohn hat Yusuf T. 20 Kilogramm abgenommen, die Mittlere Reife nachgeholt und eine Techniker-Lehre begonnen. Die einst von einem Imam geschlossene Teenager-Ehe zwischen T. und einer vollverschleierten Schülerin ist aufgelöst. Benecken: „Mein Mandant hat eine neue Freundin, eine junge Frau aus Gelsenkirchen, ebenfalls mit türkischen Wurzeln.“

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